
Münster. Pyrotechnik ist bei Spielen von SC Preußen Münster längst mehr als ein reines Stimmungsphänomen. In den vergangenen beiden Spielzeiten führten Pyro-Aktionen regelmäßig zu Verfahren vor dem DFB-Sportgericht. Allein in der Saison 2024/25 summierten sich die Geldstrafen auf knapp 190.000 Euro, in der Vorsaison kamen weitere rund 167.000 Euro hinzu. Insgesamt geht es damit um mehr als 350.000 Euro, die der Verein wegen Pyrotechnik zahlen musste.
Während diese Summen immer wieder für Diskussionen sorgen, bleibt ein anderer Aspekt oft unbeachtet. Was bedeutet der Rauch, der sich bei solchen Aktionen über den Rängen ausbreitet, eigentlich für die Menschen im Stadion?
Ein Blick in die Urteile des DFB zeigt, wie genau Pyrotechnik dokumentiert und sanktioniert wird. In der 2. Bundesliga wird grundsätzlich mit festen Beträgen pro pyrotechnischem Gegenstand gerechnet. Werden Spiele unterbrochen oder kommen besonders gefährliche Elemente wie Feuerwerksbatterien zum Einsatz, erhöhen sich die Strafen deutlich.
Ein besonders kostspieliger Fall war das Heimspiel gegen Hertha BSC im Mai 2025. Laut Urteil wurden mehrere Rauchkörper, Bengalos und Feuerwerksbatterien gezündet, zudem kam es zu einer Spielunterbrechung. Am Ende stand eine Geldstrafe von 70.040 Euro. Auch bei weiteren Heim- und Auswärtsspielen wurden zweistellige Zahlen gezündeter Gegenstände festgehalten, was regelmäßig zu fünfstelligen Beträgen führte.
Die finanziellen Folgen sind dabei nur ein Teil der Auswirkungen. Ein weiterer betrifft das, was während solcher Aktionen in der Luft liegt.
Gemeinsam halten wir unabhängige Nachrichten frei zugänglich. Was es dir wert ist, entscheidest du.
Pyrotechnische Gegenstände erzeugen keinen harmlosen Nebel, sondern ein komplexes Gemisch aus Rauch und feinsten Partikeln. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass beim Abbrennen große Mengen ultrafeiner Partikel entstehen, also Partikel im Nanometerbereich. Diese sind deutlich kleiner als klassischer Feinstaub und können tief in die Lunge eindringen. Teilweise gelangen sie sogar in den Blutkreislauf.
Hinzu kommen Metalle und Metallsalze, die für die Farbwirkung der Pyrotechnik verantwortlich sind. In Studien wurden unter anderem Kupfer, Strontium und Barium nachgewiesen. Diese Stoffe werden nicht nur freigesetzt, sondern als lungengängige Partikel eingeatmet.
Besonders aussagekräftig sind Untersuchungen, die nicht im Labor, sondern während eines laufenden Fußballspiels durchgeführt wurden. In einer solchen Studie wurde die Luftqualität vor und nach Pyro-Ereignissen gemessen. Der Hintergrundwert lag bei rund 5.700 Partikeln pro Kubikzentimeter Luft.
Nach dem Zünden von Pyrotechnik kam es innerhalb kürzester Zeit zu extremen Spitzen. In einem Fall stieg die Partikelzahl auf das 5,5-Fache, in einem weiteren sogar auf das Zwölffache des Ausgangswertes. Für bestimmte Partikelgrößen wurden Spitzenwerte von bis zu 140.000 Partikeln pro Kubikzentimeter gemessen.
Die Forschenden berechneten zudem, dass Spieler während eines solchen Spiels eine Partikeldosis aufnehmen, die etwa 300 Prozent über der Belastung in einer Umgebung mit niedriger Luftverschmutzung liegt. Die Messungen beziehen sich auf kurze Zeiträume, zeigen aber klar, wie stark die Belastung während Pyro-Aktionen ansteigen kann.
Für viele Stadionbesucher äußert sich Pyro-Rauch zunächst ganz unmittelbar. Brennende Augen, Husten oder ein Kratzen im Hals gehören zu den häufigsten Reaktionen. In dicht gefüllten Blöcken kann sich der Rauch bei wenig Luftbewegung zudem länger halten.
Für Menschen mit Asthma oder anderen chronischen Atemwegserkrankungen kann diese Situation problematisch werden. Reizstoffe und Feinstaub gelten als bekannte Auslöser für Atemnot und Asthma-Anfälle. Auch Kinder und ältere Menschen reagieren empfindlicher auf hohe Partikelkonzentrationen.
Gesundheitsorganisationen wie die Weltgesundheitsorganisation bewerten Feinstaub grundsätzlich als gesundheitsschädlich, selbst bei kurzfristiger Belastung. Einzelne Pyro-Ereignisse gelten für gesunde Erwachsene zwar meist nicht als langfristig gefährlich, die akute Belastung ist jedoch messbar und real.
Langzeitstudien speziell zur Stadionpyrotechnik gibt es bislang nicht. Klar ist jedoch, dass wiederholte oder besonders intensive Expositionen das Risiko für gesundheitliche Beschwerden erhöhen können. Das betrifft vor allem Menschen, die regelmäßig in unmittelbarer Nähe zur Pyrotechnik stehen, etwa Ordner oder Fans in den betroffenen Blockbereichen.
Auch deshalb wird Pyrotechnik von Verbänden nicht nur als Ordnungs- oder Sicherheitsproblem betrachtet, sondern ausdrücklich auch als Inhalations- und Gesundheitsrisiko.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu