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Der neue Antisemitismus von links

Münster erwartet eine pro-palästinensische Demonstration. Hier sind alle Details zur Veranstaltung, Sicherheitsvorkehrungen und Hintergründen. Antisemitismus von links Münsteraner Integrationsrat in der Kritik
Foto: hosny salah auf Pixabay

Antisemitismus von links: In Deutschland und anderen westlichen Ländern wächst die Sorge über einen zunehmenden Antisemitismus, der sich linker und vermeintlich fortschrittlicher Kreise bemächtigt hat. Während rechtsextremer Antisemitismus nach wie vor ein großes Problem ist, fühlen sich Juden zunehmend auch von linker Seite bedroht.

Solidarität mit Israel bleibt aus

Nach dem jüngsten Terrorangriff der Hamas auf Israel, bei dem 11 Israelis getötet wurden, zeigte die Politik zwar Solidarität mit den Juden. Im linken Teil der Zivilgesellschaft, in Kultur und Wissenschaft jedoch blieb diese Solidarität weitgehend aus. Stattdessen wurde teilweise sogar Verständnis für den Terrorangriff geäußert. Viele fragen sich, wie es sein kann, dass sich Personen, die sich als links bezeichnen, mit einer solchen Grausamkeit gegen Juden identifizieren können.

Ursprünge in den 60er Jahren

Schon in den 1960er Jahren begann sich die Haltung vieler Linker gegenüber Israel zu wandeln. Statt als Opfer des Nationalsozialismus sah man die Juden nun als Aggressoren und Verbündete der USA. Spätestens seit dem Sechstagekrieg 1967 wurde für Teile der Linken die antiimperialistische Haltung gegenüber Israel prägend. Im linken Milieu wurde es üblich, Israel zu dämonisieren und zu delegitimieren.

Unterstützung für Terrorismus

In den 70er und 80er Jahren kam es auch in Deutschland zu Unterstützung für Terroranschläge auf Israel und Juden. Terroristen der Roten Armee Fraktion sahen in Israel einen „Nazi-Faschismus“ und legitimierten so Gewalt. Auch in gemäßigten Kreisen gab es Sympathie für Boykottaufrufe gegen Israel. Diese Unterstützung für antisemitische Positionen wurde lange Zeit verharmlost oder ignoriert.

Israel im Zentrum der Kritik

Auf internationaler Ebene rückte Israel seit den 90er Jahren immer stärker in den Fokus einer radikalen Israel-Kritik. Die UN-Antirassismuskonferenz 2001 in Durban etwa endete mit einer Resolution, die Israel Rassismus und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorwarf. Gestrichen wurden dagegen Passagen zum Kampf gegen Antisemitismus. In diesem Umfeld entstand 2005 die anti-israelische BDS-Kampagne, die heute in weiten Teilen von Kultur und Zivilgesellschaft Unterstützung findet.

Antisemitismus von links: Argumentationsmuster

Hinter der Kritik an Israel stecken oft antisemitische Denkmuster: Israel wird dämonisiert, delegitimiert und mit Apartheids-Vorwürfen überzogen. Juden werden als weiße Unterdrücker gesehen, die bekämpft werden müssen. Der Holocaust wird relativiert, Israel als Brunnenvergifter dargestellt. Die BDS-Kampagne wird kaum mehr hinterfragt, sondern gilt vielen als Ausweis gesinnungsethischer Haltung.

Verbindungen zum Islamismus

Teilweise gibt es auch Verbindungen zwischen Linken und islamistischen Gruppen, die gemeinsam gegen Israel agitieren. Dass ausgerechnet Vertreter linker Bewegungen wie Feminismus oder Klimaschutz sich hier anschließen, ist für viele schwer nachvollziehbar. Dahinter steht die Konstruktion eines gemeinsamen Feindbildes Israel, das Widersprüche überdeckt. In Deutschland fühlen sich Juden durch diese Entwicklung zunehmend isoliert und ungeschützt.

Fazit

Der moderne Antisemitismus von links stellt eine beunruhigende Entwicklung dar, der sich demokratische Kräfte entgegenstellen müssen. Er bedroht den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das Versprechen „Nie wieder“, das nach dem Holocaust gegeben wurde. Gerade in Deutschland besteht die Pflicht, Antisemitismus und Israelhass klar zu benennen und zu bekämpfen – unabhängig davon, ob er von rechter oder linker Seite kommt.