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Grüne Studiengänge – Nachhaltigkeit als Verkaufsargument für Unis?

Grüne Studiengänge - Nachhaltigkeit als Verkaufsargument für Unis?
Bild von Damian Barczak auf Unsplash

Die Nachfrage nach Studiengängen mit Nachhaltigkeitsbezug steigt. Immer mehr Hochschulen in Deutschland bieten Bachelor- und Masterprogramme mit Fokus auf Umwelt, Ökologie und Ethik an. Doch halten diese Programme auch, was ihre Titel versprechen? Oder handelt es sich bloß um „Greenwashing“, um mehr Studierende anzulocken?

Green Bachelor und Co. – neue Studiengänge boomten in den letzten Jahren

Laut einer Auswertung des Portals Studieren.de für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) hatten in den letzten vier Jahren 15 Prozent aller neuen Studienprogramme einen direkten Nachhaltigkeitsbezug. Aktuell listet die Plattform bereits fast 350 Master- und Bachelorstudiengänge, die das Thema explizit in den Fokus stellen – 60 Prozent mehr als noch 2019.

An der TU Berlin kann man beispielsweise einen Bachelor in Informatik und Nachhaltigkeit machen. Die Hochschule Aalen bietet Ressourcenmanagement im Klimawandel an, und mit einem Bachelor in Physik grüner Technologien der Uni Marburg lässt sich laut Website „Physik studieren und gleichzeitig gesellschaftliche Verantwortung übernehmen“.

Junge Generation will „etwas bewegen“

Laut einem Experten, der sich auf die Studienberatung junger Menschen spezialisiert hat, sind diejenigen, die sich für ein Studium mit Nachhaltigkeitsschwerpunkt entscheiden, hochmotiviert: „Sie wollen etwas bewegen und gehen mit hohen Erwartungen an die Uni.“ Häufig herrsche bei den Studierenden aber auch Enttäuschung, weil es im Studium dann doch weniger um Nachhaltigkeit gehe als versprochen.

Die Zielgruppe für die neuen grünen Studiengänge unterscheidet sich mitunter von der in klassischen Fächern wie BWL oder den Ingenieurwissenschaften. Der Frauenanteil ist tendenziell höher, ebenso das Interesse an gesellschaftlichen Themen. Laut einer Expertin ist es für eine technische Universität schon eine gute Nachricht, wenn über die Hälfte der Studierenden in einem Studiengang weiblich ist.

Akkreditierungsrat überprüft Angebote

Damit die Bezeichnung eines Studiengangs auch zum Inhalt passt, überprüft in Deutschland der Akkreditierungsrat im Zuge der Qualitätssicherung die Angebote der Hochschulen. Wenn Titel und Lehrplan zu weit auseinanderklaffen, kann es Auflagen geben. So geschehen beispielsweise bei einem Bachelorstudiengang, der den Begriff „Nachhaltigkeit“ prominent im Namen trug, dieses Thema aber im Curriculum kaum abdeckte.

Allerdings ist das Gremium nicht bei jeder Akkreditierung eingebunden. Hochschulen mit Systemakkreditierung dürfen das Gütesiegel für ihre Studiengänge selbst verleihen. Hier fehlt dann die unabhängige Kontrolle, ob die Inhalte wirklich zum Titel passen. Für die Unis geht es neben der inhaltlichen Ausrichtung ihrer Studienangebote aber auch ums Geld: Je attraktiver der Studiengang, desto mehr Bewerber und desto höher die Einnahmen.

Unternehmen zweifeln an Qualität der Ausbildung

Wie bewerten potenzielle Arbeitgeber eigentlich die neuen grünen Studiengänge? Hier ist die Begeisterung gedämpft. „Wir brauchen vor allem Leute, die das klassische Know-how haben“, meint beispielsweise der Geschäftsführer eines Maschinenbau-Unternehmens, das auf Anlagen für die Solarindustrie spezialisiert ist. Seine Mitarbeiter seien zwar voller Enthusiasmus, wenn es um Erneuerbare Energie gehe. „Aber diese Begeisterung basiert auf ihren exzellenten Grundlagen in Chemie, Physik, Elektrotechnik und Maschinenbau.“

In manchen der neuen Studiengänge würden die ingenieurwissenschaftlichen Grundlagen zu kurz kommen, gibt auch eine Expertin zu bedenken. Andererseits könne man Themen wie Energiewende und CO2-Reduktion nicht rein technisch angehen, sondern müsse auch politische und wirtschaftliche Aspekte einbeziehen. Die Absolventen grüner Studiengänge sind ihrer Ansicht nach mit ihrem Nachhaltigkeits-Mindset eine Bereicherung für die Wirtschaft.

Fazit

Die stärkere Ausrichtung auf Nachhaltigkeitsthemen bringt frischen Wind in die Hochschullandschaft und spricht neue Zielgruppen an. Doch es gilt, einen guten Mittelweg zwischen Idealismus und soliden Grundlagen zu finden, um die Studierenden bestmöglich auf die Anforderungen in der Arbeitswelt vorzubereiten. Transparenz und Ehrlichkeit auf Seiten der Universitäten sind wichtig, um überzogene Erwartungen zu vermeiden. Dennoch haben die grünen Studiengänge großes Potenzial, die dringend benötigte Transformation der Wirtschaft mit voranzutreiben.