
Münster. Im hohen Alter zeigt sich in Münster ein auffälliges Gefälle zwischen Frauen und Männern: Wer mit 75 Jahren oder älter allein lebt, ist in fast drei von vier Fällen eine Frau. Doch die neue Statistik der Stadt zeigt auch, dass sich dieses Verhältnis langsam verschiebt. Denn während die Zahl alleinlebender älterer Frauen nur moderat steigt, leben heute deutlich mehr Männer dieser Altersgruppe allein als noch vor einigen Jahren.
Ende 2025 lebten in Münster 8.095 Frauen ab 75 Jahren allein, gegenüber 2.877 Männern. Insgesamt umfasst diese Gruppe 10.972 Menschen. Rechnerisch kommen damit 2,81 Frauen auf einen alleinlebenden Mann, der Frauenanteil liegt bei rund 74 Prozent. In der Gesamtbevölkerung ist das Verhältnis wesentlich ausgeglichener: Von 320.728 Menschen mit Erst- oder Zweitwohnsitz waren 166.638 Frauen und 154.090 Männer. Stadtweit kommen damit 1,08 Frauen auf einen Mann.
Auch bei Einpersonenhaushalten insgesamt sind Frauen stärker vertreten. Hier liegt das Verhältnis bei 1,20. Die Kennzahl beschreibt allerdings lediglich das Verhältnis der Zahl weiblicher und männlicher Einpersonenhaushalte. Sie sagt nicht aus, welcher Anteil aller Frauen oder Männer jeweils allein lebt.
Der Unterschied bei den Menschen ab 75 Jahren ist weiterhin groß, wird aber seit Jahren kleiner. 2011 kamen noch 4,47 alleinlebende Frauen auf einen Mann. 2021 lag der Wert bei 3,00, 2024 bei 2,88 und 2025 bei 2,81. Entscheidend dafür ist vor allem die Entwicklung bei den Männern: Ihre Zahl unter den alleinlebenden Menschen ab 75 Jahren ist seit 2011 um 82,6 Prozent gestiegen. Bei den Frauen betrug der Zuwachs im selben Zeitraum lediglich 14,8 Prozent.
Es leben also nicht weniger ältere Frauen allein. Vielmehr hat die Zahl alleinlebender älterer Männer stark zugenommen. Ein Grund für den weiterhin deutlichen Frauenüberschuss liegt in der höheren Lebenserwartung. Deutschlandweit lag sie 2025 bei Frauen bei durchschnittlich 83,6 Jahren, bei Männern bei 79,1 Jahren.
Auch innerhalb Münsters unterscheiden sich die Werte. In Hiltrup kommen bei den Alleinlebenden ab 75 Jahren 3,26 Frauen auf einen Mann, im Bezirk Ost sind es 3,15. West und Südost liegen jeweils bei 2,83, Nord bei 2,69. Den niedrigsten Wert weist Mitte mit 2,62 auf. Damit leben in allen sechs Stadtbezirken deutlich mehr ältere Frauen allein als Männer.
Auch andere Geschlechterindikatoren unterscheiden sich nach Stadtbezirk. Bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liegt das Verhältnis stadtweit bei 0,97 Frauen je Mann. In Münster-Nord beträgt es 0,87, in Mitte dagegen 1,02. Beim SGB-II-Bezug ist das Geschlechterverhältnis für die Gesamtstadt mit 1,00 nahezu ausgeglichen.
Das Thema dürfte für Münster künftig noch wichtiger werden. Nach der aktuellen Bevölkerungsprognose der Stadt soll die Zahl der 65- bis 79-Jährigen bis 2035 um 25,4 Prozent beziehungsweise 10.472 Menschen wachsen. Bei den Menschen ab 80 Jahren wird ein Anstieg um 11,3 Prozent beziehungsweise 2.157 Personen erwartet. Damit könnten seniorengerechtes Wohnen, Pflege, ambulante Versorgung und Angebote gegen Einsamkeit stärker in den Mittelpunkt rücken.
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