Neues Zinsangebot von Scalable Capital verändert Wettbewerb im deutschen Bankenmarkt

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Die Scalable Capital Zinsen sorgen derzeit für Aufmerksamkeit im Markt der Online-Broker und Neobanken. Das Unternehmen aus München hat ein neues Tagesgeldangebot eingeführt, das mit 2,5 Prozent Verzinsung über dem Niveau vieler Wettbewerber liegt. Damit rückt die Neobank im Wettbewerb um Einlagen vorübergehend an die Spitze der Tagesgeldangebote in Deutschland.

Nach übereinstimmenden Medienberichten gilt der Zinssatz sowohl für bestehende als auch für neue Kunden. Die Verzinsung soll auf einem eigens eingerichteten Tagesgeldkonto erfolgen. Anders als bei vielen Aktionen im Bankenmarkt handelt es sich nicht um ein zeitlich begrenztes Einführungsangebot, sondern um eine variable Verzinsung ohne feste Laufzeit.

Die Höhe der Zinsen kann sich jedoch verändern. Hintergrund ist die Entwicklung der Geld- und Kapitalmärkte sowie die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank. Verändert sich der Einlagenzins der EZB oder die Situation am Interbankenmarkt, kann auch die Verzinsung des Tagesgeldkontos angepasst werden.

Mit dem neuen Angebot reagiert das Unternehmen offenbar auf den intensiven Wettbewerb zwischen digitalen Banken. In den vergangenen Jahren hatten vor allem Neobanken mit vergleichsweise hohen Tagesgeldzinsen versucht, neue Kunden und zusätzliche Einlagen zu gewinnen. Der Markt für Online-Broker und digitale Finanzangebote hat sich dadurch deutlich dynamischer entwickelt als der klassische Bankenmarkt.

Konkurrenz durch Trade Republic prägt den Markt für Neobanken

Im Wettbewerb der digitalen Banken gilt der Anbieter Trade Republic seit mehreren Jahren als wichtiger Maßstab. Bereits Anfang 2023 hatte das Berliner Unternehmen mit einem Zinssatz von zwei Prozent auf Guthaben für Aufmerksamkeit gesorgt.

Das Angebot orientierte sich am Einlagenzins der Europäischen Zentralbank, den Banken für bei der Zentralbank hinterlegte Gelder erhalten. Dieses Modell sorgte dafür, dass viele Kunden größere Geldbeträge auf ihre Konten bei der Neobank übertrugen. In der Folge wuchsen die Einlagen deutlich an und erreichten nach Unternehmensangaben zweistellige Milliardenbeträge.

Seitdem beobachten viele Banken die Entwicklung der Trade Republic Zinsen genau. Angebote für Tagesgeld oder verzinste Verrechnungskonten wurden in der Branche häufig an diesem Modell ausgerichtet.

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Scalable Capital bot seinen Kunden bisher ebenfalls eine Verzinsung auf Guthaben an, allerdings teilweise mit Begrenzungen bei der Höhe des angelegten Betrags. Mit dem neuen Angebot versucht das Unternehmen offenbar, weitere Einlagen anzuziehen und seine Position im Wettbewerb der Online-Broker auszubauen.

Während Trade Republic ein integriertes Konto für Wertpapierhandel, Verzinsung und weitere Bankfunktionen nutzt, setzt Scalable Capital nun stärker auf eine Trennung zwischen Tagesgeldkonto und Verrechnungskonto. Transfers zwischen beiden Konten sollen laut Unternehmen jederzeit möglich sein.

Neue Banklizenz erweitert Angebot von Scalable Capital

Ein wichtiger Schritt für den Ausbau des Geschäfts war die Vollbanklizenz, die das Unternehmen im vergangenen Jahr erhalten hat. Damit kann Scalable Capital seine Bankangebote stärker selbst steuern und zusätzliche Finanzprodukte entwickeln.

Neben Wertpapierhandel und Tagesgeldangeboten bietet das Unternehmen inzwischen auch Kredite an. Diese können mit Wertpapieren aus dem Depot besichert werden. Der aktuell genannte variable Zinssatz liegt laut Medienberichten bei etwas über drei Prozent.

Mit der Banklizenz erweitert Scalable Capital seine Rolle vom reinen Broker zu einer umfassenderen digitalen Bank. Der Ausbau des Angebots soll langfristig neue Einnahmequellen schaffen und gleichzeitig mehr Kunden an die Plattform binden.

Parallel versucht das Unternehmen, weitere Zielgruppen anzusprechen. Seit einiger Zeit sind auch Depots für Kinder möglich. Eltern können diese Konten über ihre eigene App verwalten und dort auch Spar- oder Anlageprodukte für den Nachwuchs einrichten.

Umfragen eines Marktforschungsinstituts zeigen laut Medienberichten, dass viele Eltern weiterhin klassische Sparkonten für ihre Kinder nutzen. Digitale Anlageangebote könnten in diesem Bereich künftig stärker an Bedeutung gewinnen.

Einlagensicherung und Geldmarktfonds spielen wichtige Rolle

Die Struktur der Einlagensicherung bei Scalable Capital ähnelt in Teilen der anderer digitaler Banken. Kundengelder werden nicht vollständig bei einer einzigen Bank verwahrt. Ein Teil liegt direkt bei der Bank, weitere Beträge werden bei Partnerinstituten gehalten.

Zu diesen Partnerbanken gehören unter anderem große deutsche und europäische Kreditinstitute. Für jede Bank gilt die gesetzliche Einlagensicherung von bis zu 100.000 Euro pro Kunde. Durch die Verteilung auf mehrere Banken kann sich der abgesicherte Gesamtbetrag erhöhen.

Ein Teil der Kundengelder wird zudem in Geldmarktfonds investiert. Diese Fonds gelten im Finanzmarkt als vergleichsweise risikoarme Anlageform. Sie investieren in kurzfristige Anleihen oder Geldmarktinstrumente.

Im Gegensatz zu klassischen Bankeinlagen greifen hier nicht die gesetzlichen Sicherungssysteme der Banken. Stattdessen gelten europäische Regelungen für Investmentfonds. Diese sehen vor, dass das Fondsvermögen getrennt vom Vermögen der Verwaltungsgesellschaft geführt wird und damit im Insolvenzfall geschützt bleibt.

Geldmarktfonds haben in den vergangenen Jahren wieder an Bedeutung gewonnen. Mit der Rückkehr höherer Zinsen nutzen viele Finanzinstitute diese Instrumente, um Kunden eine Verzinsung auf Guthaben anbieten zu können.

Wachstum digitaler Broker verändert Finanzmarkt

Scalable Capital gehört inzwischen zu den größeren digitalen Finanzanbietern in Europa. Das Unternehmen wurde 2014 gegründet und beschäftigt mehrere hundert Mitarbeiter an verschiedenen Standorten in Europa.

Nach Unternehmensangaben nutzen mehr als eine Million Kunden die Plattform, auf der ein Vermögen von mehreren Dutzend Milliarden Euro verwaltet wird.

Der Konkurrent Trade Republic ist noch deutlich größer. Das Berliner Unternehmen hat mehr als zehn Millionen Kunden und verwaltet nach eigenen Angaben ein Anlagevolumen im dreistelligen Milliardenbereich.

Digitale Broker spielen auch im Wertpapierhandel eine zunehmende Rolle. Monatlich werden über diese Plattformen Millionen ETF-Sparpläne ausgeführt. Diese hohe Zahl an Kundenorders war bisher eine wichtige Einnahmequelle für viele Anbieter.

Eine europäische Regulierung könnte dieses Geschäftsmodell jedoch verändern. Die Praxis, für die Weiterleitung von Kundenaufträgen Zahlungen von Handelsplätzen zu erhalten, soll künftig eingeschränkt werden.

Wie die Unternehmen ihre Geschäftsmodelle in Zukunft anpassen, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen. Klar ist jedoch, dass der Wettbewerb um Kunden und Einlagen im Markt der Neobanken weiter an Intensität gewinnen dürfte.

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