Gefährdetes Ökosystem: Wie Münster ein erneutes Fischsterben im Aasee verhindern will

Wie Münster den Aasee trotz Hitze, Blaualgen und Klimawandel stabil hält – mit Frühwarnsystem, Belüftung und gezieltem Fischmanagement.
Die Stadt Münster hat in den vergangenen Jahren die Zahl der Röhrichtzonen im Aasee erhöht. ©Stadt Münster/Michael Möller

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Münster. Der Aasee in Münster bleibt auch in Zeiten zunehmender Hitze stabil – obwohl sich das Gewässer spürbar erwärmt. Während im Sommer 2022 noch eine maximale Wassertemperatur von 26,9 Grad gemessen wurde, stieg dieser Wert bis 2025 auf 28,1 Grad. Mit der Erwärmung nehmen auch Algen- und Blaualgenkonzentrationen zu, was insbesondere für Fische zur Belastung wird und die Sauerstoffversorgung des Sees gefährden kann.

Ein aktueller Sachstandsbericht zeigt jedoch: Trotz dieser klimatischen Belastungen ist das ökologische Gleichgewicht bislang nicht gekippt. Ausschlaggebend dafür ist ein Bündel an Maßnahmen, mit denen die Stadt Münster den Aasee seit mehreren Jahren systematisch überwacht und steuert.

Frühwarnsystem und Belüftung als zentrale Schutzmechanismen

Ein wichtiger Baustein ist ein dauerhaft betriebenes Frühwarnsystem. An zwei Messstellen werden kontinuierlich Wassertemperatur, Sauerstoffgehalt und Algenentwicklung erfasst. Sobald kritische Grenzwerte erreicht werden, kann die Stadt kurzfristig reagieren.

Für akute Belastungssituationen stehen zwölf Belüftungsgeräte zur Verfügung. Sie reichern das Wasser gezielt mit Sauerstoff an und schaffen Rückzugsräume für Fische, insbesondere während längerer Hitzeperioden. Aufgrund seiner geringen Tiefe reagiert der Aasee besonders sensibel auf hohe Temperaturen – schnelle technische Eingriffe sind deshalb entscheidend.

Gezielte Steuerung des Fischbestands

Neben der technischen Überwachung greift die Stadt auch regulierend in den Fischbestand ein. Seit 2021 wurden insgesamt rund 14,6 Tonnen sogenannte Friedfische aus dem Aasee entnommen. Dazu zählen unter anderem Rotaugen, Brassen, Güster und Karpfen, die bei hoher Dichte zur Nährstoffbelastung beitragen können.

Parallel dazu wurde der Anteil von Raubfischen gezielt erhöht. In den vergangenen Jahren wurden zehntausende Zander sowie mehrere hunderttausend Hechtbrütlinge eingesetzt. Langfristig soll der Fischbestand im Aasee bei maximal zehn Tonnen liegen, davon rund ein Drittel bis 40 Prozent Raubfische. Ziel ist ein ausgewogenes Verhältnis, das das Algenwachstum begrenzt und die Wasserqualität stabilisiert.

Mehr Lebensräume durch Pflanzenzonen und Uferaufwertung

Ergänzend zu technischen und biologischen Maßnahmen wertet die Stadt die Lebensräume im und am Aasee ökologisch auf. Schwimmende Pflanzenzonen, ausgebaute Röhrichtbereiche, strukturierte Ufer und spezielle Laichhilfen bieten Fischen Schutz- und Fortpflanzungsmöglichkeiten.

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Darüber hinaus wird geprüft, ob der Zookanal künftig zusätzlich am Seegrund belüftet werden kann. Durch eine Sauerstoffversorgung des schlammigen Untergrunds sollen Ablagerungen schneller abgebaut und Nährstoffe im Boden gebunden werden. Das könnte langfristig das Algenwachstum reduzieren und den stark belasteten Kanalabschnitt schrittweise ökologisch verbessern.

Lehren aus dem Fischsterben von 2018

Auslöser für das heutige Maßnahmenpaket war das massive Fischsterben im Sommer 2018. Eine extreme Hitzeperiode, fehlender Wind und das plötzliche Absterben einer großflächigen Blaualgenblüte führten damals zu einem abrupten Sauerstoffmangel. Der Aasee kippte – tausende Fische verendeten innerhalb kurzer Zeit.

Als Reaktion entwickelte die Stadt eine Resilienzstrategie samt Handlungskonzept, das seit 2022 umgesetzt und nun fortgeführt wird. Für Monitoring, Technik und ökologische Maßnahmen sind künftig durchschnittlich rund 130.000 Euro pro Jahr eingeplant. Ziel ist es, den Aasee auch unter sich verschärfenden Klimabedingungen als stabiles und nutzbares Gewässer zu erhalten.

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