Niedrige Pegel setzen Flüssen zu: BUND warnt vor Schäden an Ökosystemen

Unbekannte schwarze Flüssigkeit in Haltern und Dorsten entdeckt. Untersuchungen laufen, um die Gefährlichkeit der Substanz festzustellen. Behörden warnen vor Kontakt.
Foto: wal_172619

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Das aktuelle Niedrigwasser Deutschland hat nach Einschätzung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland nicht nur Folgen für Schifffahrt und Wirtschaft. Der Umweltverband warnt auch vor zunehmenden Belastungen für Flüsse, Fische, Pflanzen und Auen. Sinkende Wasserstände könnten zu höheren Wassertemperaturen, weniger Sauerstoff und einer stärkeren Konzentration von Schadstoffen führen. Der BUND spricht sich deshalb gegen weitere Fahrrinnenvertiefungen aus und fordert stattdessen mehr Renaturierung und Wasserrückhalt in der Landschaft.

Niedrigwasser Flüsse Deutschland: Lebensräume fallen trocken

Besonders empfindlich reagieren nach Darstellung des BUND flache Uferbereiche, Kiesbänke und kleinere Seitenarme auf niedrige Wasserstände. Diese Bereiche dienen zahlreichen Fischarten und anderen Wasserlebewesen als Laichplätze, Rückzugsräume und Gebiete für die Aufzucht des Nachwuchses. Trocknen sie aus oder verlieren den Anschluss an den Hauptstrom, gehen wichtige Lebensräume zumindest vorübergehend verloren.

Auch Wanderwege von Fischen könnten durch stark sinkende Pegel unterbrochen werden. Gleichzeitig konzentrieren sich Tiere in den verbleibenden Wasserflächen auf engerem Raum. Der BUND warnt vor Niedrigwasser, weil häufige und lang anhaltende Trockenphasen die Veränderungen innerhalb der Flussökosysteme zusätzlich verstärken könnten.

Weniger Sauerstoff und höhere Temperaturen belasten Fische

Ein weiteres Problem ist die Verbindung von niedrigem Wasserstand und hohen Temperaturen. Erwärmt sich das verbliebene Wasser stärker, steht Wasserlebewesen weniger Sauerstoff zur Verfügung. In nährstoffreichen Gewässern können sich zudem Algen stärker vermehren. Solche Algenblüten können den Sauerstoffgehalt weiter reduzieren und damit insbesondere Fische, Muscheln und Kleinlebewesen belasten.

Bei weniger Wasser können sich außerdem Schadstoffe stärker konzentrieren, weil für ihre Verdünnung ein geringeres Wasservolumen vorhanden ist. Der BUND sieht darin eine Belastung, die sich durch das gesamte Nahrungsnetz ziehen kann. Sterben beispielsweise Insektenlarven, Muscheln oder Fische, fehlen sie wiederum größeren Fischen oder Wasservögeln als Nahrungsgrundlage.

Flussökosysteme unter Druck: Auch Auen betroffen

Die Folgen von Niedrigwasser reichen nach Einschätzung des Umweltverbandes über das eigentliche Flussbett hinaus. Sinkende Wasserstände können dazu führen, dass Wurzeln von Pflanzen in Uferbereichen das Wasser nicht mehr erreichen. Wasserpflanzen wiederum sind sowohl von Austrocknung als auch von steigenden Temperaturen betroffen.

Besonders im Blick hat der BUND die selten gewordenen Auenlandschaften. Am Rhein könnten beispielsweise flache Altarme bei anhaltendem Niedrigwasser austrocknen oder vom Hauptstrom getrennt werden. Damit verlieren sie ihre Funktion als Rückzugs-, Fortpflanzungs- und Nahrungsräume. Auch Tierarten, die im Wasser jagen oder an schlammigen Ufern Nahrung suchen, können dadurch Teile ihres Lebensraums verlieren.

Fahrrinnenvertiefung bei Niedrigwasser stößt auf Kritik

Kritisch bewertet der Verband Forderungen nach einer weiteren Vertiefung von Fahrrinnen für die Binnenschifffahrt. Damit solle das vorhandene Wasser nach Darstellung des BUND stärker in tieferen Bereichen konzentriert werden, damit auch schwer beladene Schiffe bestimmte Strecken weiterhin passieren können. Der Verband befürchtet jedoch zusätzliche ökologische Folgen für Flüsse und angrenzende Landschaften.

BUND-Vorsitzender Olaf Bandt warnt, dass dadurch der Umgebung weiteres Wasser entzogen werden könnte. Davon könnten seiner Einschätzung nach neben den Flussökosystemen auch Landwirtschaft, Forstwirtschaft und langfristig die Trinkwassergewinnung betroffen sein. Der Verband fordert deshalb, die Schifffahrt stärker an die tatsächlich vorhandenen Wassermengen anzupassen.

BUND fordert Renaturierung und mehr Wasserrückhalt

Statt weiterer Vertiefungen setzt der BUND auf eine stärkere Renaturierung von Flüssen und Auen. Wasser solle länger in Landschaft und Böden gehalten werden, anstatt möglichst schnell abzufließen. Naturnahe Auen können bei ausreichender Verbindung zum Fluss Wasser aufnehmen und damit sowohl für Ökosysteme als auch für den Landschaftswasserhaushalt eine wichtige Rolle spielen.

Das Niedrigwasser Deutschland wird damit aus Sicht des Umweltverbandes zu einem Problem, das weit über Behinderungen der Binnenschifffahrt hinausgeht. Der BUND fordert, ökologische Folgen bei politischen Entscheidungen stärker zu berücksichtigen und Flüsse nicht allein unter dem Gesichtspunkt ihrer Funktion als Verkehrswege zu betrachten.

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