Trägerschaft endet zum Sommer 2026: Einschnitt für Kita in Sprakel

Zu wenige Kinder, zu viele Kita-Plätze: Münster plant Schließungen, Gruppenabbau und Finanzhilfen für Träger. Entscheidung im März.
Foto: La-Rel Easter auf Unsplash

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Münster-Sprakel. Die Kirchengemeinde St. Marien und St. Josef wird die Trägerschaft für die Kita St. Maria Magdalena zum 31. Juli 2026 beenden. Die Entscheidung wurde Ende Januar den betroffenen Eltern mitgeteilt. Für die aktuell betreuten Kinder und die Mitarbeitenden sollen Übergangslösungen greifen. Gleichzeitig wirft der Schritt ein Schlaglicht auf strukturelle Probleme der frühkindlichen Betreuung – nicht nur in Sprakel.

Kleine Kita mit deutlich rückläufiger Auslastung

Die Kita St. Maria Magdalena ist als Zwei-Gruppen-Einrichtung konzipiert. Nach offiziellen Einträgen bietet sie Platz für rund 30 Kinder im Alter von etwa einem bis sechs Jahren. Tatsächlich sind derzeit jedoch nur noch elf Plätze belegt. Damit liegt die Auslastung deutlich unter der vorgesehenen Kapazität.

Solche Entwicklungen spielen bei Trägerentscheidungen eine zentrale Rolle. Sinkende Belegungszahlen wirken sich unmittelbar auf die Finanzierung aus, insbesondere bei kleineren Einrichtungen mit begrenzten Skaleneffekten.

Anschlussbetreuung für Kinder und Perspektiven für Mitarbeitende

Nach Angaben der Kirchengemeinde soll es für alle aktuell betreuten Kinder eine nahtlose Anschlusslösung geben. Vorgesehen ist ein Wechsel in die Kita St. Marien, ebenfalls im Stadtteil Sprakel. Bestehende Betreuungsverträge sollen nicht gekündigt werden.

Auch die Mitarbeitenden sollen im kirchlichen Verbund weiterbeschäftigt werden. Sie wurden bereits vor der Elternschaft über die Entscheidung informiert. Ziel sei es, Unsicherheiten für Kinder, Familien und Beschäftigte möglichst gering zu halten.

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KiBiz als struktureller Faktor

Als wesentlichen Grund für die Aufgabe der Trägerschaft nennt die Kirchengemeinde die Rahmenbedingungen des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz). Das KiBiz regelt in Nordrhein-Westfalen die rechtlichen und finanziellen Grundlagen der Kindertagesbetreuung. Die Finanzierung orientiert sich unter anderem an Gruppenstärken, Betreuungsumfängen und pauschalierten Zuschüssen.

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Kritiker bemängeln seit Jahren, dass kleinere Einrichtungen mit wenigen Gruppen strukturell benachteiligt seien. Fixkosten für Personal, Gebäudeunterhalt und Organisation ließen sich dort deutlich schlechter auffangen als in größeren Kitas. Für Träger bedeutet das ein steigendes wirtschaftliches Risiko.

Sinkender Bedarf verändert die Planungen in Münster

Hinzu kommt eine veränderte Bedarfslage in Münster. Die Stadt geht davon aus, dass in den kommenden Jahren weniger Kitaplätze benötigt werden. Hintergrund sind sinkende Kinderzahlen und ein bereits erfolgter Ausbau in den vergangenen Jahren.

Für das Kita-Jahr 2026/27 rechnet die Stadt in einzelnen Stadtteilen mit deutlich freien Kapazitäten. Für Kinderhaus wird beispielsweise von rund 338 unbesetzten Plätzen gesprochen. Auch in anderen Quartieren zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab. Diese Perspektive fließt in die langfristigen Überlegungen der Träger ein.

Finanzierungsdebatte auch auf Landesebene

Die Situation in Sprakel ist kein Einzelfall. NRW-weit kritisieren Kommunen und freie Träger seit Längerem die Finanzierungslogik der Kindertagesbetreuung. Steigende Personal- und Sachkosten, Tarifabschlüsse und erhöhte Anforderungen treffen auf ein System, das nach Ansicht vieler Beteiligter nicht ausreichend nachjustiert wurde.

Vor diesem Hintergrund fordern Träger und kommunale Spitzenverbände seit Jahren eine Reform des KiBiz, um Planungssicherheit und wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten.

Kirchliche Träger vor strukturellem Umbau

Unabhängig von der konkreten Entscheidung zur Kita St. Maria Magdalena steht auch die kirchliche Trägerlandschaft vor Veränderungen. Im Bistum Münster ist vorgesehen, katholische Kitas ab August 2027 in neuen, gebündelten Trägerstrukturen zu organisieren, etwa in Form von gemeinnützigen GmbHs.

Begründet wird dieser Schritt unter anderem mit der strukturellen Unterfinanzierung des Systems und der wachsenden administrativen Komplexität für einzelne Pfarreien. Die Aufgabe der Trägerschaft in Sprakel fügt sich damit in einen größeren Umbruch ein.

Drei Kitas im laufenden Jahr – weniger ab 2026

Im laufenden Kindergartenjahr 2025/2026 betreibt die Kirchengemeinde St. Marien und St. Josef noch drei Kindertageseinrichtungen. Insgesamt werden dort 135 Kinder betreut, 46 Mitarbeitende sind beschäftigt. Mit dem Wegfall der Kita St. Maria Magdalena wird sich dieses Angebot ab dem kommenden Kindergartenjahr reduzieren.

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