
Der Waldbrand Hürtgenwald Düren hat historische Dimensionen erreicht. Nach aktueller Beurteilung der NRW-Landesregierung handelt es sich wohl um den größten Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens. Der Kreis Düren meldete am Freitagmorgen rund 300 Hektar in Flammen. Am Abend waren gleichzeitig rund 400 Einsatzkräfte vor Ort. Feuerwehrverbände aus zahlreichen Teilen Nordrhein-Westfalens rücken zur Unterstützung und Ablösung an. Zwei Bergepanzer der Bundeswehr schlagen Brandschneisen, NH90-Hubschrauber unterstützen aus der Luft, Wasserwerfer der Polizei und Spezialfahrzeuge arbeiten am Boden. Der Ortsteil Gey bleibt evakuiert.
Die historische Einordnung stammt inzwischen ausdrücklich von der Landesregierung. Das NRW-Landwirtschaftsministerium erklärte am Freitagnachmittag, der Großbrand im Hürtgenwald sei nach aktueller Beurteilung wohl der größte Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens. Das Ministerium nannte zu diesem Zeitpunkt mindestens 200 Hektar Brandfläche. Der Kreis Düren hatte bereits am Morgen von rund 300 Hektar gesprochen. Eine endgültige Flächenbilanz ist noch nicht möglich und soll erst nach Abschluss der Löscharbeiten erfolgen.
Die Größenordnung fällt auch im Vergleich mit dem bisherigen Waldbrandgeschehen dieses Jahres auf. Bis einschließlich 31. Juli waren der Landesforstverwaltung 86 Waldbrände mit zusammen lediglich 9,3 Hektar Fläche bekannt. Seit Beginn des August kamen nach Angaben des Landes bis Freitag weitere 36 Waldbrände mit insgesamt etwa 330 Hektar hinzu. Der überwiegende Teil dieser Augustfläche entfällt damit auf die aktuelle Großlage im Hürtgenwald.
Die Geschwindigkeit der Ausbreitung zeigt sich an den Lageangaben des Kreises Düren. In der frühen Meldung vom Donnerstag war im Gebiet nahe Großhau und Gey noch von etwa 25 Hektar betroffenem Wald die Rede. Am Freitagmorgen um 8.10 Uhr meldete der Kreis bereits rund 300 Hektar in Flammen. Wegen der schnellen Ausbreitung und der Nähe des Feuers zu Gey mussten sämtliche Bewohner ihre Wohnungen und Häuser verlassen.
Am Freitagabend war das Feuer an einzelnen Stellen eingedämmt, die Lage blieb jedoch dynamisch. Der Kreis sprach von einer Mischung aus Boden- und Wipfelfeuern. Insbesondere Änderungen der Windrichtung können das Geschehen weiterhin beeinflussen. Um 17.30 Uhr befand sich die Feuerfront nach offizieller Angabe weiterhin etwa 150 bis 200 Meter von Gey entfernt. Meldungen über bereits brennende Häuser bestätigte der Kreis ausdrücklich nicht.
Zu den ungewöhnlichsten Einsatzmitteln gehören zwei Bergepanzer der Bundeswehr. Die Fahrzeuge stammen von der Technischen Schule des Heeres und wurden im Rahmen der Amtshilfe in den Hürtgenwald geschickt. Ihre Aufgabe besteht nicht darin, selbst Wasser auf die Flammen zu bringen. Sie schlagen Brandschneisen durch den Wald und sollen damit verhindern, dass sich das Feuer über zusammenhängende Vegetation ungehindert weiter ausbreitet.
Die Bundeswehr bestätigt zudem den Einsatz von Soldaten des Kreisverbindungskommandos Düren, die die militärische Unterstützung am Einsatzort koordinieren. Grundlage ist ein Amtshilfeersuchen der zuständigen zivilen Behörden. Die Leitung der gesamten Brandbekämpfung bleibt dabei bei den örtlichen zivilen Einsatzkräften.
Auch aus der Luft erhält die Feuerwehr Hürtgenwald umfangreiche Unterstützung. Zwei NH90-Hubschrauber des Transporthubschrauberregiments 10 aus Faßberg in Niedersachsen trafen nach Angaben der Bundeswehr am Freitagmittag im Einsatzgebiet ein. Die Maschinen sollten anschließend mit Löschwasserabwürfen die Kräfte am Boden unterstützen.
Daneben setzte die Einsatzleitung weitere Hubschrauber ein. Bereits am Freitagmorgen meldete der Kreis, dass zusätzliche Maschinen der Bundeswehr und des Landes zum Einsatzgebiet unterwegs seien. Wasser wird unter anderem aus vorbereiteten Becken und umliegenden Talsperren aufgenommen. Die Luftunterstützung ist jedoch an Sichtbedingungen gebunden. Bei Dunkelheit und zu starker Rauchentwicklung können die Hubschrauber nicht fliegen. Die Löscharbeiten am Boden werden dagegen auch während der Nacht fortgesetzt.
Neben Bundeswehr und Feuerwehr kommt weitere Spezialtechnik zum Einsatz. Die Polizei unterstützt mit Wasserwerfern, die das Feuer von den Seiten eindämmen sollen. Zusätzlich arbeitet der im Hürtgenwald stationierte sogenannte Fire Fighter des Landesbetriebs Wald und Holz NRW im Brandgebiet.
Das geländegängige Spezialfahrzeug verfügt über einen 10.000-Liter-Wassertank und kann auch abseits befestigter Waldwege eingesetzt werden. Nach Angaben des Landes kann es Löschwasser bis zu rund 50 Meter weit auf Brandstellen bringen. Nordrhein-Westfalen verfügt derzeit über zwei dieser Fahrzeuge. Der zweite Fire Fighter für die Eifel war erst im Juli vorgestellt worden.
Hinzu kommen Land- und Forstwirte. Sie helfen mit Grubbern beim Anlegen von Brandschneisen und stellen mit Güllefässern große Mengen Wasser bereit. Forstkräfte unterstützen die Einsatzleitung mit ihrer Kenntnis des Geländes.
Der Einsatz im Hürtgenwald unterscheidet sich noch aus einem weiteren Grund von vielen anderen Waldbränden. Das Gebiet ist stark mit Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg belastet. Der Hürtgenwald war 1944 und 1945 Schauplatz schwerer Kämpfe. Noch heute befinden sich Munition und andere Kampfmittel im Boden.
Der Kreis Düren bestätigte am Freitagnachmittag, dass Einsatzkräfte während des Waldbrandes Explosionen von Weltkriegsmunition wahrgenommen haben. Diese Gefahr schränkt die Möglichkeiten der Feuerwehr erheblich ein. Einsatzkräfte können nicht ohne Weiteres zu Fuß mit Löschrucksäcken in alle betroffenen Waldflächen geschickt werden. Landrat Ralf Nolten hatte bereits zuvor darauf hingewiesen, dass die Munitionsbelastung die Löscharbeiten erschwert.
Gerade deshalb spielen gepanzerte Fahrzeuge, Hubschrauber, Wasserwerfer und die mechanische Bearbeitung sicher erreichbarer Bereiche eine besondere Rolle.
Der Kreis bestätigte am Freitag außerdem den Einsatz von Gegenfeuern. Dabei werden ausgewählte Bereiche kontrolliert abgebrannt. Ziel ist es, Vegetation und anderes brennbares Material zu beseitigen, bevor die eigentliche Feuerfront diesen Bereich erreicht. Trifft das Feuer anschließend auf die bereits abgebrannte Zone, findet es dort deutlich weniger Nahrung.
Die Maßnahme ist Teil eines breiten taktischen Vorgehens. Parallel werden Schneisen angelegt, Waldflächen gewässert, das Feuer aus der Luft bekämpft und Seitenbereiche mit Wasserwerfern gesichert. Besonders wichtig bleibt der Schutz des Hürtgenwalder Ortsteils Gey. Die unterschiedlichen Maßnahmen sollen verhindern, dass sich Boden- oder Wipfelfeuer weiter in Richtung der Bebauung ausbreiten.
Um 18 Uhr meldete der Kreis Düren rund 400 gleichzeitig eingesetzte Kräfte. Dazu gehören Feuerwehr, Polizei, Bundeswehr, Wald und Holz NRW sowie Hilfsorganisationen wie THW, Johanniter, Malteser und Deutsches Rotes Kreuz. Hinzu kommen zahlreiche freiwillige Helfer sowie Land- und Forstwirte.
Die Zahl von 400 beschreibt dabei nur die gleichzeitig eingesetzten Kräfte und nicht sämtliche Menschen, die seit Beginn der Großlage beteiligt waren. Mannschaften müssen nach langen Einsatzzeiten ausgetauscht werden. Nach Angaben des Kreises ist die Personalplanung bis einschließlich Montagmorgen durchgetaktet. Damit soll gewährleistet werden, dass die Brandbekämpfung auch nachts weitergeführt werden kann.
Um 20.10 Uhr meldete der Kreis zudem fünf verletzte Einsatzkräfte. Nähere Angaben zu den Verletzungen machte der Kreis in diesem Update zunächst nicht.
Bereits am Donnerstagnachmittag wurde für den Einsatz ein spezialisiertes Waldbrandmodul aktiviert, das eigentlich für Einsätze im europäischen Ausland konzipiert worden ist. Die Einheit besteht bei diesem Einsatz aus zwölf Fahrzeugen und 32 Einsatzkräften der Feuerwehren Bonn, Düsseldorf, Königswinter und Leverkusen.
Die Kräfte sind speziell für Vegetationsbrände geschult. Sie verfügen unter anderem über geländegängige Tanklöschfahrzeuge und Ausrüstung zur Brandbekämpfung mit Handwerkzeugen. Das Modul war nach Angaben der beteiligten Feuerwehren 2026 bereits bei Waldbränden in den Niederlanden und in Spanien eingesetzt worden. Führungskräfte aus Bonn waren nach der Alarmierung zunächst zur örtlichen Einsatzleitung gefahren, um den Einsatz vorzubereiten.
Mit zunehmender Einsatzdauer werden immer größere überörtliche Verbände benötigt. Am Freitagnachmittag wurde die Bereitschaft V aus Leverkusen, dem Rheinisch-Bergischen Kreis und dem Oberbergischen Kreis alarmiert. Nach Angaben der Feuerwehr Leverkusen sammelten sich 46 Fahrzeuge mit etwa 200 Einsatzkräften im Sammelraum beim Technischen Hilfswerk in Leverkusen. Neben Feuerwehren gehören auch Kräfte von Hilfsorganisationen zu diesem Verband.
Die Bereitschaft machte sich gegen 17.45 Uhr auf den Weg nach Hürtgenwald. Ein Vorauskommando war bereits früher gestartet, um die Aufgaben mit der Einsatzleitung abzustimmen. Die neuen Kräfte sollten ab dem Abend die vorhandenen Mannschaften unterstützen und bis Samstagmorgen im Einsatz bleiben.
Auch aus Bergisch Gladbach sind konkrete Einheiten bestätigt. Dort wurden Kräfte der Löschzüge Paffrath/Hand, Stadtmitte und Refrath alarmiert. Außerdem ist der in Bergisch Gladbach stationierte Wasserförderzug NRW beteiligt.
Eine weitere große Einheit kommt aus Gelsenkirchen und dem Kreis Coesfeld. Die gemeinsame Bezirksbereitschaft 2 wurde am Freitag zur Waldbrandbekämpfung nach Hürtgenwald alarmiert. Sie besteht nach Angaben der Feuerwehr Gelsenkirchen aus 37 Fahrzeugen und 165 Einsatzkräften.
Die Mannschaften wurden zunächst an der Hauptwache der Feuerwehr Gelsenkirchen zusammengeführt und eingewiesen. Anschließend erfolgte die geschlossene Verlegung in den Kreis Düren. Welche einzelnen Feuerwehren aus dem Kreis Coesfeld Personal und Fahrzeuge stellen, wurde in der offiziellen Mitteilung zunächst nicht aufgeschlüsselt.
Allein die Bereitschaft V und die Bezirksbereitschaft Coesfeld/Gelsenkirchen umfassen zusammen damit 83 Fahrzeuge und rund 365 Einsatzkräfte. Sie werden allerdings im Rahmen der Ablöseplanung eingesetzt und sind nicht zusätzlich zu jedem Zeitpunkt gleichzeitig mit den bereits gemeldeten 400 Kräften an der Feuerfront tätig.
Eine vollständige Liste sämtlicher einzelner Ortswehren ist noch nicht veröffentlicht worden. Mehrere Kräfte werden als geschlossene Kreis-, Bezirks- oder Landesverbände entsandt. Namentlich oder als Verband bestätigt sind bislang unter anderem:
Die Feuerwehr Ratingen bestätigte am Freitagabend beispielsweise ausdrücklich, dass eigene Kräfte im Kreis Düren eingesetzt werden. Sie unterstützen dort bei der Führung der Bereitschaft 4. Die Einheiten aus dem Kreis Mettmann hatten sich zunächst in Ratingen gesammelt und waren anschließend über einen Bereitstellungsraum an der Messe Düsseldorf in das Schadengebiet verlegt worden.
Für die Bewohner von Gey gibt es am Freitagabend noch keine Rückkehr. Nach Angaben des Kreises dürfen sie aus Sicherheitsgründen auch in der Nacht auf Samstag nicht in ihre Wohnungen und Häuser zurück. Das Feuer lag zuletzt weiterhin etwa 150 bis 200 Meter vom Ort entfernt. Weitere Ortschaften waren zu diesem Zeitpunkt nicht evakuiert.
Viele Bewohner kamen bei Verwandten, Freunden oder Bekannten unter. Für Menschen, die keine private Unterkunft haben, wurden Übernachtungsmöglichkeiten organisiert. Die zentrale Anlaufstelle befindet sich inzwischen in der Förderschule Athenée Royal an der Rudolf-Diesel-Straße 19 in Düren. Auch Tiere aus Gey werden in Sicherheit gebracht.
Meldungen in sozialen Netzwerken, wonach auch Straß evakuiert worden sei oder bereits Häuser in Gey brennen würden, dementierte der Kreis am Freitag ausdrücklich.
Die Auswirkungen des Waldbrand Hürtgenwald Düren reichen über das unmittelbare Brandgebiet hinaus. Der Kreis meldete am Freitagvormittag Geruchsbelästigung und Rauchniederschlag in mehreren Bereichen der Stadt Düren. Genannt wurden Gürzenich, Derichsweiler, Rölsdorf, Birgel, Lendersdorf, Konzendorf, Echtz, Mariaweiler, Merken und Berzbuir.
Da gesundheitliche Beeinträchtigungen durch den Rauch nicht ausgeschlossen werden konnten, sollten sich Menschen in den betroffenen Gebieten in geschlossene Räume begeben, Fenster und Türen schließen und Klima- sowie Lüftungsanlagen abschalten.
Auch der Verkehr ist betroffen. Die Ausfahrten der A4 an den Anschlussstellen Düren und Langerwehe wurden gesperrt, weil sie als Rettungszufahrten für die Einsatzkräfte benötigt werden. Die Autobahn selbst sowie die Auffahrten blieben nach Angaben der Autobahn GmbH geöffnet.
Wie das Feuer entstanden ist, war am Freitagabend weiterhin ungeklärt. Die Polizei Köln hat im Zusammenhang mit dem Großbrand das Hinweisportal NRW aktiviert. Bürger können dort Fotos, Videos und andere Informationen hochladen, die mit dem Brandereignis zusammenhängen.
Die Aktivierung des Portals bedeutet nicht, dass bereits eine bestimmte Brandursache feststeht. Gesicherte Angaben dazu, ob das Feuer vorsätzlich, fahrlässig oder durch eine andere Ursache ausgelöst wurde, lagen zunächst nicht vor.
Fest steht dagegen bereits die außergewöhnliche Dimension des Einsatzes. Innerhalb weniger Stunden stieg die gemeldete betroffene Fläche von etwa 25 auf rund 300 Hektar. Ein kompletter Ortsteil wurde evakuiert, Hunderte Kräfte arbeiten gleichzeitig im Gebiet und weitere große Feuerwehrverbände aus Nordrhein-Westfalen übernehmen laufend Ablösungen. Die Landesregierung stuft das Feuer deshalb nach aktuellem Stand als wohl größten Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens ein.
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