
Münster. Rund zwei Millionen Euro fließen für ein neues Forschungsprojekt an die Universität Münster. Die Ethnologin Dr. Victoria Kumala Sakti erhält einen „ERC Starting Grant“ des Europäischen Forschungsrats und will damit untersuchen, wie ältere Menschen mit dem Wandel schnell wachsender Städte umgehen.
Das Projekt soll im Frühjahr 2027 starten und über fünf Jahre laufen. Wie die Universität Münster mitteilt, wird Sakti dafür eine eigene Forschungsgruppe aufbauen. Im Mittelpunkt stehen dabei unterschiedliche gesellschaftliche und kulturelle Bedingungen in mehreren Ländern.
Sakti will ihre ethnografische Forschung in Indonesien, Kolumbien und Simbabwe durchführen. Untersucht werden sowohl Megastädte als auch kleinere städtische Zentren. Dabei geht es unter anderem darum, wie ältere Menschen ihre Versorgung organisieren, mobil bleiben und trotz gesellschaftlicher Veränderungen ein Gefühl von Zugehörigkeit entwickeln.
Zugleich soll das Projekt die Lebensrealität älterer Menschen in größere historische Zusammenhänge einordnen. Dazu gehören nach Angaben der Universität Erfahrungen mit Gewalt, Vertreibung und sozialer Ungleichheit. Die Forscherin will damit untersuchen, wie unterschiedliche Lebensgeschichten und gesellschaftliche Bedingungen das Altern in Städten prägen und welche Folgen daraus für eine altersgerechte Stadtentwicklung entstehen können.
Münster soll innerhalb des Projekts als zentraler Ort für die Auswertung und den internationalen Austausch dienen. Dort werden die Ergebnisse aus den drei Forschungsregionen zusammengeführt und miteinander verglichen. Geplant ist außerdem eine Zusammenarbeit mit Vertretern aus Gemeinden sowie Fachleuten aus Stadtplanung und Stadtpolitik.
Methodisch verbindet das Projekt klassische ethnografische Forschung mit Interviews, Archivarbeit und weiteren Forschungsansätzen. Ältere Menschen sollen dabei nicht nur Gegenstand der Untersuchung sein, sondern teilweise auch aktiv in den Forschungsprozess eingebunden werden. Damit will das Team unterschiedliche Perspektiven auf das Leben im Alter und den städtischen Wandel erfassen.
Victoria Sakti arbeitet seit 2025 am Institut für Ethnologie sowie am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster. Zuvor war sie unter anderem am Max-Planck-Institut in Göttingen und an der Freien Universität Berlin tätig. Im Sommersemester 2026 übernahm sie außerdem eine Vertretungsprofessur an der Universität Heidelberg.
Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Altern, Migration und Vertreibung, politische Gewalt, Geschlechterfragen sowie gesellschaftlicher Wandel. Regional beschäftigt sie sich besonders mit Südostasien, darunter Indonesien und Timor-Leste. Die „ERC Starting Grants“ richten sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die eine eigene unabhängige Forschungsgruppe aufbauen wollen.
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