
Münster. Die Kritik am Josef-Pieper-Preis wächst: Nach dem Diözesankomitee und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) hat sich nun auch der Diözesanverband Münster der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD) deutlich gegen die geplante Preisvergabe an Bischof Robert Barron ausgesprochen. Der US-amerikanische Geistliche soll in diesem Jahr die Auszeichnung der Josef-Pieper-Stiftung erhalten – für die KFD Münster ein fatales Zeichen. Die Entscheidung sei nicht vereinbar mit den Werten einer Kirche, die sich glaubwürdig für Menschenwürde einsetzen wolle. Die Fokuskeyphrase Josef-Pieper-Preis steht damit zunehmend im Mittelpunkt einer breiteren kircheninternen Debatte.
Der Josef-Pieper-Preis soll laut Stiftung Persönlichkeiten ehren, die die Tugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maß im Sinne des Philosophen Josef Pieper verkörpern. Doch nach Ansicht der KFD verstoßen Äußerungen und Positionen von Bischof Barron klar gegen diesen Anspruch. Seine ablehnende Haltung gegenüber Geschlechtervielfalt, seine Aussagen zur Sexualmoral und seine Unterstützung restriktiver Maßnahmen gegen Transjugendliche stünden im direkten Widerspruch zur Menschenwürde. Bereits zuvor hatten das Diözesankomitee Münster und der BDKJ massive Bedenken geäußert. Die KFD sieht sich nun in ihrer Kritik bestätigt und fordert, die geplante Auszeichnung zu überdenken.
Für die KFD ist klar: Wer öffentlich queere Menschen abwertet oder Frauen in ihrer Gewissensfreiheit einschränkt, sollte keine kirchliche Auszeichnung erhalten. Gerade ein Preis wie der Josef-Pieper-Preis, der ethische Werte hervorheben soll, müsse ein deutliches Zeichen für Respekt, Vielfalt und Menschenrechte setzen. Wenn Personen geehrt würden, die öffentlich diskriminierende Haltungen vertreten, schade das der Glaubwürdigkeit kirchlicher Institutionen. Die Frauengemeinschaft fordert eine offene, gerechte Kirche – und sieht in der Preisvergabe ein gefährliches Signal in die entgegengesetzte Richtung.
Der Josef-Pieper-Preis wird von der gleichnamigen Stiftung vergeben und erinnert an den katholischen Philosophen und Theologen Josef Pieper. Seine Tugendlehre bildet die Grundlage für die Auswahl der Preisträger. Doch genau diese Grundlage wird nun in Frage gestellt. Die wachsende Kritik aus verschiedenen katholischen Verbänden zeigt, dass die Entscheidung über Preisträger heute stärker unter öffentlicher und innerkirchlicher Beobachtung steht. Die Debatte um Barron könnte daher auch zu einer Neuausrichtung der Auszeichnung führen – oder zumindest zu einer grundlegenden Diskussion über Werte und Verantwortung innerhalb der Kirche.