
Münster. Mehr als 30 Jahre gehörte Stefan Proske-Schuppelius der Linken an. Jetzt will der Münsteraner Ratsherr seiner Partei den Rücken kehren – und erhebt dabei schwere Vorwürfe. Er kritisiert, dass antisemitische Positionen innerhalb der Linken aus seiner Sicht geduldet würden und sich der Münsteraner Kreisverband nicht entschieden genug von bestimmten Gruppen abgrenze. Sein angekündigter Austritt sorgt nun auch innerhalb der Ratsfraktion für Aufmerksamkeit. Während die CDU die Vorwürfe aufgreift, deutet sich auf Social Media ein echter Richtungsstreit innerhalb der Münsteraner Linken an.
In einer Erklärung auf Instagram begründete Proske-Schuppelius seinen Schritt mit Entwicklungen innerhalb seiner Partei, die er seit längerer Zeit kritisch beobachte. Besonders störte ihn, dass nach seiner Auffassung antisemitische Positionen geduldet und entsprechende Äußerungen nicht entschieden genug zurückgewiesen würden. „Ich mag das nicht mehr aushalten und akzeptieren. Nach über dreißig Jahren verlasse ich die Linkspartei“, erklärte der Ratsherr. Zugleich betonte er, dass er die Linke insgesamt nicht als antisemitische Partei betrachte. Auch die Zusammenarbeit des Münsteraner Kreisverbandes mit bestimmten Gruppen kritisierte er deutlich.
Die CDU-Ratsfraktion um ihren Vorsitzenden Stefan Weber griff die Vorwürfe auf und forderte ein klares Bekenntnis gegen Antisemitismus sowie zum Existenzrecht Israels. „Wenn ein Ratsmitglied offensichtlich wegen deren Antisemitismus und Feindschaft gegen das Existenzrecht Israels seine Partei verlässt, dann ist das ein höchst alarmierendes Warnsignal“, erklärte Weber. Die CDU sieht darin ein grundsätzliches Problem der politischen Ausrichtung der Linken.
In ihrer Kritik an der Münsteraner Linkspartei verweist die CDU-Ratsfraktion ausdrücklich auch auf den Ratsherrn Jacob Bohé. Dieser gehört zu den Unterzeichnern des Gründungsaufrufs der „Sozialistischen Vernetzung in der Linken“. Die CDU sieht darin einen weiteren Anlass, den Umgang der Partei mit antisemitischen Positionen zu hinterfragen. Neben Bohé unterstützen weitere Münsteraner Parteimitglieder die Initiative, darunter Kreissprecher Fardad Afscharian und Bezirksvertreter Lennart Weigl. Die Initiative will laut eigener Aussage einen „konsequent sozialistischen und antikapitalistischen Parteiflügel“ stärken. Im Gründungsaufruf heißt es: „Die Linke hat kein Antisemitismusproblem – wenn, dann hat sie ein Staatsräson-Problem!“
CDU-Fraktionschef Stefan Weber kritisiert die politische Entwicklung der Linken scharf: „Klare Grenzen gegen Rechtsextremismus sind nur glaubwürdig, wenn derselbe Maßstab auch gegen Linksextremismus gilt. Demokratische Glaubwürdigkeit ist keine beliebige Frage politischer Himmelsrichtung.“ Mit Blick auf die Zugehörigkeit zu den demokratischen Kräften erklärte Weber weiter: „Dazu zählt die Linkspartei nicht, weil sie den Schutz jüdischen Lebens und eine Absage an den Antisemitismus nicht kompromisslos vertritt.“
Auch Bohés Aktivitäten in sozialen Medien sind in diesem Zusammenhang von Interesse. So verwendete der Münsteraner Ratsherr in Instagram-Beiträgen Musik des Rappers Dahabflex.
Der Musiker hatte Ende August bei einer Wahlkampfveranstaltung der Berliner Linken in Neukölln eine bundesweite Kontroverse ausgelöst. In seinem Song „Stop the Genocide“ verwendete er unter anderem die Zeile „Death to the IDF“, die sich gegen die israelischen Streitkräfte richtet. Die Äußerungen führten innerhalb der Linkspartei zu erheblichen Auseinandersetzungen. Während die Berliner Spitzenkandidatin Elif Eralp den Auftritt kritisierte, verteidigten andere Parteimitglieder den Rapper.
Dass sich innerhalb der Münsteraner Linken ein grundsätzlicher Richtungsstreit entwickeln könnte, deutet eine weitere Beobachtung auf Instagram an: Baas Nahrwold, der gemeinsam mit Katharina Martinewski die Linksfraktion im Stadtrat führt, teilte auf Instagram die Erklärung von Proske-Schuppelius zu seinem angekündigten Parteiaustritt.
Die Bundespartei hatte sich im Juni 2026 ausdrücklich zum Existenzrecht Israels und Palästinas bekannt. Wie die Münsteraner Linke mit den aktuellen Vorwürfen umgehen will, bleibt offen.
Die Linke verfügt seit der Kommunalwahl 2025 über sechs Sitze im Münsteraner Stadtrat. Ein Parteiaustritt würde für Proske-Schuppelius nicht automatisch den Verlust seines Mandats bedeuten. Ob er auch die Ratsfraktion verlassen will, ist bislang unklar.
Sollte er diesen Schritt ebenfalls gehen, würde die Linksfraktion auf fünf Mitglieder schrumpfen und ihren Fraktionsstatus behalten. Politisch könnte der Konflikt dennoch Folgen haben, insbesondere für die Zusammenarbeit innerhalb der Fraktion. Eine aktuelle Stellungnahme der Münsteraner Parteiführung zu den konkreten Vorwürfen liegt bislang nicht vor.
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