
Münster schneidet in einem neuen Städtevergleich besonders gut ab: Im „Stressindex Deutschland“ der kommerziellen Telemedizin-Plattform CanDoc erreicht die Stadt 93 von 100 möglichen Punkten und landet damit bundesweit auf Platz drei. Unter den untersuchten Großstädten in Nordrhein-Westfalen steht Münster sogar an der Spitze. Der Stressindex misst allerdings nicht, wie gestresst die Menschen tatsächlich sind. Stattdessen vergleicht die Auswertung verschiedene Rahmenbedingungen für einen möglichst stressarmen Alltag – darunter Grünflächen, Umweltbelastung, Arbeitszeit und Gesundheitsversorgung.
Für den Städtevergleich wurden insgesamt 30 deutsche Großstädte untersucht. Den ersten Platz belegt Augsburg mit 100 Punkten. Dahinter folgt Bielefeld mit 96 Punkten. Münster erreicht mit 93 Punkten Rang drei. Aachen und Kiel teilen sich mit jeweils 90 Punkten den vierten Platz.
Am anderen Ende der Rangliste steht Düsseldorf. Die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt erhält im verwendeten Bewertungssystem keinen Punkt und landet damit auf Rang 30. Verantwortlich für die Untersuchung ist CanDoc, eine kommerzielle Telemedizin-Plattform, die unter anderem medizinische Cannabis-Therapien vermittelt.
Ein Wert fällt bei Münster besonders deutlich auf: Nach Angaben der Auswertung verfügt die Stadt über die höchste Psychotherapeutendichte aller 30 untersuchten Großstädte. Auf 100.000 Einwohner kommen demnach 137 zugelassene psychologische Psychotherapeuten.
Auf den nächsten Plätzen folgen Bonn mit 129 und Köln mit 114 Psychotherapeuten je 100.000 Einwohner. Duisburg weist mit 31 den niedrigsten Wert der untersuchten Städte auf. CanDoc beruft sich für diese Zahlen auf Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung aus dem Jahr 2025. Die hohe Versorgungsdichte dürfte damit einen wesentlichen Beitrag zum guten Abschneiden Münsters leisten.
Der Stressindex setzt sich aus insgesamt zehn Faktoren zusammen. Untersucht wurden unter anderem der Anteil und die Erreichbarkeit von Grünflächen, nächtlicher Straßenverkehrslärm, die Feinstaubbelastung mit PM2,5 sowie die Zahl der Tropennächte. Hinzu kommen Wellnessangebote, die Dichte von Hausärzten und Psychotherapeuten, zertifizierte Stressmanagement- und Entspannungskurse sowie die durchschnittliche Jahresarbeitszeit.
Die einzelnen Bereiche werden unterschiedlich stark gewichtet. Wellness, Gesundheit und Prävention machen 40 Prozent der Gesamtwertung aus. Die Arbeitsbedingungen fließen mit 25 Prozent ein, Umweltstress mit 20 Prozent und Grünflächen sowie Natur mit 15 Prozent.
Besonders auffällig ist Münsters Position innerhalb Nordrhein-Westfalens. Keine andere der untersuchten NRW-Großstädte erreicht im Ranking ein besseres Ergebnis. Münster liegt mit 93 Punkten vor Aachen mit 90 Punkten. Dahinter folgen Wuppertal mit 79, Bochum mit 76 und Bonn mit 73 Punkten.
Köln landet mit 53 Punkten auf Rang 15 der bundesweiten Liste. Dortmund erreicht 37 Punkte, Essen 35 und Gelsenkirchen 32. Duisburg kommt auf 27 Punkte. Schlusslicht des gesamten Vergleichs ist Düsseldorf. Für Münster bedeutet das: Nach den von CanDoc ausgewählten Kriterien bietet die Stadt unter den untersuchten NRW-Kommunen die günstigsten Rahmenbedingungen für einen stressarmen Alltag.
Das schlechte Abschneiden Düsseldorfs erklärt CanDoc mit mehreren Faktoren. Demnach sind 29 Prozent der Bevölkerung nachts Straßenverkehrslärm von mindestens 55 Dezibel ausgesetzt. Das ist der höchste Anteil unter den untersuchten Städten. Zudem sollen nur 63 Prozent der Bevölkerung nach der verwendeten Definition einen schnellen Zugang zu einer Grünfläche haben.
Hinzu kommen nach Angaben der Analyse durchschnittlich 1.357 Arbeitsstunden pro Jahr und etwa elf Tropennächte jährlich. Bei der Zahl der Wellnessangebote schneidet Düsseldorf dagegen vergleichsweise gut ab. Die Gesamtwertung zeigt damit auch, wie stark das Ergebnis von der Auswahl und Gewichtung einzelner Kriterien abhängt.
Der dritte Platz sollte deshalb nicht mit der Aussage gleichgesetzt werden, dass Menschen in Münster tatsächlich weniger gestresst sind als Einwohner anderer Städte. Eine Befragung der Bevölkerung ist nicht Bestandteil des Index. Faktoren wie Einkommen, Wohnkosten, Pendelzeiten, individuelle Arbeitsbelastung, Einsamkeit oder das subjektive Wohlbefinden werden nicht unmittelbar berücksichtigt.
Hinzu kommt, dass die zugrunde liegenden Daten aus unterschiedlichen Jahren stammen. Während der Index 2026 veröffentlicht wurde, reichen einzelne Datensätze mehrere Jahre zurück. Grünflächen- und Lärmdaten stammen beispielsweise aus 2021, Feinstaubwerte aus den Jahren 2022 bis 2024 und Angaben zur Arbeitszeit aus 2024.
Dass Stress unabhängig von solchen Städterankings für viele Menschen eine Rolle spielt, zeigt der Stressreport 2025 der Techniker Krankenkasse. Nach einer repräsentativen Forsa-Befragung gaben 66 Prozent der Erwachsenen in Deutschland an, sich häufig oder manchmal gestresst zu fühlen. Im Jahr 2013 waren es noch 57 Prozent.
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