
Münster. Bei fast minus 200 Grad lagert im Allwetterzoo Münster eine besondere Reserve für die Zukunft bedrohter Wildtiere. Als einziger Zoo in Deutschland betreibt der Allwetterzoo nach eigenen Angaben eine eigene Spermien-Biobank. Dahinter steht Tierärztin Dr. Imke Wiemann, die vor rund 15 Jahren mit dem Aufbau der Sammlung begann. Für ihre Arbeit ist sie jetzt mit dem Nachhaltigkeitspreis der Volksbank Westmünsterland ausgezeichnet worden.
Inzwischen werden in Münster Proben für Zoos aus ganz Deutschland aufbewahrt. Dazu gehören Spermien von Asiatischen Löwen, Persischen Leoparden, Anoas, Elefanten, Wombats und Goldkatzen. Ziel ist es, genetisches Material wertvoller Zuchttiere über Jahrzehnte zu erhalten und später für Erhaltungsprogramme nutzen zu können.
Die Proben der Spermien-Biobank im Allwetterzoo Münster werden in flüssigem Stickstoff gelagert, der von der Westfalen AG zur Verfügung gestellt wird. Unter diesen Bedingungen kann das Material über sehr lange Zeit erhalten bleiben. Wird es benötigt, kann es aufgetaut und beispielsweise für eine künstliche Besamung eingesetzt werden.
Wie wichtig solche Reserven künftig werden könnten, beschreibt Wiemann selbst: „Langfristig werden wir aber nicht auf Spermien-Biobanken verzichten können, wenn wir Arten genetisch sinnvoll in Zuchtprogrammen erhalten wollen.“ Entscheidend sei, frühzeitig Erfahrungen zu sammeln und Material zu sichern. „Wir müssen jetzt damit anfangen und dürfen nicht erst dann ins Handeln kommen, wenn es schon zu spät ist“, sagt die Tierärztin.
Solche Eingriffe erfolgen ausschließlich in Abstimmung mit den Koordinatoren der Europäischen Erhaltungszuchtprogramme. Einen Erfolg gab es bereits in Münster: Nach einer künstlichen Besamung kam im Juli 2025 das Jungtier Shirin zur Welt. Das genetische Material stammte von einem Kater aus dem Kölner Zoo, der sich auf natürlichem Weg nicht fortpflanzt, dessen Gene für das Erhaltungsprogramm aber von großer Bedeutung sind. Wiemann gehört zu den wenigen Tierärztinnen in Deutschland, die künstliche Besamungen bei Wildtieren durchführen können.
Für den Aufbau und die Weiterentwicklung der Biobank erhält Wiemann den mit 3.000 Euro dotierten Nachhaltigkeitspreis der Volksbank Westmünsterland. Die Jury würdigte besonders die Verbindung von Artenschutz, Forschung und langfristiger Sicherung genetischer Vielfalt.
Volksbank-Vorstandschef Dr. Carsten Düerkop erklärt dazu: „Mit dem Aufbau einer Genreserve für bedrohte Tierarten verbindet er Wissenschaft, Forschung und Nachhaltigkeit auf beeindruckende Weise.“ Das Engagement habe die Jury besonders überzeugt.
Das Preisgeld soll direkt wieder in die Arbeit fließen. Wiemann will davon neue medizinische Geräte anschaffen. Auch Zoodirektorin Dr. Simone Schehka sieht die Sammlung als wichtigen Baustein für den Erhalt bedrohter Arten. Gerade bei kleinen Tierpopulationen könnten konservierte Genreserven in internationalen Zuchtprogrammen künftig eine immer größere Rolle spielen.






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