
Münster. Mehr als 300 Beschäftigte des Unternehmens Sanotact in Münster sind am Donnerstag zu einem 24-stündigen Warnstreik aufgerufen. Der Arbeitskampf am Standort am Hessenweg begann nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Münsterland am 6. August 2026 um 6 Uhr.
Mit der Aktion will die NGG den Druck im laufenden Tarifstreit der nordrhein-westfälischen Süßwarenindustrie erhöhen. Zu diesem Tarifbereich zählen neben klassischen Süßwarenherstellern auch Unternehmen, die Nahrungsergänzungsmittel produzieren. Sanotact stellt in Münster unter anderem Brausetabletten, Vitamine und weitere Gesundheitsprodukte her.
Die Gewerkschaft verlangt für die Beschäftigten eine Lohnerhöhung von 5,8 Prozent. Weil eine rein prozentuale Steigerung Menschen in den unteren Lohngruppen weniger stark zugutekäme, soll die Erhöhung nach der Forderung der NGG mindestens 230 Euro im Monat betragen. Vorgesehen ist eine Laufzeit des neuen Tarifvertrags von zwölf Monaten.
Eine Einigung mit den Arbeitgebern gibt es bislang nicht. Nach Angaben aus dem Tarifkonflikt hatten die Arbeitgeber zunächst eine Erhöhung von 1,4 Prozent bei einer Laufzeit von zwei Jahren angeboten. In einer späteren Runde stand demnach eine Steigerung von 1,9 Prozent im ersten sowie 1,5 Prozent im zweiten Jahr zur Debatte. Die Gewerkschaft wies diese Vorschläge als zu niedrig zurück.
Auch ein späteres Angebot mit zwei Prozent mehr Lohn ab Juli 2026, einer einmaligen Zahlung von 156 Euro und einer weiteren Erhöhung um zwei Prozent im Folgejahr überzeugte die Arbeitnehmerseite nicht. Die NGG kritisiert vor allem die Laufzeit von 24 Monaten und die aus ihrer Sicht zu geringe Entlastung der Beschäftigten.
Der Warnstreik bei Sanotact in Münster ist Teil der Auseinandersetzung in der nordrhein-westfälischen Süßwarenindustrie. Bereits zuvor kam es unter anderem bei Unternehmen in Bonn, Solingen, Grevenbroich, Olsberg und Schwerte zu Arbeitsniederlegungen. Nach Gewerkschaftsangaben sind in NRW etwa 45.000 Beschäftigte von den Verhandlungen betroffen.
Der Warnstreik am Hessenweg soll über mehrere Schichten hinweg laufen und erst am Freitagmorgen enden. Dadurch könnten verschiedene Bereiche des Münsteraner Werks vom Ausstand betroffen sein. Wie viele der aufgerufenen Beschäftigten sich tatsächlich beteiligen, war zunächst nicht bekannt.
Nach Darstellung der NGG befindet sich die Branche unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Die Gewerkschaft argumentiert jedoch, dass die Beschäftigten die Belastungen nicht durch geringe Lohnsteigerungen und lange Vertragslaufzeiten tragen dürften. Gleichzeitig seien Mieten, Lebensmittel und weitere Lebenshaltungskosten in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden.
Ob und in welchem Umfang der Warnstreik die Produktion bei Sanotact beeinträchtigt, ist derzeit offen. Das Unternehmen hat sich öffentlich bislang nicht zu möglichen Auswirkungen oder zu den Forderungen der Gewerkschaft geäußert.
Mit dem 24-stündigen Sanotact-Streik verschärft die NGG den bisherigen Arbeitskampf in Münster deutlich. Warnstreiks sind zeitlich begrenzte Arbeitsniederlegungen, mit denen Gewerkschaften während laufender Tarifverhandlungen den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen. Sollte weiterhin keine Annäherung erreicht werden, könnten weitere Aktionen in Betrieben der Branche folgen.
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