Suche
Close this search box.
Das Logo von Münster Aktuell
BannerCP

Erfahrene Arbeitskräfte – eine unterschätzte Ressource

Erfahrene Arbeitskräfte - eine unterschätzte Ressource
Jonathan Borba auf Unsplash

Die deutsche Wirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Der demographische Wandel und der Fachkräftemangel zwingen die Unternehmen zum Umdenken. Insbesondere die Potenziale älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden dabei noch zu wenig berücksichtigt.

Diskriminierung älterer Arbeitskräfte – „never the right age“

Vor allem für Frauen mittleren Alters ist der Berufseinstieg oder Wiedereinstieg schwierig. Sie werden aufgrund ihres Alters oft als „überqualifiziert“ oder „unattraktiv“ abgestempelt. Dieses Phänomen des „Gendered Ageism“ oder „Never the Right Age“-Bias, also der Altersdiskriminierung von Frauen, ist wissenschaftlich belegt.

Eine Umfrage unter Führungskräften in den USA zeigte, dass es für Frauen kaum ein geeignetes Alter gibt, um Karriere zu machen. Junge Frauen gelten als zu unerfahren, ältere als fachlich nicht mehr auf dem Laufenden. Frauen im mittleren Alter seien angeblich zu sehr mit ihren Familien beschäftigt.

Wertvolle Erfahrung und Kompetenz

Diese Sichtweise können sich Unternehmen jedoch immer weniger leisten. Ältere Arbeitskräfte verfügen über wertvolle Berufserfahrung und Expertise. Caroline von Kretschmann, Geschäftsführerin des Europäischen Hofs in Heidelberg, betont: „Wir könnten ohne die Kompetenz der Älteren den Betrieb gar nicht erfolgreich führen.“

Auch Andrea Diehl, Gründerin der Initiative 7-45 für berufstätige Frauen ab 45, weiß um den Wert erfahrener Kolleginnen. Im mittleren Alter habe sie sich oft mehr Entwicklungsmöglichkeiten im Beruf gewünscht. Sie appelliert an die Unternehmen, altersgerechte Arbeitsmodelle anzubieten, um die Potenziale aller Generationen optimal zu nutzen.

Lebenslanges Lernen fördern

Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber sind gefordert, Möglichkeiten für lebenslanges Lernen zu schaffen. Personalleiterin Birgit Oßendorf-Will sieht Weiterbildungsmaßnahmen für ältere Beschäftigte allerdings teilweise skeptisch betrachtet. Dahinter stecke die Befürchtung, dass die Mitarbeiter sich nach einer teuren Bildungsmaßnahme einen neuen Job suchen.

Doch kontinuierliche Weiterbildung sei wichtig, um Kompetenzen auszubauen und auf dem Laufenden zu bleiben, so Oßendorf-Will. Auch ältere Arbeitskräfte müssten gezielt Weiterbildungsangebote einfordern. Die Investitionen der Unternehmen in die persönliche Entwicklung zahlen sich langfristig aus.

Altersgerechte Arbeitsmodelle entwickeln

Um die Potenziale aller Generationen zu nutzen, braucht es altersgerechte Arbeitsmodelle. Jobsharing, Teilzeitangebote oder flexible Übergänge in andere Aufgabenbereiche können älteren Arbeitskräften neue Perspektiven eröffnen.

Laut Caroline von Kretschmann müssen Unternehmen weg von starren Rollendefinitionen und hin zu einer Kultur, die Vielfalt in den Fokus rückt. Eine wertschätzende Führungskultur und altersgemischte Teams fördern den Wissenstransfer zwischen den Generationen.

Trennung aktiv unterstützen

Auch wenn ältere Beschäftigte das Unternehmen verlassen wollen, sollten Arbeitgeber sie dabei unterstützen, so Kretschmann. Wichtig sei, herauszufinden, was den Mitarbeitern gefehlt hat und daraus zu lernen. Die Chancen stünden gut, dass manche davon wieder zurückkämen. Ziel sollte sein, dass sich alle Mitarbeitenden wohlfühlen – auch über die Trennung hinaus.

Fazit

Angesichts des demographischen Wandels und zunehmenden Fachkräftemangels müssen Unternehmen umdenken. Die Potenziale erfahrener Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden noch zu wenig genutzt. Mit altersgerechten Arbeitsmodellen, Weiterbildungsangeboten und wertschätzender Unternehmenskultur können die Kompetenzen aller Generationen optimal gefördert werden. Lebenslanges Lernen und fließende Übergänge zwischen verschiedenen Aufgabenbereichen ermöglichen älteren Arbeitskräften neue Entwicklungschancen.