Wenn Schwalben zurückkehren, wächst auch in Münster der Handlungsdruck

Wenn Schwalben zurückkehren, wächst auch in Münster der Handlungsdruck
Rauchschwalben Foto: Bernhard Schiewe / Nabu

Teilen:

Münster. Mit den ersten zurückkehrenden Rauchschwalben beginnt auch in Münster wieder die Zeit, in der vielerorts über Nistplätze, offene Einflugmöglichkeiten und geeignete Hilfe für die Tiere gesprochen wird. Der NABU weist darauf hin, dass Schwalben inzwischen deutlich seltener geworden sind und viele Brutplätze fehlen, obwohl die Vögel früher in Dörfern und Städten selbstverständlich zum Alltag gehörten.

Warum der NABU jetzt zum Schutz der Schwalben aufruft

Mit dem Frühling kehren derzeit die ersten Rauchschwalben nach Deutschland zurück, während die Mehlschwalben laut NABU mit etwas Abstand folgen. Bis Anfang Mai dürften auch die später eintreffenden Tiere angekommen sein. Aus Sicht des Naturschutzbundes ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, um Haus- und Stallbesitzer zum Mitmachen zu bewegen. Hintergrund ist, dass die Bestände beider Arten unter Druck stehen, vor allem weil Nistmöglichkeiten verloren gegangen sind und zugleich das Nahrungsangebot zurückgeht.

Wie der NABU mitteilt, lassen sich schon mit einfachen Maßnahmen bessere Bedingungen schaffen. Genannt werden etwa Lehmpfützen als Baumaterialquelle, Nistbrettchen oder auch Kunstnester. Gerade weil Rauch und Mehlschwalben auf bestimmte Brutorte angewiesen sind, kann selbst kleinere Unterstützung eine Rolle spielen. Während Rauchschwalben vor allem Innenräume wie Ställe, Scheunen oder Garagen nutzen, brauchen Mehlschwalben geeignete Stellen an Außenwänden, möglichst unter Dachvorsprüngen oder an geschützten Fassaden. Der Aufruf ist deshalb nicht nur ein allgemeiner Naturschutzhinweis, sondern auch ein sehr konkreter Appell an Eigentümerinnen und Eigentümer, bestehende Brutplätze nicht zu verschließen und neue Möglichkeiten zu schaffen.

Welche Hilfe an Häusern und Ställen für Schwalben sinnvoll ist

Der NABU beschreibt recht genau, worauf es bei der Unterstützung ankommt. Rauchschwalben benötigen demnach Gebäude, in die sie dauerhaft einfliegen können, also etwa geöffnete Fenster, Türen oder andere Einflugöffnungen. Mehlschwalben bauen ihre geschlossenen Nester dagegen außen an Gebäuden und nutzen dafür feuchten Lehm. Wer helfen will, kann daher eine Lehmpfütze anlegen. Laut NABU sollte diese nicht weiter als 300 Meter vom Nistplatz entfernt sein. Außerdem dürften Katzen dort keine Deckung finden, weil sonst zusätzlicher Druck auf die Vögel entsteht.

Ein häufiger Streitpunkt an Wohnhäusern ist Verschmutzung unter den Nestern. Auch dazu nennt der Verband eine einfache Lösung. Bretter unterhalb der Nester können den Kot auffangen und Konflikte mit Bewohnern verringern. Das ist wichtig, weil Schwalbenschutz oft genau dort scheitert, wo Menschen den praktischen Aufwand scheuen. Für Münster ist das Thema ebenfalls relevant, weil Schwalben traditionell sowohl im städtischen Umfeld als auch in den Randlagen mit landwirtschaftlicher Prägung vorkommen. Wo Nester geduldet und kleinere Hilfen eingerichtet werden, steigen die Chancen, dass die Tiere erfolgreiche Bruten aufziehen können.

Bestände gehen zurück, vor allem bei der Mehlschwalbe

Besonders deutlich verweist der NABU auf den Rückgang der Bestände. Nach Angaben des Verbands hat sich die Lage der Rauchschwalbe zuletzt etwas stabilisiert. Bei der Mehlschwalbe sei die Entwicklung jedoch deutlich problematischer. Innerhalb von 40 Jahren habe sich ihr Bestand nahezu halbiert. Diese Einordnung macht klar, warum der Schutz der Tiere nicht nur symbolischen Charakter hat, sondern aus Sicht des NABU notwendig ist.

Für Deutschland nennt der Verband bei der Rauchschwalbe eine Spanne von 530.000 bis einer Million Brutpaaren im Zeitraum von 2017 bis 2022. Bei der Mehlschwalbe liegt die Zahl demnach bei 415.000 bis 770.000 Paaren. Noch seltener sind andere Arten wie die Uferschwalbe, die ihre Bruthöhlen in Sandwände gräbt, oder die Felsenschwalbe, die in Deutschland nur im äußersten Süden vorkommt. Damit wird auch deutlich, dass die beiden bekannten Arten an Häusern und Ställen für viele Menschen die sichtbarsten Vertreter dieser Vogelgruppe sind. Gerade deshalb kommt ihrer Akzeptanz in Siedlungen eine besondere Bedeutung zu, auch in Münster, wo naturnahe Flächen, Gewässer und offene Bereiche für die Nahrungssuche wichtig bleiben.

Das lesen andere gerade

Was hinter der Aktion „Schwalbenfreundliches Haus“ steckt

Wer sich aktiv engagiert, kann dieses Engagement nach Angaben des NABU auch sichtbar machen. Seit 2017 vergibt der Verband die wetterfeste Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“. Sie richtet sich an Menschen, die Nester dulden oder gezielt Bedingungen für Schwalben schaffen. Laut NABU wurden bereits rund 14.000 solcher Plaketten vergeben. Die Aktion soll nicht nur einzelne Standorte auszeichnen, sondern auch Aufmerksamkeit dafür schaffen, dass Gebäudebrüter auf Unterstützung angewiesen sind.

Darüber hinaus verweist der Verband auf weitere Hilfsangebote, darunter Bauanleitungen, Bezugsquellen für Nisthilfen und Informationen zum Schutz von Schwalben und Seglern. Gleichzeitig macht der NABU darauf aufmerksam, dass Nisthilfen allein nicht ausreichen. Entscheidend seien auch insektenreiche Lebensräume, weil Schwalben und Segler ihren Nachwuchs ganzjährig mit fliegenden Insekten versorgen. Über Gewässern, Wiesen und in Siedlungen finden sie ihre Nahrung. Das zeigt, dass Schwalbenschutz immer auch mit der Frage zusammenhängt, wie naturnah Gärten, Höfe und Freiflächen gestaltet sind. Die Bewerbung für die NABU-Auszeichnung ,Schwalbenfreundliches Haus‘ ist über ein Online-Formular möglich.

Wie sich Hausbesitzer für ein „schwalbenfreundliches Haus“ bewerben können

Wer Schwalbennester am eigenen Haus, auf dem Hof oder in Stallgebäuden duldet und erhält, kann sich beim NABU auch offiziell als „Schwalbenfreundliches Haus“ auszeichnen lassen. Nach Angaben des Verbands läuft die Bewerbung über ein Online-Formular. Wer mitmacht, erhält eine Plakette und eine Urkunde. Damit will der NABU sichtbar machen, wie wichtig der Schutz der Tiere an Gebäuden ist und zugleich andere Eigentümer motivieren, bestehende Nester nicht zu entfernen.

Der Verband weist außerdem darauf hin, dass sich die Vergabe der Auszeichnung verzögern kann, weil viele Plaketten vor allem im Frühling und Sommer überreicht werden. Für Menschen in Münster, die Schwalben an ihrem Haus willkommen heißen, ist das ein zusätzlicher Anreiz, den eigenen Einsatz sichtbar zu machen. Der Schwalbenschutz bleibt damit nicht nur eine abstrakte Naturschutzforderung, sondern wird direkt mit konkretem Engagement vor Ort verbunden.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu