Klimaneutralität 2030: Schafft Münster das Ziel wirklich?

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Christian Schnettelker, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

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Münster. Münster will bis 2030 die Klimaneutralität erreichen. Doch reicht das Tempo? Mit der Fortschreibung des kommunalen Klimacontrollings hat die Stadt nun erneut Zwischenbilanz gezogen. Der Bericht, den der Rat am 11. Februar 2026 entgegengenommen hat, zeigt Fortschritte – macht aber zugleich deutlich, wie groß die Lücke zum selbst gesetzten Ziel noch ist.

Seit 1990 sind die CO₂-Emissionen in Münster um 38 Prozent gesunken, pro Kopf um rund 50 Prozent. Um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen, wäre jedoch eine Reduktion von mehr als 95 Prozent gegenüber 1990 notwendig. Angesichts dieser Zahlen stellt sich die zentrale Frage: Ist das 2030-Ziel realistisch?

Klimaneutralität bis 2030 in Münster: Fortschritte bei Energie und Mobilität

Der Bericht bündelt rund 60 Projekte aus Energie, Bauen, Mobilität, Wirtschaft, Bildung und Verwaltung. Im Energiesektor wurde 2025 die Photovoltaikanlage auf der Zentraldeponie Coerde erweitert. 2.300 zusätzliche Module liefern nun rund zwei Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr.

Auch bei der Wärmewende gibt es Bewegung. Eine erste Großwärmepumpe ist in Betrieb gegangen, drei weitere sollen bis 2030 folgen. Ziel ist eine klimaneutrale Fernwärmeversorgung.

Im Verkehrsbereich wurde das Fahrradstraßennetz ausgebaut. Die Dieckstraße und die Wilhelmstraße wurden zu FahrradstraßenPlus umgestaltet. Zudem kamen rund 80 neue öffentliche Ladepunkte für Elektrofahrzeuge hinzu, das Carsharing-Netz wuchs um zehn Stationen.

Klimaanpassung und Wirtschaft im Fokus

Neben klassischen Infrastrukturmaßnahmen setzt Münster auch auf Klimaanpassung und Bewusstseinsbildung. Das Gesundheitsamt arbeitet an einem Hitzeaktionsplan. Die Stadtbücherei hat Umweltbildungsangebote ausgeweitet und die „Bibliothek der Dinge“ gestärkt. In Gewerbegebieten laufen Projekte zur klimaneutralen Unternehmensentwicklung.

Seit 2022 ist Münster Teil der EU-Mission „100 Climate Neutral and Smart Cities by 2030“. Im Rahmen sogenannter Climate City Contracts sammelt die Stadt freiwillige Selbstverpflichtungen aus Verwaltung, Stadtkonzern und Stadtgesellschaft. Diese sind rechtlich nicht bindend, sollen aber Transparenz über Beiträge zur Emissionsminderung schaffen.

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CDU zweifelt an Realisierbarkeit

Die Fortschritte reichen der CDU-Fraktion im Rat nicht aus. Sie hält das Ziel der Klimaneutralität bis 2030 für nicht erreichbar. Ratsfrau Babette Lichtenstein van Lengerich erklärte, das Vorhaben sei „völlig illusionär“ und es werde der Eindruck erweckt, als sei das Ziel realistisch umsetzbar.

Die CDU hat einen Antrag eingebracht, wonach der Rat feststellen soll, dass Klimaneutralität bis 2030 mit kommunalen Mitteln allein nicht erreichbar sei. Zudem fordert die Fraktion, das Klimacontrolling künftig klarer zwischen Emissionsminderungen zu unterscheiden, die die Stadt selbst beeinflussen kann, und solchen, die von externen Faktoren abhängen.

Politisches Ziel und praktische Umsetzung

Münster hatte 2019 den Klimanotstand ausgerufen und sich damit politisch klar positioniert. Ein städtischer Aktionsplan beschreibt ein Szenario, das eine Emissionsminderung von mehr als 95 Prozent vorsieht. Gleichzeitig zeigt das aktuelle Controlling, dass der bisherige Rückgang der Emissionen zwar deutlich, aber nicht ausreichend ist.

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