„Viele Stimmen. Eine Hoffnung“: Kirchen setzen beim NRW-Tag Zeichen für Vielfalt

Ökumenischer Gottesdienst beim NRW-Tag Münster: Ruck-Schröder und Wilmer sprechen über Vielfalt, Empathie und Zusammenhalt.
Fotos: Bischöfliche Pressestelle/Achim Pohl

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Münster. Mit einer deutlichen Botschaft für Vielfalt, Verständigung und gesellschaftlichen Zusammenhalt haben Präses Adelheid Ruck-Schröder und Bischof Heiner Wilmer am Sonntag beim ökumenischen Gottesdienst zum NRW-Tag in Münster gesprochen. Auf dem Domplatz feierten sie gemeinsam mit zahlreichen Besucherinnen und Besuchern unter dem Leitgedanken „Viele Stimmen. Eine Hoffnung“. In ihrer gemeinsamen Predigt ging es um Migration, unterschiedliche Herkunft und Religionen, aber auch um die Frage, wie Zusammenleben in Nordrhein-Westfalen gelingen kann.

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Ausgangspunkt war die biblische Geschichte vom Turmbau zu Babel. Ruck-Schröder und Wilmer nutzten sie, um über eine Gesellschaft zu sprechen, in der Menschen nicht trotz, sondern mit ihren Unterschieden miteinander leben müssen. Der Gottesdienst war Teil des NRW-Tags zum 80. Geburtstag Nordrhein-Westfalens.

Ruck-Schröder: „Was für eine Vielfalt!“

Präses Adelheid Ruck-Schröder richtete den Blick zunächst auf Münster selbst. „Die Menschen in Münster sprechen sage und schreibe 160 Muttersprachen. Was für eine Vielfalt!“, sagte sie vor den Menschen auf dem Domplatz. Daraus leitete sie eine zentrale gesellschaftliche Frage ab: „Unser Land hat eine Chance: Schaffen wir es, Heimat zu sein für viele? Für die, die schon lange hier leben, und für die, die neu dazugekommen sind?“

Als Beispiel griff die Präses die Geschichte des Turmbaus zu Babel auf. Die Menschen wollten dort nach biblischer Überlieferung Einheit schaffen und einen Turm bis zum Himmel errichten. Für Ruck-Schröder liegt die Botschaft der Geschichte gerade in der später entstehenden Vielfalt: „Gott will keine Einheitsstruktur, stattdessen erschafft er die Vielzahl der Sprachen.“ Ihr Fazit formulierte sie deutlich: „Redet miteinander – so verschieden Ihr auch seid. Das ist die Message.“

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Daraus leitete Ruck-Schröder auch eine Botschaft für Nordrhein-Westfalen ab. Das Bundesland habe in seinen 80 Jahren Menschen unterschiedlicher Herkunft, Sprachen, Religionen und Kulturen integriert. Dieser Prozess sei aber nicht abgeschlossen. „Wir sind nicht fertig damit“, sagte sie.

Bischof Wilmer: „Die Welt bleibt eine Baustelle“

Bischof Heiner Wilmer nahm den Gedanken auf und übertrug das Bild der Baustelle auf die Gegenwart. Aus der Geschichte von Babel lasse sich erkennen, dass „die Welt eine Baustelle bleibt“. Auch Nordrhein-Westfalen sei 80 Jahre nach seiner Gründung nicht fertig. Wilmers Reaktion darauf: „Gott sei Dank!“

Für gesellschaftlichen Zusammenhalt brauche es seiner Ansicht nach keine völlige Übereinstimmung. „Wir brauchen nicht alle dieselbe Sprache, dieselben Überzeugungen, dieselbe Herkunft. Wir brauchen die Bereitschaft, uns aufeinander zuzubewegen“, sagte Wilmer. Besonders hob er die Bedeutung von Mitgefühl und gegenseitigem Verständnis hervor: „Empathie ist keine Schwäche. Empathie ist das Gütesiegel Europas.“

Der Bischof verband dies mit einer gesellschaftspolitischen Botschaft. Wo Menschen einander vertrauten, solidarisch handelten und gemeinsam Zukunft gestalteten, könne Zusammenleben gelingen. Dabei wandte er sich auch gegen ein Denken, das Menschen vor allem nach Herkunft oder Zugehörigkeit voneinander abgrenzt.

Wilmer würdigt Beitrag von Menschen mit Migrationsgeschichte

Besonders ausführlich ging Wilmer auf den gesellschaftlichen Beitrag von Menschen mit ausländischen Wurzeln ein. Wohlstand und gesellschaftlicher Reichtum seien nicht allein eine Frage von Geld. Als Beispiel erinnerte er an die ausländischen Bergarbeiter, die am wirtschaftlichen Aufbau des Ruhrgebiets beteiligt waren.

Auch das heutige Gesundheits- und Pflegesystem nahm Wilmer in den Blick. „Reich ist, wer dankbar ist für den syrischen Chefarzt, für die muslimische Krankenschwester und für den katholischen Kongolesen, der auf der Intensivstation arbeitet“, sagte der Bischof. Viele Menschen erlebten spätestens im Krankenhaus oder im Altenheim, dass sie auf die Unterstützung von Menschen unterschiedlicher Herkunft angewiesen seien.

Für Wilmer ergibt sich daraus eine universelle Form der Verständigung. Wirklicher Reichtum zeige sich bei Menschen, die „die universelle Sprache des Mitleids“ lernten. Diese könne Menschen trotz unterschiedlicher Sprachen, Religionen und Lebensgeschichten miteinander verbinden.

Verschiedene Religionen senden Grüße zum 80. Geburtstag von NRW

Musikalisch begleitet wurde der ökumenische Gottesdienst von einem Projektchor unter Leitung von Kreiskantor Konrad Paul, einem Blechbläserensemble unter Leitung von Volker Grundmann sowie einer Band unter Leitung von Kreiskantor Philipp Holmer.

 

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