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Häusliche Gewalt nimmt zu: Beratungsstellen können Ansturm kaum bewältigen

Häusliche Gewalt nimmt deutlich zu: Beratungsstellen können Ansturm kaum bewältigen
Mika Baumeister

Die Zahl der häuslichen Gewaltfälle in Deutschland ist im letzten Jahr um 8,5 Prozent gestiegen. Damit wurden 2021 über 240.000 Menschen Opfer von Gewalt im privaten Umfeld. Die Beratungsstellen verschiedener Wohlfahrtsverbände, die Betroffene unterstützen, werden regelrecht überrannt. Sie kommen mit der großen Nachfrage kaum noch hinterher.

Lange Wartezeiten in der Gewalt- und Krisenberatung

Laut Caritas und dem Sozialverband katholischer Männer (SKM) ist die Nachfrage nach Beratungsterminen derzeit deutlich höher als das Angebot. Bei der Caritas in Münster beträgt die Wartezeit für einen Termin rund neun Wochen. Für Menschen in akuten Krisen ist das jedoch viel zu lang, wie ein Sprecher betont. Auch der SKM berichtet, dass die Termine überall ausgebucht seien. Die Berater arbeiteten mit Wartelisten, so eine Sprecherin.

Steigende Bereitschaft, Gewalt zu melden

Trotz der langen Wartezeiten gibt es auch positive Entwicklungen. Laut dem Caritas-Sprecher steigt die Bereitschaft, gewalttätiges Verhalten in der Familie oder Nachbarschaft zu melden. Immer mehr Menschen schauten nicht mehr weg, wenn sie derartiges Verhalten mitbekämen. Dies zeige sich auch in der steigenden Zahl an Beratungen in der Krisen- und Gewaltberatung. Zudem würden Männer durchaus reflektierter auf Gewalt in der Partnerschaft reagieren.

Corona-Pandemie verschärft häusliche Gewalt

Neben der größeren Meldebereitschaft tragen laut dem Caritas-Sprecher auch gesellschaftliche Krisen wie die Corona-Pandemie zu mehr Gewalt bei. Die Folgen von Corona hätten im Jahr 2022 verstärkt zu Krisen und Gewalt in Partnerschaften geführt.

Zu wenig Plätze in Frauenhäusern

Die Frauenhäuser in Deutschland haben nicht genügend Plätze, um allen betroffenen Frauen Zuflucht zu bieten. Laut einer Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft autonomer Frauenhäuser müssen täglich Hilfesuchende abgewiesen werden. Eine aktuelle Kampagne macht auf diesen Missstand aufmerksam.

Auch die Beratungsstellen sind seit Langem überlastet, wie die Sprecherin bestätigt. Gründe dafür seien zum einen Familienprobleme durch Corona sowie zum anderen, dass sich mehr Frauen früher Hilfe suchen. Die von der Bundesregierung bereitgestellten zusätzlichen Mittel für Frauenhäuser sind dabei nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Mehr finanzielle Unterstützung nötig

Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden, braucht es eine bessere finanzielle Unterstützung für Frauenhäuser und Beratungseinrichtungen. Nur so können ausreichend Plätze und Beratungskapazitäten geschaffen werden, um Gewaltopfern umfassend zu helfen. Wichtig ist außerdem, das Bewusstsein in der Gesellschaft für häusliche Gewalt zu stärken. Jeder Einzelne kann dazu beitragen, hinzusehen und Betroffene zu ermutigen, sich Hilfe zu suchen.