
Münster. Mehr Licht für mehr Sicherheit – oder weniger Licht zum Schutz der Natur? An der Kanalpromenade in Münster prallen diese beiden Ziele erneut aufeinander. Der Hauptausschuss hat einen Vorschlag der Verwaltung abgelehnt, die Beleuchtungszeiten entlang des gesamten Kanals zu vereinheitlichen. Damit bleibt es bei den teils stark abweichenden Regelungen zwischen Innenstadtabschnitten und dem sensiblen Bereich an den Rieselfeldern.
Die Entscheidung fiel in der Sitzung am 11. Februar 2026. Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, die adaptive Beleuchtung ganzjährig von Sonnenuntergang bis 24 Uhr sowie von 5 Uhr bis Sonnenaufgang einzuschalten. Ziel war ein Kompromiss zwischen Sicherheit für Radfahrende und Fußgänger einerseits sowie Natur- und Artenschutz andererseits.
Am stärksten eingeschränkt bleibt die Beleuchtung im Bereich der Rieselfelder zwischen Königsberger Straße und Gittruper Straße. Dort wird das Licht von März bis Ende November komplett ausgeschaltet. Nur in den Wintermonaten von Dezember bis Februar ist die Strecke durchgehend von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang beleuchtet.
In den übrigen Abschnitten gilt die Winterregelung von Oktober bis März. Von April bis September wird die Kanalpromenade lediglich morgens von 5.30 Uhr bis Sonnenaufgang beleuchtet.
Grundlage dieser Staffelung sind Artenschutzgutachten. Besonders im sensiblen Schutzgebiet an den Rieselfeldern wird auf das Vorkommen geschützter Fledermausarten verwiesen, darunter die Mopsfledermaus. Naturschutzverbände warnen vor zusätzlicher Lichtverschmutzung und möglichen Störungen nachtaktiver Tiere.
Technisch ist die Kanalpromenade mit einer digitalen, adaptiven Beleuchtung ausgestattet. Die Leuchten schalten nur bei Annäherung von Personen auf volle Helligkeit und dimmen sich anschließend wieder herunter. Die Stadt beschreibt dieses System als energiesparend und mit geringerem Einfluss auf die Umwelt, da es kein dauerhaftes Flutlicht darstellt.
Ein Teilabschnitt war bereits Ende 2019 als Teststrecke in Betrieb genommen worden. Im Anschluss hatte es auch eine Nutzerbefragung gegeben. Für die Ausstattung der gesamten Kanalpromenade mit intelligenter Technik wurden rund 3,2 Millionen Euro investiert, etwa 50 Prozent davon stammen aus Bundesfördermitteln.
Befürworter einer Ausweitung argumentieren, dass genau diese Technik einen vernünftigen Mittelweg zwischen Sicherheit und Naturschutz ermögliche.
Die Diskussion um die Kanalpromenade ist seit Monaten politisch aufgeladen. CDU und FDP betonen vor allem Aspekte der Verkehrssicherheit, das subjektive Sicherheitsgefühl sowie die Bedeutung der Strecke als Pendelroute. Sie kritisieren, dass eine teure Infrastruktur am Ende nur eingeschränkt genutzt werde und sehen darin auch eine Bremse für die Verkehrswende. Zudem wurde in der Debatte moniert, dass Voten aus Bezirksvertretungen der Außenstadtteile nicht ausreichend berücksichtigt worden seien.
Auf der anderen Seite stehen Vertreter der Ratsmehrheit und Naturschutzverbände, die dem Artenschutz Vorrang einräumen. Sie verweisen auf Gutachten und betonen, dass starre Zeitfenster wie „0 bis 5 Uhr aus“ nicht automatisch mit den tatsächlichen Nachtlängen und Schutzbedarfen vereinbar seien. Auch neue Sicherheitsaspekte wie mögliche Störungen durch Drohnen werden in der Debatte angeführt.
Bereits 2025 hatte das Thema im Rat für eine „aktuelle Stunde“ gesorgt und wurde offen als wahlkampftauglich bewertet.
Zusätzliche Dynamik erhält die Diskussion durch unterschiedliche öffentliche Positionierungen. Im Sommer 2025 hatte sich die SPD öffentlich gegen eine komplette Abschaltung zwischen 0 und 5 Uhr positioniert und die adaptive Beleuchtung als sinnvollen Kompromiss bezeichnet.
In den Gremien Anfang 2026 stimmten jedoch Grüne, SPD, Volt sowie weitere Fraktionen gegen die von der Verwaltung vorgeschlagene Vereinheitlichung der Zeiten. CDU und andere Kritiker sehen darin einen Widerspruch zwischen öffentlicher Sicherheitsrhetorik und Abstimmungsverhalten. Differenziert wird allerdings darauf hingewiesen, dass frühere Aussagen teils aus dem Umfeld einzelner Kandidaten stammten und nicht zwingend eine abgestimmte Fraktionslinie widerspiegelten.
Die Stadt hat angekündigt, weiter untersuchen zu lassen, wie sich zusätzliche nächtliche Beleuchtung mit dem Schutz von Fledermausarten vereinbaren lässt. Entsprechende Expertisen laufen oder sind geplant.
Vorerst aber bleibt die Lage klar: Eine einheitliche Regelung für die gesamte Kanalpromenade ist politisch gescheitert. Je nach Abschnitt und Jahreszeit bleibt es abends unterschiedlich hell – und an den Rieselfeldern in weiten Teilen des Jahres weiterhin dunkel.
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