Stromausfall oder Hochwasser: Was für den Notfall zu Hause sein sollte

Stromausfall oder Hochwasser: Was für den Notfall zu Hause sein sollte
Foto: Caroline Muffert

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Ein längerer Stromausfall, Hochwasser oder eine andere größere Schadenslage kann den Alltag innerhalb kurzer Zeit verändern. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) will deshalb in Westfalen-Lippe neue Selbsthilfetrainings zur Katastrophenvorsorge verbreiten. Am 11. Oktober 2026 werden dafür zunächst 34 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Münster geschult. Für Haushalte stellt sich unabhängig davon eine praktische Frage: Was sollte man zu Hause haben, wenn Strom, Wasser oder Einkaufsmöglichkeiten zeitweise ausfallen?

DRK startet Katastrophenvorsorge-Schulung in Münster

Der DRK-Landesverband Westfalen-Lippe bringt für das neue Konzept Ausbilderinnen und Ausbilder aus seinen Kreisverbänden zusammen. Die Schulung unter dem Titel „Katastrophenvorsorge: Gut aufgestellt für den Notfall!“ findet am Sonntag, 11. Oktober, von 10 bis 17 Uhr im DRK-Tagungshotel Dunant an der Sperlichstraße in Münster statt. Nach Angaben des Landesverbandes haben sich 34 Personen angemeldet.

Auf dem Programm stehen vier Themenbereiche: Licht und Energie, Notgepäck und Hausapotheke, Kochen ohne Strom sowie Wasseraufbereitung und Hygiene. Anschließend sollen die geschulten Teilnehmer das Konzept in ihren jeweiligen Kreisverbänden weitertragen und dort dazu beitragen, entsprechende Kurse für die Bevölkerung anzubieten. Wann und wo diese Bürgerkurse konkret starten, nennt das DRK bislang nicht.

Wie lange sollte ein Haushalt ohne Versorgung auskommen können?

Eine wichtige Orientierung für die private Katastrophenvorsorge liefert das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Die Behörde empfiehlt, sich möglichst darauf vorzubereiten, zehn Tage selbst versorgen zu können. Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Haushalt sofort einen vollständigen Zehn-Tage-Vorrat anlegen muss. Schon Vorräte für mindestens drei Tage seien hilfreich und könnten nach und nach erweitert werden.

Dabei gibt es keine für jeden Haushalt identische Einkaufsliste. Allergien, Ernährungsgewohnheiten, Kinder, Haustiere, benötigte Medikamente und die vorhandenen Lagermöglichkeiten spielen eine Rolle. Entscheidend ist deshalb ein Vorrat, der tatsächlich zu den Menschen im jeweiligen Haushalt passt.

Wasser: Rund zwei Liter pro Person und Tag einplanen

Besonders wichtig ist Trinkwasser. Das BBK empfiehlt idealerweise zwei Liter Wasser pro Person und Tag. Davon sind etwa 0,5 Liter für die Zubereitung von Lebensmitteln vorgesehen. Für einen Erwachsenen ergeben sich damit für drei Tage sechs Liter und für zehn Tage rund 20 Liter. Auch der Bedarf von Haustieren sollte berücksichtigt werden.

Gerade ein Ausfall der Wasserversorgung kann schnell zum Problem werden. Neben Trinkwasser kann zusätzlich Wasser für Körperpflege und Hygiene notwendig sein. Welche Möglichkeiten zur Wasseraufbereitung bestehen, gehört deshalb auch zu den Themen der neuen DRK-Schulung in Münster.

Welche Lebensmittel eignen sich als Notvorrat?

Für einen Vorrat sind vor allem Lebensmittel sinnvoll, die lange haltbar sind und auch ohne funktionierenden Kühlschrank aufbewahrt werden können. Praktisch sind außerdem Produkte, die direkt verzehrt werden können oder nur eine kurze Kochzeit benötigen. Denn bei einem Stromausfall funktionieren elektrische Herdplatten und Backöfen nicht.

Das BBK empfiehlt, persönliche Bedürfnisse ausdrücklich mitzudenken. Wer kleine Kinder versorgt, bestimmte Lebensmittel nicht verträgt oder Haustiere hat, braucht einen entsprechend angepassten Vorrat. Statt Lebensmittel ausschließlich für Katastrophen einzulagern, können Haushalte Produkte bevorraten, die sie ohnehin regelmäßig verbrauchen, und diese laufend ersetzen.

Stromausfall: Taschenlampe, Radio und Batterien bereithalten

Ein länger dauernder Stromausfall betrifft weit mehr als nur die Beleuchtung. Elektrische Kochmöglichkeiten, Internetzugänge, Ladegeräte und zahlreiche andere Alltagsgeräte funktionieren dann nicht mehr. Zur persönlichen Vorsorge nennt das BBK unter anderem Taschenlampen und Ersatzbatterien. Auch ein batteriebetriebenes Radio oder ein Kurbelradio kann wichtig sein, um Informationen zu erhalten, wenn Internet und Mobilfunk nur eingeschränkt verfügbar sind.

Geladene Akkus und Powerbanks können zusätzlich helfen, Smartphones zumindest für eine gewisse Zeit weiter zu nutzen. Sinnvoll ist es außerdem, wichtige Rufnummern und Informationen nicht ausschließlich digital zu speichern.

Kochen ohne Strom: Sicherheit geht vor

Wie sich Mahlzeiten ohne Strom zubereiten lassen, ist ein eigener Bestandteil der DRK-Schulung. Bei alternativen Koch- und Heizmöglichkeiten ist allerdings Vorsicht notwendig. Geräte dürfen nur so eingesetzt werden, wie es der Hersteller vorgesehen hat.

Insbesondere offene Verbrennung in geschlossenen Räumen kann gefährlich werden. Bei ungeeigneten Geräten besteht unter anderem die Gefahr einer Kohlenmonoxidvergiftung. Ein Grill gehört deshalb nicht in die Wohnung. Wer alternative Kochmöglichkeiten für einen Stromausfall anschafft, sollte vorher prüfen, ob das jeweilige Gerät für den vorgesehenen Einsatzort zugelassen ist.

Hausapotheke regelmäßig kontrollieren

Zur Vorsorge gehört außerdem eine funktionierende Hausapotheke. Hintergrund ist, dass Apotheken, Arztpraxen oder Rettungsdienste in einer größeren Krisenlage möglicherweise nicht sofort in gewohntem Umfang erreichbar sind.

Das BBK empfiehlt, die Hausapotheke am persönlichen Bedarf auszurichten und wichtige Medikamente sowie Verbandsmaterial rechtzeitig nachzufüllen. Abgelaufene Präparate sollten regelmäßig aussortiert werden. Persönlich notwendige, ärztlich verordnete Medikamente gehören ebenfalls in die Vorsorgeplanung.

Auf der BBK-Checkliste stehen darüber hinaus beispielsweise ein DIN-Verbandskasten, Schmerzmittel, Fieberthermometer, Haut- und Wunddesinfektionsmittel sowie Mittel gegen Durchfall. Welche Arzneimittel im Einzelfall sinnvoll oder notwendig sind, hängt jedoch von der persönlichen Situation ab.

Notgepäck vorbereiten, falls die Wohnung verlassen werden muss

Ein Lebensmittelvorrat hilft vor allem dann, wenn Menschen einige Tage zu Hause bleiben können. Bei einem Brand, Hochwasser oder einer Evakuierung kann dagegen entscheidend sein, die Wohnung schnell verlassen zu können. Dafür empfiehlt sich ein vorbereitetes Notgepäck.

Darin sollten nur Dinge landen, die tatsächlich benötigt und noch getragen werden können. Neben notwendigen Medikamenten und Erste-Hilfe-Material können beispielsweise Taschenlampe, Verpflegung, Wasser, Hygieneartikel, Kleidung und wichtige persönliche Unterlagen sinnvoll sein. Auch dieser Bereich gehört ausdrücklich zum Schulungskonzept des DRK in Westfalen-Lippe.

Im Notfall nicht allein auf das Smartphone verlassen

Wer sich auf Krisen vorbereitet, sollte auch überlegen, wie Warnungen und behördliche Informationen ankommen. In Deutschland werden dafür unterschiedliche Warnwege eingesetzt. Neben der Warn-App NINA gehören unter anderem Cell Broadcast und klassische Rundfunkangebote zum Warnsystem. Aktuelle amtliche Warnungen stellt das BBK zudem über das bundesweite Warnportal bereit.

Das BBK hat seinen Ratgeber zur Krisen- und Katastrophenvorsorge grundlegend überarbeitet. Neben Vorräten und Stromausfällen behandelt die aktuelle Fassung unter anderem Schutzmöglichkeiten, Desinformation und den Umgang mit psychischen Belastungen in Krisensituationen. Die Empfehlungen versteht die Behörde ausdrücklich als Orientierung und nicht als starre Vorgaben für jeden Haushalt.

Mit dem neuen Schulungskonzept will das DRK dieses Thema nun stärker in die Kreisverbände in Westfalen-Lippe tragen. Der erste Schritt erfolgt am 11. Oktober in Münster. Ob und wann daraus ein entsprechender Kurs am jeweiligen Wohnort entsteht, hängt von der weiteren Umsetzung durch die Kreisverbände ab.

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