
Münster. Jahrelang fehlten in Münster Betreuungsplätze, neue Kitas wurden geplant und gebaut. Doch jetzt verändert sich die Lage deutlich: Innerhalb von zwei Jahren ist die Zahl der Kinder unter sechs Jahren um mehr als 1.000 gesunken. Acht Kitas wurden bereits geschlossen, drei weitere sollen bis 2028 folgen. Während in manchen Stadtteilen Plätze frei bleiben, suchen Familien andernorts weiterhin nach Betreuungsmöglichkeiten. Die Stadt steht vor einem grundlegenden Kurswechsel.
Die Zahlen aus dem aktuellen Kindertagesbetreuungsbericht zeigen, wie stark sich die Situation verändert hat. Im Kitajahr 2024/2025 lebten noch 16.261 Kinder unter sechs Jahren in Münster. Im aktuellen Kitajahr 2026/2027 sind es nur noch 15.199. Damit ist die Zahl innerhalb von zwei Jahren um 1.062 Kinder gesunken.
Dieser Rückgang wirkt sich unmittelbar auf das Betreuungsangebot aus. Erstmals gibt es in Münster weniger Kitaplätze als im Vorjahr. Während 2024/2025 noch 13.216 Plätze zur Verfügung standen, sind es im Kitajahr 2026/2027 nur noch 12.640. Das entspricht einem Rückgang um 576 Plätze.
Die Kita-Schließungen in Münster sind bereits in mehreren Stadtteilen spürbar. Seit 2025 haben verschiedene Träger ihre Einrichtungen aufgegeben. Acht Kitas in Gievenbeck, Mecklenbeck, Roxel, Münster-Mitte, Coerde und Kinderhaus wurden geschlossen. Bis 2028 sind drei weitere Schließungen vorgesehen.
Die Entwicklung bedeutet allerdings nicht, dass Eltern in Münster überall problemlos einen Betreuungsplatz finden. Nach Angaben der Stadt unterscheiden sich Angebot und Nachfrage teilweise erheblich zwischen den einzelnen Wohngebieten. Während es in manchen Stadtteilen bereits freie Kapazitäten gibt, besteht insbesondere in einigen innenstadtnahen Bereichen weiterhin zusätzlicher Bedarf.
Bei den unter Dreijährigen liegt die stadtweite Versorgungsquote derzeit bei 55,9 Prozent. Für rund 7.200 Kinder stehen insgesamt 4.024 Plätze in Kitas und Kindertagespflege zur Verfügung. Dabei berücksichtigt die Stadt, dass nicht alle Familien eine Betreuung für Kinder unter drei Jahren benötigen.
Deutlich anders sieht die Situation bei den älteren Kindern aus. Für 7.999 Kinder über drei Jahren gibt es 8.616 Betreuungsplätze. Die rechnerische Versorgungsquote liegt damit bei 107,7 Prozent. Stadtweit sind also mehr Plätze vorhanden als Kinder dieser Altersgruppe. Ob ein geeigneter Platz in unmittelbarer Wohnortnähe verfügbar ist, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Nicht nur die klassischen Kindertageseinrichtungen sind vom Rückgang betroffen. Auch die Kindertagespflege verzeichnet sinkende Platzzahlen. Waren es 2025 noch 1.002 Plätze, stehen inzwischen nur noch 804 zur Verfügung. Besonders bedeutsam sind die 62 Großtagespflegestellen im Stadtgebiet, die zusammen 453 Betreuungsplätze anbieten.
Doch gerade diese Einrichtungen stehen derzeit vor einer zusätzlichen Herausforderung. Die Stadt Münster übernimmt seit vielen Jahren einen Großteil der Mietkosten. Bei Betriebsprüfungen einzelner selbstständig tätiger Kindertagespflegepersonen hat die Finanzverwaltung diese Zahlungen allerdings als steuerpflichtige Mietkostenzuschüsse eingestuft. Für betroffene Betreuungspersonen entstanden dadurch Steuernachforderungen.
Bemerkenswert ist, dass die bisherige Vertragsgestaltung bereits seit nahezu 20 Jahren besteht und nach Angaben der Stadt zuvor nicht beanstandet wurde. Nun arbeitet die Verwaltung an einer veränderten Regelung für die Zukunft. Gleichzeitig wird gemeinsam mit verschiedenen Beteiligten geprüft, wie die betroffenen Kindertagespflegepersonen unterstützt werden können.
Mit den sinkenden Kinderzahlen verändert die Stadt auch ihre langfristige Planung. Während in den vergangenen Jahren der Ausbau des Betreuungsangebots im Mittelpunkt stand, soll künftig genauer geprüft werden, an welchen Standorten zusätzliche Plätze tatsächlich benötigt werden.
Das bedeutet allerdings keinen vollständigen Baustopp für neue Kitas. Insbesondere in größeren Neubaugebieten wie Albachten-Ost sind weiterhin zusätzliche Betreuungsangebote vorgesehen. Auch in anderen Wohngebieten bleiben Flächen für mögliche neue Einrichtungen reserviert. Ob und wann dort gebaut wird, hängt von der weiteren Bevölkerungsentwicklung und dem langfristigen Bedarf ab.
Hinzu kommt, dass einige bestehende Kita-Gebäude langfristig nicht mehr genutzt werden können. Deshalb werden unabhängig vom Rückgang der Kinderzahlen weiterhin Ersatzstandorte benötigt.
Der neue Kindertagesbetreuungsbericht 2025/2026, der am Mittwoch, 7. Oktober 2026, im Rat der Stadt Münster vorgestellt wurde, macht damit einen grundlegenden Wandel deutlich. Für die Stadt geht es künftig weniger darum, möglichst viele neue Betreuungsplätze zu schaffen. Entscheidend wird vielmehr sein, vorhandene Angebote so zu verteilen, dass Familien auch bei sinkenden Kinderzahlen dort einen Platz finden, wo sie ihn tatsächlich benötigen.
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