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Arbeit soll sich in Deutschland wieder lohnen

Arbeit soll sich in deutschland wieder lohnen
Foto von Annie Gray auf Unsplash

Die Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP diskutiert derzeit, wie die Arbeitsanreize für Erwerbstätige in Deutschland verbessert werden können. Hintergrund sind die vergleichsweise hohen Abgabenbelastungen für Geringverdiener, die dazu führen, dass sich ein Jobwechsel finanziell oft kaum lohnt. Gleichzeitig klagen viele Unternehmen über einen Mangel an Arbeitskräften. Mit gezielten Anreizen könnte die Zahl der Erwerbstätigen erhöht und so dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden.

Hohe Grenzbelastungen machen Arbeit unattraktiv

Wer in Deutschland staatliche Unterstützung wie Arbeitslosengeld II oder andere Sozialleistungen bezieht und dann eine Arbeit aufnimmt, behält häufig nur einen geringen Teil des zusätzlich verdienten Geldes. Grund sind die hohen Grenzbelastungen durch den schrittweisen Wegfall verschiedener Transfers wie Wohngeld oder Kinderzuschlag sowie steigende Steuersätze und Sozialabgaben.

Laut Analysen kann so nach Abzug aller Abgaben und wegfallender Vergünstigungen am Ende sogar ein negativer Nettoeffekt entstehen, also dass der Job finanziell Nachteile bringt. Diese hohen Hürden machen es für Betroffene wenig attraktiv, eine Arbeit aufzunehmen und führen so zu verfestigter Arbeitslosigkeit.

Lindner bremst bei Vereinfachung der Zuverdienstregeln

Bereits im Koalitionsvertrag hatte die Ampelregierung angekündigt, die Zuverdienstmöglichkeiten für Bezieher von Sozialleistungen zu verbessern. Bisher können diese nur 100 Euro im Monat komplett behalten, alles darüber hinausgehende wird zu 10 bis 30 Prozent angerechnet. Diese Grenzen sollen nach dem Willen von SPD, Grünen und FDP angehoben werden.

Allerdings bremst derzeit vor allem FDP-Finanzminister Christian Lindner bei einer schnellen Reform. Er verweist auf die hohen Kosten, die zunächst entstehen würden. Die FDP-Bundestagsfraktion macht ihre Zustimmung zur geplanten Kindergrundsicherung nun von einer Verbesserung der Hinzuverdienstregeln abhängig.

Heil lässt Berechnungen zum „Jobturbo“ anfertigen

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) lässt derzeit vom Ifo-Institut in München verschiedene Modelle für einen „Jobturbo“ durchrechnen. Dabei sollen Erwerbslose einen größeren Teil ihres verdienten Geldes behalten dürfen, um so einen Anreiz für die Arbeitsaufnahme zu schaffen.

Laut den Ifo-Forschern könnte eine solche Reform die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden in Deutschland um 0,7 bis 1,8 Prozent erhöhen. Das würde bei rund 46 Millionen Erwerbstätigen der Arbeitsleistung von 400.000 bis 500.000 zusätzlichen Beschäftigten entsprechen. Die höheren Kosten würden durch mehr Steuern und Sozialabgaben sowie weniger Transfers wieder hereinkommen.

Chancen und Risiken

Gelockerte Zuverdienstgrenzen bergen Chancen, aber auch Risiken. Positiv könnte sich eine höhere Erwerbsbeteiligung auf die Sozialkassen und den Fachkräftemangel auswirken. Problematisch wäre, wenn dadurch mehr prekäre und schlecht bezahlte Jobs entstünden. Die Regierung betont, dass die Reform eine echte Aufstiegsdynamik ermöglichen soll. Niedriglöhne sollen nur als Einstieg dienen, um Langzeitarbeitslose wieder in Beschäftigung zu bringen.

Insbesondere bei ukrainischen Flüchtlingen besteht noch viel unausgeschöpftes Erwerbspersonenpotenzial. Mit gezielten Anreizen ließe sich ihre Integration in den Arbeitsmarkt beschleunigen und dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Die Debatte zeigt, dass die Bundesregierung das Ziel ernst nimmt, Arbeit finanziell attraktiver zu machen. Die konkrete Ausgestaltung einer Reform wird jedoch noch für Kontroversen sorgen.