Brustkrebs früher erkennen: Studie aus Münster zeigt Vorteile neuer Röntgentechnik

Brustkrebs früher erkennen: Studie aus Münster zeigt Vorteile neuer Röntgentechnik
Symbolbild mit KI erstellt

Teilen:

Münster. Eine neue Studie der Universität Münster und des Universitätsklinikums Münster (UKM) liefert wichtige Erkenntnisse zur Brustkrebs-Früherkennung. Eine moderne Röntgentechnik hat bei fast 100.000 untersuchten Frauen mehr invasive Tumoren entdeckt als die herkömmliche Mammografie. Auch die Zahl der Krebserkrankungen, die erst zwischen zwei regulären Vorsorgeuntersuchungen festgestellt wurden, fiel geringer aus. Allerdings lassen sich aus den Ergebnissen noch keine endgültigen Schlussfolgerungen über den langfristigen Nutzen ziehen.

Anzeige

Brustkrebs-Studie zeigt Unterschiede bei der Früherkennung

Bei der Untersuchung ging es vor allem um sogenannte Intervallkarzinome. Dabei handelt es sich um Brustkrebserkrankungen, die nach einer zunächst unauffälligen Screening-Untersuchung und vor dem nächsten regulären Termin diagnostiziert werden. Diese Tumoren sind häufig aggressiver und mit einer ungünstigeren Prognose verbunden als Krebserkrankungen, die bereits beim Screening entdeckt werden. Eine möglichst niedrige Zahl solcher Diagnosen gilt deshalb als wichtiger Hinweis auf die Wirksamkeit eines Früherkennungsverfahrens.

Die Ergebnisse der TOSYMA-Studie zeigen einen möglichen Vorteil der digitalen Brust-Tomosynthese. Innerhalb von zwei Jahren nach der Untersuchung wurden in dieser Gruppe 14,2 invasive Intervallkarzinome je 10.000 Frauen festgestellt. Bei der herkömmlichen Mammografie waren es 18,6 Fälle. Rechnerisch entspricht das einem Rückgang um rund 24 Prozent. Allerdings war dieser Unterschied statistisch nicht signifikant. Deutlicher fiel das Ergebnis im ersten Jahr nach dem Screening aus: Hier wurden nach einer Tomosynthese 4,5 Erkrankungen je 10.000 Frauen festgestellt, nach einer Mammografie 6,3. Der Unterschied von 29 Prozent war statistisch signifikant.

Wie die Tomosynthese mehr Brustkrebsfälle sichtbar macht

Anders als bei der herkömmlichen Mammografie wird die Brust bei der digitalen Tomosynthese aus mehreren Winkeln mit niedrig dosierter Röntgenstrahlung aufgenommen. Aus den Einzelbildern entstehen anschließend dünne Schichtaufnahmen, die einen genaueren Blick auf das Brustgewebe ermöglichen. Dadurch können Auffälligkeiten sichtbar werden, die bei einer gewöhnlichen zweidimensionalen Aufnahme möglicherweise durch überlagerndes Gewebe verdeckt bleiben.

Anzeige

Dass die Technik mehr Tumoren entdeckt, hatte bereits die erste Auswertung der TOSYMA-Studie im Jahr 2022 gezeigt. Damals wurden mit der Tomosynthese 7,1 invasive Brustkrebserkrankungen je 1.000 untersuchte Frauen nachgewiesen, gegenüber 4,8 bei der herkömmlichen Mammografie. Die jetzt veröffentlichte Nachbeobachtung liefert zusätzliche Erkenntnisse: Von allen invasiven Tumoren, die innerhalb von zwei Jahren diagnostiziert wurden, waren in der Tomosynthese-Gruppe bereits 83,5 Prozent bei der Screening-Untersuchung erkannt worden. In der Mammografie-Gruppe lag dieser Anteil bei 72,3 Prozent. Zudem waren die später festgestellten Intervallkarzinome nach einer Tomosynthese seltener lokal fortgeschritten und hatten seltener die Lymphknoten in der Achselhöhle befallen.

Grundlage der Untersuchung waren knapp 100.000 Frauen im Alter von 50 bis 70 Jahren, die zwischen 2018 und 2020 an 17 Screening-Standorten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen teilnahmen. Sie wurden nach dem Zufallsprinzip einer der beiden Untersuchungsmethoden zugeteilt. Die Forschenden verglichen anschließend die Ergebnisse mit den Daten der Krebsregister beider Bundesländer. Die Studie fand innerhalb des regulären Mammografie-Screening-Programms und damit unter weitgehend alltäglichen Versorgungsbedingungen statt.

Was die Ergebnisse aus Münster für die Brustkrebs-Früherkennung bedeuten

Trotz der höheren Entdeckungsrate bleibt offen, wie groß der langfristige medizinische Nutzen der Tomosynthese tatsächlich ist. Die Forschenden hatten ursprünglich rund 20.000 Teilnehmerinnen mehr eingeplant. Als einen möglichen Grund für die geringere Beteiligung nennen sie die Corona-Pandemie. Die kleinere Studiengruppe könnte dazu beigetragen haben, dass sich der Unterschied bei den Intervallkarzinomen über zwei Jahre statistisch nicht eindeutig nachweisen ließ. Außerdem bedeutet die frühere Entdeckung eines Tumors nicht zwangsläufig, dass dadurch auch schwere Krankheitsverläufe oder Todesfälle verhindert werden.

Das Forschungsteam um Stefanie Weigel und Studienleiter Walter Heindel von der Universität Münster will deshalb weitere Daten auswerten. Im nächsten Schritt soll untersucht werden, welche Krebserkrankungen bei der darauffolgenden regulären Screening-Runde entdeckt wurden. Dabei steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, ob die Tomosynthese die Zahl fortgeschrittener Tumorstadien stärker reduzieren kann als die herkömmliche Mammografie. Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Studie liefert damit wichtige wissenschaftliche Grundlagen für die künftige Bewertung der Methode im Brustkrebs-Screening.

Mit MS-Aktuell immer ohne Paywall lesen
Bei Google bevorzugen

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu