Preissturz bei Milchprodukten: Bauern aus Westfalen-Lippe kündigen Proteste an

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Westfalen-Lippe. Die Preise für Milchprodukte sind in den vergangenen Wochen deutlich gefallen. In vielen Discountern und Supermärkten kostet ein Paket Butter inzwischen weniger als einen Euro. Auch der Auszahlungspreis für Rohmilch ist gesunken – von gut 50 Cent auf aktuell rund 45 Cent pro Liter, mit weiter fallender Tendenz.

Für zahlreiche Milchviehbetriebe bedeutet diese Entwicklung eine erneute Belastung, da die Produktionskosten deutlich höher liegen. Besonders kleinere Familienbetriebe geraten bei Preisen unter 50 Cent pro Liter wirtschaftlich schnell an ihre Grenzen.

Bauernverband schlägt Alarm und kündigt Proteste an

Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) warnt vor den Folgen der aktuellen Preissenkungen. Nach Einschätzung des Verbands gefährdet das anhaltende Preisdumping die Stabilität vieler Betriebe. In dieser Woche wollen Landwirte aus der Region deshalb demonstrieren.

Aus Sicht der Landwirtschaft trifft der Preisrutsch auf einen ungünstigen Zeitpunkt. Nach der Blauzungenkrankheit hatten viele Höfe ihre Herden erst im vergangenen Jahr wieder aufgebaut. Durch den zeitgleichen Neustart befinden sich saisonuntypisch viele Kühe in einer Phase hoher Milchleistung, was das Rohmilchangebot weiter erhöht.

Hohe Angebotsmengen verstärken den Preisverfall

Neben dem Neustart der Herden wirken typische Marktfaktoren auf den Milchpreis ein. Weltweit werden größere Mengen produziert, während die Nachfrage leicht schwankt. Milchpreise reagieren stark auf Überangebot, da die Verarbeitungsbetriebe kurzfristig keine unbegrenzten Lagerkapazitäten bereitstellen können.

Saisonale Effekte verstärken die Lage: Normalerweise steigt die Milchleistung im Frühjahr. In diesem Jahr wurde der Produktionspeak jedoch verschoben, sodass die Mengen im Herbst ungewöhnlich hoch sind.

Handelsketten geben Preisrückgänge an Kundinnen und Kunden weiter

Der Lebensmitteleinzelhandel reagiert unmittelbar auf die niedrigeren Rohstoffkosten. Lidl hat bereits angekündigt, reduzierte Preise für Milchprodukte weiterzugeben. Auch andere Handelsketten wie Edeka, Netto, Rewe, Penny sowie Aldi Nord und Aldi Süd planen entsprechende Schritte.

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Diese Preissenkungen erhöhen allerdings den Druck auf Molkereien und landwirtschaftliche Betriebe. Deutschland zählt zu den europäischen Ländern mit den niedrigsten Lebensmittelpreisen – angetrieben von starkem Wettbewerb zwischen den Handelsgruppen. Rabattaktionen wie besonders günstige Butterangebote dienen häufig als Aufmerksamkeitstreiber für Kunden.

Schwierige Ausgangslage für Vertragsverhandlungen

Besonders problematisch: Die Branche befindet sich mitten in den Verhandlungen über neue Lieferverträge zwischen Molkereien und dem Einzelhandel. Wenn die aktuellen Niedrigpreise als Grundlage genutzt werden, müssten Betriebe mindestens ein halbes Jahr lang mit geringeren Erlösen rechnen.

Molkereien sehen sich gezwungen, niedrige Konditionen zu akzeptieren, um ihre Produkte weiterhin in großen Handelsketten platzieren zu können. Für die Bauern bedeutet das sinkende Auszahlungspreise – bei gleichzeitig hohen Kosten für Futter, Energie und Arbeitskräfte.

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