Cannes feiert „Fjord“: Cristian Mungiu gewinnt mit Familiendrama die Goldene Palme

Helen Dorn Verdammte Familie – ZDF Krimi heute Abend
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Cristian Mungiu hat beim Filmfestival von Cannes erneut die Goldene Palme gewonnen. Sein Drama „Fjord“ wurde am Samstagabend als bester Film des Wettbewerbs ausgezeichnet. Für den rumänischen Regisseur ist es der zweite Hauptpreis in Cannes nach „4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“ aus dem Jahr 2007. In den Hauptrollen spielen Sebastian Stan und Renate Reinsve ein rumänisch-norwegisches Ehepaar, dessen Familienleben in einem norwegischen Dorf unter Druck gerät.

Goldene Palme für ein Drama über Erziehung und kulturelle Konflikte

„Fjord“ erzählt von den Gheorghius, einem gläubigen rumänisch-norwegischen Paar, das mit seinen Kindern in ein Dorf an einem Fjord zieht. Die Familie freundet sich mit Nachbarn an, deren Kinder ebenfalls engen Kontakt zu den Gheorghiu-Kindern entwickeln. Der Alltag verändert sich, als bei der Tochter Elia in der Schule Blutergüsse bemerkt werden. In der Gemeinde entsteht die Frage, ob der traditionelle Erziehungsstil der Eltern damit zusammenhängen könnte.

Mungiu verlegt damit einen familiären Konflikt in ein größeres Spannungsfeld: unterschiedliche Vorstellungen von Erziehung, religiöse Prägung, staatliche Schutzpflichten und kulturelle Normen prallen aufeinander. Der Film vermeidet dabei eine einfache Konfliktordnung zwischen Familie und Behörden. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, wie Gesellschaften mit abweichenden Lebensentwürfen umgehen, wenn zugleich der Schutz von Kindern berührt ist.

Sebastian Stan und Renate Reinsve im Zentrum des Films

Sebastian Stan spielt Mihai, Renate Reinsve übernimmt die Rolle der Lisbet. Zum Ensemble gehören außerdem Lisa Carlehed, Ellen Dorrit Petersen, Lisa Loven Kongsli, Henrikke Lund-Olsen und Vanessa Ceban. Der Film ist 146 Minuten lang und entstand als europäische Koproduktion mit Beteiligung aus Rumänien, Frankreich, Norwegen, Schweden und Dänemark.

Für Stan ist „Fjord“ ein weiterer Schritt in Richtung europäisches Autorenkino. Reinsve, die international vor allem durch „Der schlimmste Mensch der Welt“ bekannt wurde, spielt eine Figur, die zwischen Herkunft, Familie und gesellschaftlichen Erwartungen steht. Die Weltpremiere am 18. Mai wurde vom Festival dokumentiert. Nach der Vorführung gab es lange stehende Ovationen; einzelne Branchenberichte nannten unterschiedliche Dauern von zehn bis zwölf Minuten.

Mungiu gehört nun zu den mehrfach ausgezeichneten Cannes-Regisseuren

Mit der zweiten Goldenen Palme rückt Cristian Mungiu in eine kleine Gruppe von Filmemachern auf, die den wichtigsten Preis des Festivals mehr als einmal gewonnen haben. Cannes führt „Fjord“ offiziell als Gewinner der Palme d’Or 2026. Bereits zuvor hatte Mungiu mehrere Arbeiten im Wettbewerb des Festivals präsentiert, darunter „Beyond the Hills“, „Graduation“ und „R.M.N.“.

Die Auszeichnung stärkt zugleich die internationale Sichtbarkeit eines Films, der sich mit gesellschaftlichen Grundkonflikten in Europa beschäftigt. Jurypräsident Park Chan-wook lobte den Film für seinen Blick auf unterschiedliche Perspektiven und gegenseitiges Verständnis.

Cannes-Jahrgang 2026 mit politischem und gesellschaftlichem Ton

Die 79. Ausgabe der Filmfestspiele fand vom 12. bis 23. Mai 2026 statt. Neben „Fjord“ wurden weitere gesellschaftlich und politisch geprägte Arbeiten ausgezeichnet. Der Große Preis ging an „Minotaur“ von Andrey Zvyagintsev, der Preis der Jury an „Das geträumte Abenteuer“ von Valeska Grisebach. Die Regie-Auszeichnung wurde geteilt.

„Fjord“ steht damit nicht nur für einen persönlichen Triumph von Cristian Mungiu, sondern auch für einen Cannes-Jahrgang, in dem Fragen von Familie, Freiheit, Religion und gesellschaftlicher Spaltung auffällig präsent waren. Der Film dürfte nach dem Gewinn der Goldenen Palme international deutlich mehr Aufmerksamkeit erhalten.

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