Klimaneutrale Verwaltung, Münster senkt Emissionen nur leicht

Klimaneutrale Verwaltung, Münster senkt Emissionen nur leicht
Foto: Dietrich Herrmann

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Münster. Münsters Stadtverwaltung hat neue Treibhausgasbilanzen für die Jahre 2021 und 2023 vorgelegt und damit einen aktuellen Zwischenstand auf dem Weg zur klimaneutralen Verwaltung veröffentlicht. Der Bericht zeigt einerseits erste Fortschritte beim Klimaschutz, andererseits macht er aber auch deutlich, dass der Rückgang der Emissionen bislang überschaubar bleibt und dass vor allem in den Bereichen Gebäude und Mobilität noch erheblicher Handlungsbedarf besteht. Grundlage sind die jetzt vorgestellte Berichtsvorlage der Stadt sowie der ausführliche Ergebnisbericht des Gutachterbüros EBP.

Was die neue Treibhausgasbilanz für Münster zeigt

Nach den Berechnungen lagen die Gesamtemissionen der Stadtverwaltung 2019 bei 33.924 Tonnen CO2-Äquivalenten. 2021 sank der Wert auf 32.400 Tonnen, 2023 lag er bei 32.465 Tonnen. Gegenüber dem Ausgangsjahr 2019 entspricht das einem Rückgang von 4,3 Prozent. Die Stadt betont zugleich, dass die Bilanzjahre 2021 und 2023 wegen der Corona-Pandemie und der Erdgasmangellage nur eingeschränkt mit normalen Jahren vergleichbar sind. Genau diese Sondereffekte hätten das Verbrauchsverhalten in mehreren Bereichen stark beeinflusst, etwa durch Homeoffice, weniger Dienstreisen, veränderte Nutzung städtischer Gebäude und spätere Energiesparmaßnahmen. Deshalb sind die Zahlen zwar ein wichtiger Maßstab, sie zeigen aber nur bedingt, wie stark einzelne Klimaschutzmaßnahmen bereits aus eigener Kraft wirken.

Trotzdem lassen sich einige Entwicklungen klar erkennen. Positiv fällt auf, dass die Emissionen bei Straßenbeleuchtung und Lichtsignalanlagen zwischen 2019 und 2023 um 14,88 Prozent gesunken sind. Auch im Bereich Mobilität gab es mit minus 23,26 Prozent einen deutlichen Rückgang. Anders sieht es bei Gebäuden und Ver, und Entsorgungsanlagen aus. Dort stiegen die Emissionen sogar. Bei den Gebäuden lag das Plus bei 4,81 Prozent, bei den Ver, und Entsorgungsanlagen bei 6,09 Prozent. Gerade diese beiden Bereiche wiegen besonders schwer, weil sie einen großen Anteil an den Gesamtemissionen der Verwaltung ausmachen. Der Bericht macht damit deutlich, dass Münster zwar Fortschritte erzielt, aber gerade dort noch nicht schnell genug vorankommt, wo die größten Hebel liegen.

Wo Münster bereits vorankommt und wo die größten Probleme liegen

Als sichtbare Fortschritte nennt die Stadt vor allem die Umrüstung der Straßenbeleuchtung und der Lichtsignalanlagen auf LED sowie die zunehmende Elektrifizierung des Fuhrparks. Der LED-Anteil bei den Lichtpunkten ist laut Bericht von 17 Prozent im Jahr 2019 auf 34 Prozent im Jahr 2023 gestiegen. Gleichzeitig sank der Stromverbrauch in diesem Bereich, obwohl die Zahl der Anlagen zugenommen hat. Auch bei den Dienstfahrzeugen zeigt sich Bewegung. Der Anteil elektrischer Fahrzeuge im städtischen Fuhrpark stieg von 12 Prozent im Jahr 2019 auf 20 Prozent in den Jahren 2021 und 2023. Zudem wurde in mehreren Bereichen das Mobilitätsverhalten klimafreundlicher, auch wenn ein Teil dieser Entwicklung eng mit den Pandemiejahren verknüpft ist.

Die größten Schwierigkeiten sieht das Gutachterbüro jedoch weiterhin bei den städtischen Gebäuden. Dort steigen die Emissionen nicht zuletzt deshalb, weil Münster wächst und zusätzliche Gebäude benötigt. Zwischen 2019 und 2023 nahm die Zahl der bilanzierten Liegenschaften und Anlagen von 167 auf 195 zu. Allein bei den Bildungseinrichtungen stieg die Zahl von 106 auf 121. Mehr Gebäude bedeuten aber meist auch mehr Energieverbrauch, selbst wenn neue Standards greifen. Hinzu kommt, dass der Anteil erneuerbarer Energien am Energieverbrauch der Stadtverwaltung insgesamt zwischen 2019 und 2023 von 25 auf 22 Prozent gesunken ist. Besonders problematisch ist aus Sicht der Gutachter deshalb, dass der Ausbau von Photovoltaik und anderen erneuerbaren Energien bisher nicht schnell genug vorankommt. Genau hier sehen Bericht und Verwaltung einen der wichtigsten Ansatzpunkte für die kommenden Jahre.

Warum der Weg zur klimaneutralen Verwaltung in Münster noch lang ist

Der Bericht zieht insgesamt ein gemischtes Fazit. Einerseits wurde seit dem Ratsbeschluss zur klimaneutralen Stadtverwaltung im November 2021 eine ganze Reihe von Maßnahmen vorbereitet oder bereits umgesetzt. Andererseits reicht das bislang nicht aus, um die Emissionen schnell genug zu senken. Besonders im Gebäudebereich empfehlen die Gutachter deshalb, Sanierungen deutlich zu beschleunigen, alte Heizungsanlagen schneller auszutauschen und den Ausbau erneuerbarer Energien konsequenter voranzutreiben. Auch im Mobilitätsbereich sieht der Bericht weiteres Potenzial, etwa durch mehr klimafreundliche Arbeitswege und eine stärkere Elektrifizierung des Fuhrparks.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem, das Münster auf dem Weg zur Klimaneutralität besonders fordert. Die Stadt wächst, und mit diesem Wachstum entstehen Zielkonflikte. Neue Kitas, Schulen, Verwaltungsgebäude oder andere Liegenschaften sind für eine wachsende Stadt notwendig, sie verursachen aber beim Bau und im Betrieb zusätzliche Emissionen. Genau deshalb wird im Bericht betont, dass Klimaschutz künftig noch stärker in Planungen, Entscheidungen und Investitionen einfließen muss. Die Stadtverwaltung will ihre Treibhausgasbilanz nun alle zwei Jahre fortschreiben. Damit soll regelmäßig überprüft werden, ob Münster bei der klimaneutralen Verwaltung tatsächlich vorankommt oder ob an entscheidenden Stellen nachgesteuert werden muss.

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