Sabotage und digitale Anwerbung: ZDF blickt auf Europas neue Bedrohungslage

Lecker aufs Land heute im SWR: Folge 104 aus dem Landkreis Rottweil
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Sabotage, Spionage, Cyberangriffe und Einflussnahme gehören nach Einschätzung deutscher und europäischer Sicherheitsbehörden inzwischen zu den Instrumenten, mit denen Russland Druck auf europäische Staaten ausüben soll. Mit Russlands hybrider Krieg: Europa im Fadenkreuz widmet sich das ZDF am Mittwochabend diesem Themenkomplex. Die neue Dokumentation von Rainer Fromm untersucht insbesondere, wie Personen über soziale Netzwerke und Messenger für einzelne Aufträge angeworben werden und welche Bedeutung sogenannte Low-Level-Agenten dabei haben.

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Das ZDF zeigt den rund 30 Minuten langen Film am Mittwoch, 30. September 2026, um 22.45 Uhr. Im Programm ist die Ausstrahlung bis 23.15 Uhr vorgesehen. Eine Wiederholung folgt in der Nacht zum Donnerstag um 3.45 Uhr. Das ZDF führt die Produktion als Film aus Deutschland aus dem Jahr 2026. Nach den vorliegenden Programmangaben handelt es sich bei der Ausstrahlung am Mittwochabend um die deutsche TV-Premiere.

ZDF-Dokumentation untersucht sogenannte Low-Level-Agenten

Im Mittelpunkt stehen nach Angaben des Senders Brandanschläge, Sabotage, Einflusskampagnen und die Rekrutierung von Personen für einzelne verdeckte Aufträge. Der Film zeichnet anhand von Ermittlungsfällen nach, wie solche Personen über soziale Netzwerke und Messenger-Dienste angesprochen und für vergleichsweise einfache Tätigkeiten eingesetzt werden sollen.

Deutsche Sicherheitsbehörden beschäftigen sich bereits seit längerer Zeit mit diesem Phänomen. Die Bundesregierung erklärte im Juni 2026 in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage, die Sicherheitsbehörden des Bundes stellten ein erhöhtes Hinweisaufkommen zu Spionage- und Sabotageaktivitäten russischer Nachrichtendienste in Deutschland fest. Russische Dienste würden demnach selbst oder über Mittelsleute soziale Medien nutzen, um Personen unter anderem für Spionage und Sabotage zu rekrutieren. Diese Menschen verfügten vielfach über keine nachrichtendienstliche Ausbildung und wüssten teilweise nicht, wer tatsächlich hinter einem Auftrag stehe.

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Auch der Verfassungsschutz beschreibt den Einsatz solcher Personen als Bestandteil veränderter russischer Methoden. Im Verfassungsschutzbericht wird der niedrigschwellige Einsatz von Low-Level-Agenten für Spionage oder Sabotage als eine Reaktion auf eingeschränkte klassische nachrichtendienstliche Möglichkeiten in Europa eingeordnet. Cyberoperationen, Spionage, Desinformation und mögliche Sabotage würden dabei nicht isoliert betrachtet, sondern könnten miteinander verbunden sein.

So funktioniert die Anwerbung nach Angaben der Bundesregierung

Eine weitere Antwort der Bundesregierung vom Sommer 2026 nennt soziale Medien und Messenger-Dienste als wichtige Kontaktwege. Besonders häufig werde Telegram für solche Anwerbungen genutzt. Dabei könnten angeworbene Personen sowohl für Spionage und Propaganda als auch für Sabotagehandlungen eingesetzt werden.

Genau an diesem Punkt setzt die ZDF-Dokumentation an. Autor Rainer Fromm untersucht, wie digitale Plattformen die Kontaktaufnahme erleichtern und wie einzelne Aufträge organisiert werden können. Internationale Fachleute, Ermittler und Vertreter von Nachrichtendiensten ordnen die dabei verwendeten Methoden ein. Zu den im Film auftretenden Experten gehört Charlie Edwards vom britischen International Institute for Strategic Studies. Nach seiner Einschätzung seien verdeckte Aktivitäten gegen Infrastruktur und europäische Staaten parallel zum konventionellen Krieg Russlands gegen die Ukraine zu betrachten. Das ZDF ordnet als mögliche Ziele solcher Operationen unter anderem die Beeinträchtigung von Lieferketten in Richtung Ukraine und die Verunsicherung europäischer Gesellschaften ein.

EU reagiert mit Sanktionen auf hybride Aktivitäten

Das Thema hat wenige Tage vor der ZDF-Ausstrahlung erneut politische Aktualität erhalten. Der Rat der Europäischen Union verhängte am 24. September 2026 weitere Sanktionen im Rahmen seines Instruments gegen russische destabilisierende Aktivitäten. Nach Angaben des Rates betreffen die europäischen Maßnahmen inzwischen zahlreiche Personen und Organisationen, denen unter anderem Informationsmanipulation oder andere hybride Aktivitäten zugerechnet werden.

Die EU zählt zu den von ihr Russland zugeschriebenen hybriden Aktivitäten unter anderem Sabotage, Angriffe auf kritische Infrastruktur, Cyberangriffe, Informationsmanipulation und Versuche der Einflussnahme auf demokratische Prozesse. Im März 2026 bekräftigte der Rat, dass die Mitgliedstaaten ihre Fähigkeiten zur Abwehr hybrider Bedrohungen ausbauen wollen.

Russland weist entsprechende westliche Vorwürfe zurück. Die russische Führung bestreitet, Sabotageoperationen in NATO-Staaten zu betreiben, und bezeichnet die Vorwürfe als unbegründet. Damit stehen bei einzelnen Vorfällen häufig unterschiedliche Darstellungen gegenüber. Entscheidend für die strafrechtliche Bewertung konkreter Fälle sind die jeweiligen Ermittlungen und Gerichtsverfahren.

Zahlreiche Verfahren wegen Spionage und Sabotage

Die Dimension der Sicherheitslage lässt sich auch an Ermittlungszahlen ablesen, ohne daraus automatisch eine russische Urheberschaft für sämtliche Fälle abzuleiten. Nach Angaben der Bundesregierung leitete der Generalbundesanwalt zwischen Juli 2021 und Juli 2026 insgesamt 58 Ermittlungsverfahren wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit, Sabotage, Sabotagevorbereitung und weiterer einschlägiger Delikte ein. 53 davon betrafen geheimdienstliche Agententätigkeit mit Bezug zu fremden Staaten. In diesem Zeitraum gab es 30 Festnahmen, 19 Anklagen und 13 Verurteilungen.

Die Zahlen beziehen sich damit ausdrücklich nicht ausschließlich auf Russland. Die Bundesregierung erklärte jedoch zugleich, russische Nachrichten- und Sicherheitsdienste griffen für Sabotageaktionen häufig auf niedrigschwellig rekrutierte Personen zurück. Die Sicherheitsbehörden warnen deshalb seit längerem davor, vermeintlich harmlose Aufträge zum Fotografieren, Beobachten oder Transportieren für unbekannte Auftraggeber anzunehmen.

Rainer Fromm verantwortet den ZDF-Film

Als Autor der Dokumentation nennt das ZDF Rainer Fromm. Die Kamera führten Rainer Hefele, Torbjörn Karvang, Marcus Lawrence, David Strup und Marvin Zimmermann. Der Film ist keine Folge einer fiktionalen Serie und hat entsprechend keine Staffel- oder reguläre Episodennummer.

Im ZDF-Streamingangebot ist Russlands hybrider Krieg: Europa im Fadenkreuz nach Senderangaben ab dem 30. September 2026 um 18 Uhr verfügbar. Der angegebene Streamingzeitraum endet am 14. Oktober 2026. Damit kann die Dokumentation bereits mehrere Stunden vor der linearen Erstausstrahlung abgerufen werden.

Die Ausstrahlung beginnt im ZDF unmittelbar nach dem „auslandsjournal“, das um 22.15 Uhr läuft. Um 23.15 Uhr folgt „Markus Lanz“. Die Dokumentation nimmt damit einen halbstündigen Sendeplatz im politischen Spätabendprogramm des ZDF ein.

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