
Münster. Aus Algen und Seegras einen Dämmstoff entwickeln, damit Schulgebäude im Senegal trotz großer Hitze kühler bleiben: Mit dieser Idee hat das studentische Team Enactus Münster erneut den deutschen Meistertitel im Social Entrepreneurship gewonnen. Beim National Cup in Köln setzte sich das Hochschulteam der Universität Münster mit seinem Projekt InSEAlation gegen die Konkurrenz durch. Es ist bereits der zweite Titel in Folge – nachdem vor 2025 noch nie ein Münsteraner Enactus-Team den Bundeswettbewerb gewonnen hatte.
Hinter dem ausgezeichneten Projekt steckt inzwischen deutlich mehr als eine Wettbewerbsidee. InSEAlation entwickelt Dämmmodule aus lokal verfügbaren Algen und Seegras, die Gebäude im Senegal ohne zusätzlichen Stromverbrauch besser gegen starke Hitze schützen sollen. Das Material soll möglichst vor Ort verarbeitet werden und zugleich lokale Wertschöpfung schaffen. Der Schwerpunkt liegt derzeit auf Schulgebäuden.
Nach Angaben von Tino Beste, Vorstandsvorsitzender von Enactus Münster, ist das Produkt inzwischen vollständig entwickelt. Im April war das Team für zwei Wochen im Senegal und testete die Dämmung erstmals praktisch an Schulgebäuden. Nach Messungen des Projekts konnten die Innenraumtemperaturen dabei um acht bis zwölf Grad gesenkt werden. Im September soll der Ansatz ausgeweitet und an insgesamt sechs Schulen vor Ort erprobt werden.
Enactus ist ein internationales Netzwerk von Hochschulgruppen, das sich mit Social Entrepreneurship beschäftigt. Studierende entwickeln dabei Projekte, die unternehmerische Ansätze mit sozialen oder ökologischen Fragestellungen verbinden. Enactus Münster ist als Hochschulgruppe an der Universität Münster organisiert. Nach Angaben des Vereins gehören dem Team mehr als 150 Studierende verschiedener Fachrichtungen an.
Innerhalb der Hochschulgruppe arbeiten kleinere Teams an unterschiedlichen Projekten. Dazu gehört auch InSEAlation mit derzeit neun Beteiligten. Solche Projekte können zunächst innerhalb von Enactus entwickelt und getestet werden. Nach Angaben von Vorstandsvorsitzendem Tino Beste besteht langfristig die Möglichkeit, daraus eigenständige Unternehmen zu gründen.
Dem National Cup in Köln gingen zunächst Vorrunden voraus. Nach Angaben von Enactus Münster qualifizierten sich die besten 20 Hochschulteams für den Bundeswettbewerb. Dort bewerteten Fachjurys nicht nur die Innovationskraft der Projekte, sondern auch deren gesellschaftliche und ökologische Wirkung, das Geschäftsmodell, die Teamleistung und die Entwicklung der vergangenen zwölf Monate. Nach den Präsentationen folgte zusätzlich ein verpflichtender Impact & Financial Review, bei dem Angaben und Wirkung der Projekte erneut geprüft wurden. Erst danach wurde Münster offiziell als National Champion 2026 bestätigt.
Zusätzlich erhielt InSEAlation beim National Cup im Rahmen der Ford Challenge „Building Sustainable Communities“ eine Förderung von 5.000 Euro.
Der erneute Sieg macht die Geschichte für Münster besonders. Erst 2025 hatte Enactus Münster erstmals überhaupt den deutschen Titel gewonnen. Damals überzeugte das Team mit Seads Solutions, einem Projekt zur technologisch unterstützten Renaturierung von Seegrasökosystemen. Nun gelingt die Titelverteidigung mit InSEAlation – also mit einem zweiten, völlig anderen Projekt.
Auch international war das Münsteraner Team bereits erfolgreich. Nach dem ersten Bundessieg vertrat Seads Solutions Deutschland beim World Cup in Bangkok und erreichte dort Platz drei weltweit.
Mit der Titelverteidigung qualifiziert sich Enactus Münster erneut für den internationalen World Cup. Laut den offiziellen Unterlagen findet der Wettbewerb vom 16. bis 19. November 2026 in São Paulo statt. Dort treten die National Champions aus 36 Ländern gegeneinander an.
Nach Angaben von Tino Beste wollen rund 60 Mitglieder des Münsteraner Teams nach Brasilien reisen. Bis dahin stehen für InSEAlation weitere Tests im Senegal, die technische Weiterentwicklung und die Vorbereitung auf den internationalen Wettbewerb an.
Finanziert wird die Projektarbeit bislang unter anderem über Crowdfunding, Spenden sowie Preis- und Fördergelder. Auch Familie und Freunde hätten bei der Finanzierung des ersten Pilottests im Senegal geholfen. Nach dem ersten deutschen Titel 2025, Platz drei beim World Cup in Bangkok und der erfolgreichen Titelverteidigung wartet damit im November die nächste internationale Bewährungsprobe.
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