
Münster bekommt einen neuen Kulturort: Am 27. August 2026 öffnet das Museum PAULUS am Alten Steinweg für die Öffentlichkeit. Damit erhält der Domschatz des St.-Paulus-Doms erstmals seit der Schließung der früheren Domkammer im Jahr 2017 wieder eine dauerhaft zugängliche Heimat. Der Eintritt soll kostenlos sein.
Das PAULUS versteht sich nicht als klassische Schatzkammer mit möglichst vielen Exponaten auf engem Raum. Auf rund 400 Quadratmetern und zwei Etagen sollen stattdessen wechselnde, thematisch zusammengestellte Ausstellungen gezeigt werden. Der Bestand umfasst rund zwölf Jahrhunderte Kirchen-, Kunst- und Stadtgeschichte.
Neben Objekten aus dem Domschatz sind auch Leihgaben anderer Museen vorgesehen. Führungen, Workshops und Programme für verschiedene Altersgruppen sollen das Angebot ergänzen. Das PAULUS will sich damit ausdrücklich auch als Bildungs- und Kulturort positionieren.
Zu den herausragenden Stücken zählt der sogenannte Pauluskopf. Das goldene Büstenreliquiar entstand im dritten Viertel des 11. Jahrhunderts und gilt als ältestes erhaltenes christliches Büstenreliquiar Europas. Verarbeitet wurden unter anderem Gold, Silber, Edelsteine und Filigran.
Nach kirchlicher Überlieferung befindet sich darin eine Reliquie des Apostels Paulus. Das Objekt ist als national wertvolles Kulturgut eingetragen und gilt als eines der bedeutendsten Stücke des Münsteraner Domschatzes.
Auch das Kokosnussreliquiar aus dem 13. Jahrhundert zeigt, wie international die Sammlung ist. Kokosnüsse waren im mittelalterlichen Europa seltene Importobjekte. Bei dem Münsteraner Exemplar wurde zudem eine Bergkristallfigur aus dem islamischen Kulturraum später für ein christliches Kunstwerk umgearbeitet.
Ähnliche Verbindungen zeigt ein goldenes Reliquienkreuz aus dem 11. Jahrhundert. Sein Bergkristallfuß stammt vermutlich aus dem abbasidischen Kulturraum und könnte ursprünglich Teil einer Schachfigur gewesen sein. Solche Stücke machen deutlich, wie weit Handels- und Kulturkontakte im Mittelalter reichten.
Ein Spieltisch des Domkapitels aus der Zeit zwischen etwa 1500 und 1530 führt direkt in die Münsteraner Stadtgeschichte. Der Überlieferung nach soll er mit Jan van Leiden oder der Täuferherrschaft von 1534/35 verbunden gewesen sein. Wissenschaftlich belegt ist diese Verbindung allerdings nicht.
Weitere Exponate reichen von aufwendig bestickten liturgischen Gewändern und mittelalterlichen Textilien bis zu Reliquiaren und Skulpturen. Auch die Zerstörung des Doms im Zweiten Weltkrieg wird anhand erhaltener Fragmente thematisiert.
Eine Besonderheit des Domschatzes ist, dass nicht alle Stücke ausschließlich Museumsobjekte sind. Das reich verzierte Kapitelkreuz aus dem 13. Jahrhundert wird nach Angaben des Doms noch heute bei Gottesdiensten eingesetzt.
Damit vereint die Sammlung mehrere Funktionen: Die Exponate sind Kunstwerke, historische Quellen und teilweise weiterhin Gegenstände religiöser Praxis. Genau diese unterschiedlichen Perspektiven sollen im neuen Museum stärker herausgearbeitet werden.
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