Rekordbeteiligung, historische Tiefs und ein Rechtsruck: NRW hat gewählt

NRW-Kommunalwahl 2025: CDU bleibt stärkste Kraft, SPD verliert, AfD legt erwartungsgemäß deutlich zu. Höchste Wahlbeteiligung seit 1994.
Olaf Kosinsky, CC BY-SA 3.0 DE , via Wikimedia Commons

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Die NRW-Kommunalwahl 2025 am 14. September hat die politische Landschaft deutlich verschoben. Rund 13,7 Millionen Menschen waren wahlberechtigt, das Mindestalter lag erneut bei 16 Jahren. Mit einer Wahlbeteiligung von 56,8 Prozent erreichte NRW den höchsten Wert seit 1994 – ein klares Signal für das gestiegene Interesse an kommunaler Politik. Die Ergebnisse selbst waren von historischen Tiefständen der Volksparteien geprägt und zeigten zugleich die erwartete Stärkung der AfD.

CDU und SPD schwach wie nie

Laut Hochrechnung von Infratest Dimap (23:30 Uhr) kam die CDU auf 33,3 Prozent (–1,0) und bleibt damit zwar stärkste Kraft, erzielte aber ihr schlechtestes Kommunalergebnis seit 1946. Die SPD landete bei 22,1 Prozent (–2,2) – ebenfalls ein historisches Tief. Beide Parteien liegen dennoch über ihren aktuellen bundesweiten Umfragewerten.

Seit 1999 hat die CDU bei jeder NRW-Kommunalwahl den Spitzenplatz verteidigt, doch der Trend zeigt klar nach unten. Für die SPD bedeutet das Ergebnis eine weitere Niederlage, die besonders im Ruhrgebiet schmerzt, wo sie ihre einstigen Hochburgen immer stärker verliert.

Grüne im Sinkflug

Die Grünen verzeichneten mit 13,5 Prozent (–6,5) deutliche Verluste. Nach Jahren der Zugewinne bei Bundestags- und Landtagswahlen wurde die Kommunalwahl 2025 zum Einschnitt. In vielen Städten reicht es nicht mehr für Spitzenplätze, auch wenn sie in einzelnen Großstädten wie Köln oder Münster weiter stark sind.

AfD legt deutlich zu

Die AfD erreichte 14,5 Prozent (+9,4) und damit ihren bislang besten landesweiten Wert bei einer NRW-Kommunalwahl. Schon im Vorfeld war mit einem zweistelligen Ergebnis gerechnet worden, angesichts bundesweiter Trends und starker Ergebnisse bei Europawahl und Bundestagswahl. Das Ergebnis markiert deshalb keine Überraschung, sondern die konsequente Fortsetzung eines bereits sichtbaren Aufwärtstrends. Besonders in Teilen des Ruhrgebiets und in ländlichen Regionen gewann die Partei hinzu.

Linke und FDP mit gegensätzlichen Ergebnissen

Die Linke verbesserte sich leicht auf 5,6 Prozent (+1,8) und sprach von einem „ungestoppten Aufschwung“. Die FDP fiel dagegen mit 3,7 Prozent (–1,9) auf einen ihrer schwächsten Werte zurück. Parteichef Henning Höne sprach offen von einer „schweren Niederlage“.

Politische Einordnung und Reaktionen

Für die CDU sprach Ministerpräsident Hendrik Wüst von einem „tollen Erfolg“, verwies aber gleichzeitig auf die Sorge wegen des hohen AfD-Anteils. SPD-Vertreter wie Achim Post und Bärbel Bas erklärten, der Abwärtstrend sei nicht gestoppt, ein Desaster sehe man jedoch nicht. Felix Banaszak (Grüne) betonte die Verschiebungen im politischen Gefüge und verwies auf Chancen in den Stichwahlen. AfD-Landeschef Martin Vincentz bezeichnete seine Partei als klare Gewinnerin der Wahl.

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Stichwahlen in vielen Großstädten

Am 28. September 2025 kommt es in NRW zu 147 Stichwahlen, mehr als 2020 (128). Fast alle Großstädte sind betroffen – darunter Aachen, Bonn, Bielefeld, Dortmund, Düsseldorf, Köln und Münster. In Gelsenkirchen etwa treten SPD und AfD im zweiten Wahlgang gegeneinander an.

Manche SPD-Amtsinhaber konnten schon im ersten Wahlgang bestehen, darunter Marc Herter in Hamm und der Oberbürgermeister in Herne. Insgesamt wurden etwa 20.000 kommunale Ämter und Mandate neu vergeben – darunter Stadträte, Kreistage, Bürgermeister, Landräte, das Ruhrparlament und viele Integrationsräte.

Besonderheit: Keine Sperrklausel bei Räten

Wie schon 2020 gibt es bei Stadtrats- und Kreistagswahlen in NRW keine 5-Prozent-Hürde. Das ermöglicht auch kleinen Listen oder Einzelbewerbern Mandate – und sorgt für eine breite Zersplitterung in vielen Kommunalparlamenten.

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