
Die AfD muss in zwei neuen Erhebungen leichte Verluste hinnehmen. Bei YouGov fällt sie gegenüber dem Vormonat um zwei Punkte, im INSA-Sonntagstrend um einen Punkt. Ein breiter Absturz lässt sich daraus jedoch nicht ableiten: Forsa misst seit Wochen stabile Werte, andere Institute sahen die Partei zuletzt sogar auf Rekordniveau.
In der jüngsten YouGov-Sonntagsfrage kommt die AfD auf 27 Prozent. Im Juni waren es noch 29 Prozent. Die Union bleibt unverändert bei 20 Prozent, Grüne und SPD erreichen 14 beziehungsweise 12 Prozent, die Linke ebenfalls 12 Prozent. Befragt wurden vom 10. bis 13. Juli 2.230 Menschen; für die Sonntagsfrage wurden 1.827 Wahlabsichten ausgewertet.
Damit wird die jüngste Aufwärtsserie vorerst unterbrochen. Im Mai hatte YouGov 28 Prozent gemessen, im Juni 29 Prozent. Die Veränderung um zwei Punkte liegt allerdings in einer Größenordnung, die angesichts der statistischen Unsicherheit vorsichtig bewertet werden muss. Zudem profitiert die Union nicht vom Rückgang.
Auch der INSA-Sonntagstrend für die Bild am Sonntag zeigt ein Minus. Die AfD erreicht 28 Prozent und verliert einen Punkt, während CDU und CSU auf 22 Prozent zulegen. Der Abstand zwischen beiden Lagern schrumpft damit auf sechs Punkte. In der am 14. Juli veröffentlichten regulären INSA-Erhebung sinkt die AfD zudem leicht von 29 auf 28,5 Prozent.
Forsa zeichnet ein weniger dynamisches Bild. In der Erhebung vom 7. bis 13. Juli bleibt die AfD bei 26 Prozent, die Union bei 22 Prozent. Seit Ende Juni bewegt sich die AfD bei Forsa unverändert auf diesem Niveau. Gegenüber Mitte Mai, als sie 28 Prozent erreichte, ist dennoch ein moderater Rückgang erkennbar.
Für einen institutsübergreifenden Sinkflug fehlen bislang die Belege. Allensbach hat im Juli noch keine neue Sonntagsfrage veröffentlicht. In der jüngsten Messung mit Befragungszeitraum vom 5. bis 17. Juni lag die AfD bei 28 Prozent – nach 26 Prozent Ende April und 23 Prozent Anfang März.
Auch das ZDF-Politbarometer vom 19. Juni wies die AfD mit 28 Prozent und einem Plus von einem Punkt aus. Der ARD-DeutschlandTrend vom 2. Juli sah sie bei 27 Prozent, Ipsos Anfang Juli bei 28 Prozent und damit auf einem Höchstwert des Instituts. Das Gesamtbild lautet deshalb eher: kleine Korrektur bei einzelnen Instituten, aber weiterhin ein sehr hohes Niveau.
Als Erklärung für das YouGov-Minus taugt ein Erfolg der Bundesregierung nur eingeschränkt. Zwar hält eine Mehrheit tiefgreifende Reformen für notwendig. Das Anfang Juli vorgestellte Paket der schwarz-roten Koalition findet bei YouGov aber nur bei 13 Prozent uneingeschränkte Zustimmung; 45 Prozent halten den eingeschlagenen Weg für falsch. Die Union bleibt gleichzeitig bei 20 Prozent.
Auch die persönlichen Werte von Bundeskanzler Friedrich Merz sind schwach. In der aktuellen Forsa-Erhebung sind 14 Prozent mit seiner Arbeit zufrieden, 85 Prozent unzufrieden. Mit der Bundesregierung zeigen sich 18 Prozent zufrieden. Der Infratest-dimap-Wahlforscher Stefan Merz führt die Stärke der AfD vor allem auf Enttäuschung über langsame Reformen, die wirtschaftliche Lage und fehlendes Vertrauen in die Regierung zurück.
Die AfD-Führung tritt trotz der jüngsten Verluste offensiv auf. Beim Bundesparteitag Anfang Juli formulierten Alice Weidel und Tino Chrupalla erneut das Ziel, nach der Bundestagswahl 2029 Regierungsverantwortung zu übernehmen. CSU-Chef Markus Söder setzt dagegen auf politische Problemlösungen und Regierungserfolge. Ein Teilverbotsverfahren lehnt er ab, weil es die AfD aus seiner Sicht zusätzlich stärken könnte.
Skandale und interne Konflikte können das Erscheinungsbild der Partei belasten. Ein direkter Zusammenhang mit dem aktuellen Rückgang ist jedoch nicht nachweisbar. Jüngst griff die Bundesspitze wegen heftiger Streitigkeiten bei der Aufstellung der nordrhein-westfälischen AfD-Landesliste ein. Ob solche Vorgänge die Wahlabsicht beeinflusst haben, lässt sich aus den Erhebungen nicht ablesen. Die belastbare Einordnung lautet daher: Die AfD verliert in einzelnen aktuellen Umfragen, von einem dauerhaften Sinkflug kann Mitte Juli 2026 noch nicht gesprochen werden.
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