KI im Bürgerservice: Wie realistisch ist der CDU-Vorschlag für Münster?

CDU schlägt KI im Bürgerservice der Stadt Münster vor – Chancen, Grenzen und offene Fragen im Überblick.
Foto: Airam Dato-on

Teilen:

Münster. m Die CDU-Ratsfraktion will den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Bürgerservice der Stadt Münster voranbringen. Nach dem Willen der Fraktion soll der Rat die Verwaltung beauftragen, bis zum Sommer ein Konzept für einen „verantwortungsvollen“ KI-Einsatz vorzulegen. Grundlage sollen die bestehenden Digitalstrukturen und die IT-Landschaft der Stadt sein. Initiatoren des Vorstoßes sind unter anderem der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Mathias Kersting und die digitalpolitische Sprecherin Carolin Schwarz.

Was die CDU konkret vorschlägt

Aus Sicht der CDU bietet KI Potenzial, den Bürgerservice effizienter und zugänglicher zu gestalten. Genannt werden digitale Auskunftssysteme wie Chatbots, die rund um die Uhr erreichbar sind, mehrsprachig funktionieren und Informationen auch in leichter Sprache bereitstellen können. Weitere mögliche Einsatzfelder sind Unterstützung bei Standardanträgen, Terminvergaben sowie die Optimierung interner Abläufe im Backoffice. Perspektivisch bringt die Fraktion auch KI-Anwendungen in sensibleren Bereichen wie Wohngeld, Grundsicherung oder Elterngeld ins Gespräch.

Zugleich betont die CDU, dass KI nicht an die Stelle menschlicher Entscheidungen treten soll. Die Verantwortung solle weiterhin bei den Beschäftigten der Verwaltung liegen – Stichwort „Human in the Loop“.

Blick auf andere Städte und Kommunen

Der Vorstoß kommt nicht aus dem luftleeren Raum. In vielen deutschen Kommunen werden KI-gestützte Anwendungen im Bürgerservice bereits erprobt oder eingesetzt. Der Deutscher Städtetag verweist auf Beispiele aus Städten wie Bonn, Hamburg, Köln oder München, wo Chatbots häufige Fragen beantworten oder zu zuständigen Stellen weiterleiten.

In Münster selbst existiert bislang kein offizieller KI-basierter Bürgerservice. Ein unter dem Namen „muenster.chat“ bekanntes Angebot wird als politischer Prototyp beschrieben und dient nach Angaben der Beteiligten lediglich als Anschauungsmodell, nicht als städtischer Dienst.

Barrierefreiheit und technische Möglichkeiten

Auch barrierefreie KI-Lösungen gelten inzwischen als technisch machbar. Kommunale Gebärdensprach-Avatare werden bereits eingesetzt, etwa zur Übersetzung zentraler Informationen auf Verwaltungswebsites. Solche Anwendungen werden von der CDU als möglicher Baustein genannt, um Teilhabe zu verbessern. Gleichzeitig zeigt die Praxis in anderen Kommunen, dass der Nutzen stark von der konkreten Umsetzung abhängt.

Chancen – und bekannte Risiken

Während einfache Auskunfts- und Navigationsfunktionen als vergleichsweise risikoarm gelten, sind weitergehende Anwendungen politisch und rechtlich sensibel. Internationale Beispiele zeigen, dass fehlerhafte oder missverständliche KI-Antworten in Verwaltungen schnell Vertrauen beschädigen können. Hinzu kommen Fragen des Datenschutzes, der Transparenz und der Nachvollziehbarkeit automatisierter Prozesse. Für Behörden gelten zudem klare Informationspflichten, wenn Bürgerinnen und Bürger mit KI-Systemen interagieren.

Das lesen andere gerade

Offene Fragen für Münster

Ob und in welchem Umfang KI im Bürgerservice der Stadt Münster eingesetzt wird, ist offen. Ein mögliches Konzept müsste klären, wo der Einsatz sinnvoll ist, wo klare Grenzen gezogen werden und wie Verantwortung, Datenschutz und Qualitätssicherung gewährleistet werden können. Der CDU-Antrag markiert damit vor allem den Beginn einer politischen Debatte – nicht deren Ergebnis.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu