
Münster. Die neue repräsentative Münsterumfrage 2025 bestätigt ein starkes positives Stadtbild. Viele Menschen verbinden Münster spontan mit Begriffen wie „schön“ oder „lebenswert“. Auf diese positiven Eigenschaften entfallen 19 Prozent der Nennungen. Ebenfalls prägend bleibt das Image als Fahrradstadt. 14,8 Prozent der Befragten nennen diesen Begriff spontan, wenn sie an Münster denken.
Damit zeigt sich: Münster wird nicht mehr nur über bekannte Wahrzeichen beschrieben, sondern stärker über Lebensqualität, Alltagserfahrung und Mobilität. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse beleuchten neben dem Stadtprofil auch Gesundheit, Ehrenamt, Wohnen und die finanzielle Belastung vieler Haushalte.
Der Vergleich mit früheren Bürgerumfragen macht die Verschiebung besonders sichtbar. Im Jahr 2007 lag die „historische Altstadt“ mit 24,3 Prozent noch klar im Vordergrund. In der aktuellen Münsterumfrage 2025 kommt sie nur noch auf 11,3 Prozent. Gleichzeitig haben sich positive Zuschreibungen wie „schön“ oder „lebenswert“ mehr als verdoppelt. 2007 lagen sie noch bei 9,3 Prozent.
Das Fahrrad-Image bleibt dagegen bemerkenswert stabil. 2007 nannten 14,7 Prozent Münster als Fahrradstadt, 2025 sind es 14,8 Prozent. Auch weitere Befunde passen dazu: Münster erreichte im ADFC-Fahrradklima-Test 2024 in der Kategorie der Städte über 200.000 Einwohner erneut Platz eins. Zudem werden 47 Prozent der Wege in Münster mit dem Fahrrad zurückgelegt.
Neben der Fahrradfreundlichkeit beschreiben die Befragten Münster weiterhin als lebendig, weltoffen, tolerant, gemütlich und gepflegt. Auffällig ist dabei die Entwicklung gegenüber 2007. Besonders die Zuschreibungen „weltoffen“ und „tolerant“ haben an Zustimmung gewonnen. Begriffe wie „gemütlich“ und „traditionsverbunden“ spielen dagegen eine geringere Rolle als früher.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Münster stärker als moderne, offene und lebenswerte Stadt wahrgenommen wird. Das historische Stadtbild bleibt zwar ein wichtiger Bestandteil der Identität, prägt das spontane Bild der Stadt aber weniger stark als noch vor knapp zwei Jahrzehnten.
Auch beim Thema Gesundheit fällt das Gesamtbild überwiegend positiv aus. 74 Prozent der Befragten bewerten ihren eigenen Gesundheitszustand als gut oder sehr gut. 23,6 Prozent schätzen ihn als mittelmäßig bis sehr schlecht ein.
Deutliche Unterschiede zeigen sich nach Alter und Einkommen. Bei den 18- bis 29-Jährigen geben 9,8 Prozent einen mittelmäßigen bis sehr schlechten Gesundheitszustand an. Bei den Menschen ab 80 Jahren liegt dieser Anteil bei 58 Prozent. Auch das Einkommen spielt eine Rolle. Unterhalb des Einkommensmedians von 2.700 Euro netto im Monat liegt der Anteil mit mittelmäßigem bis sehr schlechtem Gesundheitszustand bei 29,3 Prozent. Oberhalb des Medians sind es 19,8 Prozent.
Das direkte Wohnumfeld wird in Münster insgesamt gut bewertet. Besonders positiv schneiden Naturräume sowie Angebote des täglichen Lebens ab. Dazu gehören Geschäfte, Cafés und Restaurants. Diese Punkte tragen offenbar dazu bei, dass viele Befragte ihre Stadt als lebenswert wahrnehmen.
Schwächer fallen die Bewertungen beim Angebot an kostenlosem Trinkwasser und bei kühlen Räumen aus. Dieser Befund ist vor dem Hintergrund zunehmender Hitzebelastung relevant. Bereits frühere Münsterumfragen hatten Themen wie Klimaschutz, Hitzeschutz, Mobilität, Wohnen und Hochwasserschutz aufgegriffen. Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass Klimafolgen auch im Alltag der Stadt stärker sichtbar werden.
Rund 41 Prozent der Befragten engagieren sich ehrenamtlich. Münster liegt damit über dem Bundesdurchschnitt von 36,7 Prozent. Besonders hoch ist der Anteil in der Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen. Dort engagieren sich 44,2 Prozent. Am niedrigsten ist der Wert bei den 30- bis 39-Jährigen mit 35,6 Prozent.
Zugleich zeigt die Umfrage ein großes Potenzial. Mehr als 90 Prozent der Menschen, die derzeit kein Ehrenamt ausüben, können sich grundsätzlich oder eher vorstellen, eine solche Aufgabe zu übernehmen. Besonders wichtig sind dafür flexible Zeiteinteilung sowie Wertschätzung und Anerkennung. 49,9 Prozent nennen flexible Zeiten als Voraussetzung, 48,2 Prozent legen Wert auf Anerkennung.
Am deutlichsten zeigt die Münsterumfrage 2025 die Belastung beim Wohnen. 57 Prozent der Befragten leben in einer Mietwohnung, weitere 3,5 Prozent in einem gemieteten Haus. Die durchschnittliche Nettokaltmiete liegt bei 10,90 Euro pro Quadratmeter. Die Gesamtmiete beträgt im Schnitt 13,80 Euro pro Quadratmeter.
Für viele Haushalte ist das ein spürbares Problem. 49 Prozent der Mieterinnen und Mieter geben an, eine Mieterhöhung um 15 Prozent nicht problemlos tragen zu können. Diese finanzielle Belastung wirkt sich auch auf die Lebenszufriedenheit aus. Die betroffene Gruppe erreicht einen Zufriedenheitswert von 6,66 auf einer Skala von 1 bis 10. Bei Personen, die eine solche Erhöhung finanziell besser tragen könnten, liegt der Wert bei 7,36.
Die aktuellen Zahlen fügen sich in einen langfristigen Trend ein. Schon 2015 wurde bezahlbares Wohnen in Münster mit 24,3 Prozent als wichtigste Zukunftsherausforderung genannt. 2018 sahen die Befragten die größten Risiken ebenfalls im Bereich Wohnen. Damals entfielen 43,5 Prozent auf dieses Thema, gefolgt von Verkehr sowie Gentrifizierung und Segregation.
Auch die Mietdaten zeigen eine klare Entwicklung. 2021 lag der Median der Nettokaltmiete in der Bürgerumfrage bei 9,32 Euro pro Quadratmeter. Die Gesamtmiete lag damals bei 11,57 Euro. 2025 nennt die Stadt Durchschnittswerte von 10,90 Euro Nettokaltmiete und 13,80 Euro Gesamtmiete. Median und Durchschnitt sind methodisch nicht identisch, die Richtung ist aber eindeutig: Wohnen in Münster ist teurer geworden.
Für die Bürgerumfrage wurden 10.852 Personen zufällig aus dem Melderegister ausgewählt. Teilnahmeberechtigt waren Bürgerinnen und Bürger, die Ende September 2025 mindestens 18 Jahre alt waren und ihren Hauptwohnsitz in Münster hatten.
Zwischen dem 25. Oktober und dem 12. Dezember 2025 schickten 4.214 Personen einen ausgefüllten Fragebogen zurück. Die Teilnahme war postalisch oder online möglich. Die Rücklaufquote lag bei 40 Prozent. Dadurch liefert die Münsterumfrage ein breites Bild davon, wie die Menschen ihre Stadt, ihr Wohnumfeld, ihre Gesundheit und ihre Lebenssituation bewerten.
Die Münsterumfrage 2025 zeigt eine Stadt mit hoher Lebenszufriedenheit, starkem Fahrrad-Image und ausgeprägter Engagementbereitschaft. Münster wird heute stärker über Lebensqualität, Offenheit und Alltagserfahrung wahrgenommen als über historische Wahrzeichen.
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