Krebs-Spitzenmedizin: Warum Münster weiter zum deutschen Elite-Netzwerk gehört

Krebs-Spitzenmedizin: Warum Münster weiter zum deutschen Elite-Netzwerk gehört
Dietmar Rabich / Wikimedia Commons / “Münster, Universitätsklinikum -- 2014 -- 8358” / CC BY-SA 4.0
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Münster bleibt Teil eines der wichtigsten Netzwerke der deutschen Krebsmedizin. Während die Deutsche Krebshilfe aktuell 35,4 Millionen Euro für die Weiterförderung mehrerer Onkologischer Spitzenzentren bereitstellt, gehört das Westdeutsche Tumorzentrum Essen/Münster bereits seit Jahren zu diesem bundesweiten Verbund. Die aktuelle Förderrunde betrifft Münster zwar nicht direkt, weil das WTZ Essen/Münster seine vierjährige Weiterförderung bereits 2024 erhalten hat. Damals sagte die Deutsche Krebshilfe dem Verbund 4,8 Millionen Euro zu.

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Damit bleibt das Universitätsklinikum Münster Teil der sogenannten Comprehensive Cancer Center, kurz CCC. Sie sollen besonders komplexe Krebsbehandlungen, Forschung und neue Therapieverfahren miteinander verbinden. Für Patientinnen und Patienten in Münster und der Region bedeutet das vor allem, dass spezialisierte Fachrichtungen eng zusammenarbeiten und neue wissenschaftliche Erkenntnisse möglichst schnell in die Behandlung einfließen sollen.

WTZ Essen/Münster behandelt rund 40.000 Krebspatienten pro Jahr

Das Westdeutsche Tumorzentrum verbindet die Universitätsmedizin Essen und das Universitätsklinikum Münster zu einem gemeinsamen onkologischen Spitzenzentrum. Nach Angaben des UKM werden an beiden Standorten zusammen rund 40.000 Krebspatientinnen und Krebspatienten pro Jahr behandelt. Insgesamt sind etwa 130 Kliniken, Abteilungen und Institute in die Versorgung eingebunden. Das Versorgungsgebiet reicht über Westfalen und das Ruhrgebiet hinaus bis in angrenzende Regionen Niedersachsens und der Niederlande. Damit gehört der Verbund zu den großen Krebszentren in Deutschland.

Die Zusammenarbeit zwischen Essen und Münster besteht seit 2019. Entscheidend ist dabei nicht nur die Behandlung selbst, sondern auch die enge Verbindung mit Forschung und klinischen Studien. Neue Diagnose- und Therapieverfahren sollen dadurch schneller für Patientinnen und Patienten verfügbar werden. Die Deutsche Krebshilfe überprüft die geförderten Spitzenzentren regelmäßig durch internationale Fachgremien. Nach vier Jahren müssen sich die Einrichtungen erneut bewerben und nachweisen, dass sie die Anforderungen an Versorgung, Forschung und Vernetzung weiterhin erfüllen.

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Mehr als 11.000 Fälle in Münsteraner Tumorboards beraten

Eine zentrale Rolle im WTZ Münster spielen die sogenannten Tumorboards. Dabei beraten Ärztinnen und Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen gemeinsam über einzelne Krebsfälle und legen Behandlungsstrategien fest. Laut Qualitätsbericht des WTZ Münster wurden 2024 insgesamt 11.031 Fälle in solchen interdisziplinären Tumorkonferenzen vorgestellt. Besonders viele Beratungen gab es unter anderem beim Prostatakrebs, im Brustzentrum und in der Neuroonkologie. Hinzu kommt ein molekulares Tumorboard, bei dem genetische und molekulare Eigenschaften von Tumoren für mögliche Therapieentscheidungen berücksichtigt werden.

Diese Struktur soll verhindern, dass komplexe Erkrankungen ausschließlich aus der Perspektive einer einzelnen Fachrichtung beurteilt werden. Stattdessen fließen beispielsweise Onkologie, Chirurgie, Strahlentherapie, Radiologie, Pathologie und weitere Disziplinen in die Entscheidungen ein. Gerade für seltene oder fortgeschrittene Erkrankungen können solche spezialisierten Konferenzen eine wichtige Rolle spielen. Das WTZ Münster ist zudem nach den Kriterien der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert und bündelt zahlreiche spezialisierte Organkrebszentren unter einem gemeinsamen Dach.

Warum Münster bei den aktuellen 35,4 Millionen nicht genannt wird

Die neue Mitteilung der Deutschen Krebshilfe nennt sieben CCCs beziehungsweise CCC-Verbünde, die für weitere vier Jahre insgesamt 35,4 Millionen Euro erhalten. Dazu gehören unter anderem Aachen/Bonn/Köln/Düsseldorf, Dresden, München und das neu erweiterte CCC Nord mit Hamburg, Kiel und Lübeck. Münster taucht in dieser aktuellen Liste nicht auf. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Standort aus dem Spitzenprogramm herausfällt. Die Förderentscheidungen erfolgen zeitversetzt, weil die einzelnen Zentren unterschiedliche Förderperioden haben.

Für das WTZ Essen/Münster fiel die entsprechende Entscheidung bereits 2024. Damals bestätigte die Deutsche Krebshilfe den Verbund nach einer erneuten Begutachtung und stellte 4,8 Millionen Euro für weitere vier Jahre bereit. Münster ist deshalb weiterhin eines von derzeit 29 universitären Standorten innerhalb des bundesweiten CCC-Netzwerks. Die Deutsche Krebshilfe fördert aktuell insgesamt 14 Spitzenzentren, darunter zehn größere Konsortien. Seit dem Start des Programms im Jahr 2007 wurden dafür nach Angaben der Organisation rund 250 Millionen Euro aus Spendengeldern eingesetzt.

Spitzenzentren sollen Wissen auch in die Region bringen

Die Comprehensive Cancer Center sollen nicht nur Patientinnen und Patienten behandeln, die direkt an einer Universitätsklinik versorgt werden. Ein Ziel der Deutschen Krebshilfe ist es, die Erfahrungen und wissenschaftlichen Erkenntnisse der Spitzenzentren auch für regionale Krankenhäuser und niedergelassene Ärztinnen und Ärzte nutzbar zu machen. Dafür werden CCCs mit weiteren Kliniken und Praxen vernetzt. Programme wie ONCOnnect sollen dazu beitragen, neue Erkenntnisse schneller auch in die wohnortnahe Versorgung zu übertragen.

Für Münster bedeutet die Zugehörigkeit zum Netzwerk deshalb mehr als einen Status als Universitätsstandort. Das WTZ soll zugleich eine Schnittstelle zwischen Spitzenmedizin, Forschung und regionaler Versorgung bilden. Hinzu kommen neue bundesweite Projekte, etwa der Aufbau eines strukturierten Zweitmeinungsangebots für Krebspatientinnen und Krebspatienten. Damit entwickeln sich die CCCs zunehmend auch zu Plattformen, die Versorgung über den eigenen Klinikstandort hinaus prägen sollen.

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