
Ein versprühtes Reizstoffspray hat an der Sekundarschule Diesterweg in Burg im Landkreis Jerichower Land einen Großeinsatz von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst ausgelöst. Der Vorfall ereignete sich bereits am Montagmittag, 14. September. Mehrere Menschen klagten über Augenreizungen und Atemwegsprobleme. Nach Angaben der Polizei wurden insgesamt 18 Personen mit gesundheitlichen Beschwerden registriert. Zwei mussten zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus in Burg gebracht werden. Die Polizei geht nach ihren bisherigen Erkenntnissen davon aus, dass in einem Flur der Schule Tierabwehrspray versprüht worden war.
Die zunächst unbekannte Ursache der Beschwerden führte dazu, dass die Schule geräumt und der Einsatz als ABC-Lage behandelt wurde. Feuerwehrkräfte untersuchten das Gebäude unter besonderer Schutzausrüstung. Später konnte Entwarnung gegeben werden. Die Messungen ergaben keinen Nachweis einer weiter bestehenden gefährlichen Stoffkonzentration.
Die ersten Beschwerden wurden gegen Mittag gemeldet. Schülerinnen und Schüler sowie mindestens eine Lehrkraft waren betroffen. Die Schulleitung veranlasste daraufhin die Räumung. Nach Darstellung der Polizei wurden die betroffenen Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkraft aus dem Gebäude auf den Schulhof gebracht. Berichte unmittelbar vom Einsatzort schilderten eine Räumung des gesamten Schulgebäudes. Eine offizielle Zahl der insgesamt evakuierten Personen wurde zunächst nicht genannt.
Vor der Schule waren mehrere Feuerwehrfahrzeuge im Einsatz, darunter Einheiten für eine ABC-Lage. Hinzu kamen Polizei, zwei Rettungswagen und ein Notarzt. Feuerwehrkräfte bereiteten den Einsatz eines Messtrupps mit Atemschutz und besonderer Schutzkleidung vor. Während des Einsatzes übernahm der Katastrophenschutz des Landkreises Jerichower Land die Gesamteinsatzleitung. Eine Gesamtzahl aller eingesetzten Kräfte wurde nicht veröffentlicht. Auch eine vollständige Aufstellung der beteiligten Feuerwehreinheiten lag zunächst nicht vor.
Bei der Zahl der medizinisch versorgten Menschen gibt es unterschiedliche Angaben, die verschiedene Kategorien beschreiben. Der MDR nennt unter Berufung auf Angaben aus dem Landkreis 22 Betroffene, die vor Ort behandelt wurden. Die Polizei hält in ihrer abschließenden Meldung 18 Personen fest, die tatsächlich über gesundheitliche Beschwerden klagten. Zwei von ihnen wurden zur weiteren medizinischen Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Weshalb die Zahl der vor Ort Behandelten höher ist als die Zahl der von der Polizei registrierten Personen mit Beschwerden, wurde nicht näher erläutert.
Als Symptome nennt die Polizei vor allem Augenreizungen und Atemwegsprobleme. Diese Beschwerden passen zu den typischen Wirkungen von Reizgasen wie Pfefferspray. Solche Stoffe können die Schleimhäute von Augen, Nase und Atemwegen reizen und unter anderem brennende Augen, Tränenfluss, Husten oder Atemnot verursachen. Über weitergehende gesundheitliche Folgen bei den Betroffenen in Burg gab es zunächst keine gesicherten Angaben.
Weil zu Beginn nicht geklärt war, welcher Stoff für die Beschwerden verantwortlich war und ob weiterhin eine Gefahr im Gebäude bestand, untersuchte ein Atemschutz-Messtrupp die Räume. Die Messungen blieben ohne Befund. Anschließend ließ die Feuerwehr das Gebäude intensiv belüften. Dafür wurden Fenster und Türen geöffnet. Auch eine weitere Messung ergab nach Angaben vom Einsatzort keinen Nachweis gefährlicher Stoffe.
Im weiteren Verlauf verdichteten sich die Hinweise auf ein Reizstoffspray als Auslöser. Die Polizei spricht ausdrücklich von einem Tierabwehrspray, das in einem Schulflur versprüht worden sei. Das mutmaßlich verwendete Sprühgerät wurde auf einem benachbarten Grundstück gefunden und von der Polizei sichergestellt. Angaben zu einzelnen möglicherweise beteiligten Personen sind für die Bewertung der Gefahrenlage nicht erforderlich.
Gegen 13.30 Uhr konnte die Feuerwehr die Lage beenden. Damit lagen zwischen den ersten Beschwerden um die Mittagszeit und der Entwarnung etwa anderthalb Stunden. Eine genaue behördliche Angabe dazu, wie lange das Schulgebäude tatsächlich geräumt blieb, wurde zunächst nicht veröffentlicht. Nach Abschluss der Messungen und der Belüftung bestand nach den vorliegenden Angaben keine weitere Gefahr durch Reizstoffe im Gebäude.
Nach dem Einsatz wurde der Unterricht am Montag nicht fortgesetzt. Schülerinnen und Schüler kehrten für den restlichen Schultag nicht mehr zum regulären Unterricht zurück.
Für Dienstagmorgen war dagegen keine fortdauernde Schließung der Sekundarschule öffentlich angekündigt. Auf der Homepage der Schule waren weiterhin die regulären Unterrichtszeiten aufgeführt. Auch die für Mittwochabend geplante Sitzung des Elternrats blieb dort angekündigt. Eine ausdrückliche Mitteilung der Schule, ob der Unterricht am Dienstag in sämtlichen Klassen vollständig nach Stundenplan stattfinden sollte, war am frühen Morgen allerdings nicht veröffentlicht.
Die Polizei hat Ermittlungen zu den genauen Umständen des Vorfalls aufgenommen. In ihrer veröffentlichten Mitteilung nennt sie keinen abschließenden Ermittlungsstand. Gesichert ist bislang, dass ein Reizstoffsprühgerät sichergestellt wurde und die Beschwerden auf das Versprühen eines Tierabwehrsprays in einem Schulflur zurückgeführt werden. Zu weiteren Ermittlungsergebnissen lagen am Dienstagmorgen keine neuen behördlichen Angaben vor.
Damit ist die akute Gefahrenlage an der Schule beendet. Offen bleiben vor allem die abschließende Bewertung des Geschehens durch die Polizei sowie die Frage, ob sich aus den Ermittlungen weitere Konsequenzen ergeben. Für die Schule selbst stand nach der Räumung, der medizinischen Versorgung der Betroffenen und den ergebnislosen Gefahrstoffmessungen zunächst die Rückkehr zum normalen Schulbetrieb im Vordergrund.
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