Drei wichtige Studien an einem Tag: AstraZenecas Pipeline zeigt Licht und Schatten

Ein Schild zeigt Warnung
Symbolbild mit KI erstellt

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AstraZeneca hat am Montag mehrere wichtige Ergebnisse aus seinem Entwicklungsprogramm für Lungenkrebs vorgelegt. Die Bilanz fällt gemischt aus. Zwei Phase-III-Studien erreichten wesentliche Studienziele und könnten den Einsatz bereits bekannter Krebsmedikamente auf neue Patientengruppen oder frühere Behandlungslinien ausweiten. Gleichzeitig beendet der britisch-schwedische Pharmakonzern eine Phase-III-Studie mit dem experimentellen Antikörper Volrustomig, nachdem eine unabhängige Überwachungskommission zu dem Ergebnis gekommen war, dass die Untersuchung ihre wichtigsten Wirksamkeitsziele voraussichtlich nicht erreichen würde. Die AstraZeneca Studienergebnisse August 2026 zeigen damit, wie unterschiedlich sich einzelne Projekte innerhalb einer breit aufgestellten Medikamentenpipeline entwickeln können.

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Tagrisso und Orpathys erreichen zwei zentrale Studienziele

Besonders weitreichend sind die Ergebnisse der Phase-III-Studie SAFFRON. Untersucht wurde eine Kombination aus Tagrisso mit dem Wirkstoff Osimertinib und Orpathys mit dem Wirkstoff Savolitinib. Behandelt wurden Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem nicht kleinzelligem Lungenkrebs, kurz NSCLC, deren Tumoren eine EGFR-Mutation sowie eine hohe MET-Überexpression oder MET-Amplifikation aufwiesen. Die Erkrankung war zuvor trotz einer Behandlung mit Tagrisso fortgeschritten.

Nach Angaben von AstraZeneca verbesserte die Kombination sowohl das progressionsfreie Überleben als auch das Gesamtüberleben statistisch signifikant und klinisch relevant gegenüber einer platinbasierten Chemotherapie. Damit wurden sowohl der primäre Endpunkt als auch ein zentraler sekundärer Endpunkt erreicht. An der weltweit durchgeführten Studie nahmen 338 Patienten an 230 Zentren in 29 Ländern teil. Neue Sicherheitssignale wurden nach Unternehmensangaben nicht festgestellt. Detaillierte Daten sollen auf einem medizinischen Fachkongress vorgestellt und den Zulassungsbehörden übermittelt werden.

MET-Resistenz ist ein wichtiges Problem bei EGFR-Therapien

Die Ergebnisse sind vor allem deshalb relevant, weil zielgerichtete EGFR-Therapien zwar die Behandlung bestimmter Formen des nicht kleinzelligen Lungenkrebses erheblich verändert haben, Tumoren aber im Verlauf resistent werden können. Eine verstärkte Aktivität des MET-Signalwegs gehört zu den bekannten Resistenzmechanismen. AstraZeneca beziffert den Anteil der Tumoren, die nach einer Therapie mit einem EGFR-Hemmer der dritten Generation eine ausgeprägte MET-Überexpression oder Amplifikation entwickeln, auf etwa ein Drittel.

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Tagrisso ist bereits in zahlreichen Ländern und verschiedenen Stadien des EGFR-mutierten Lungenkrebses zugelassen. Die Kombination mit Orpathys soll nun eine gezieltere Behandlungsoption für Patienten ermöglichen, deren Erkrankung aufgrund einer MET-vermittelten Resistenz fortschreitet. In China ist die Kombination für eine entsprechende Patientengruppe bereits zugelassen. Die nun vorliegenden globalen Phase-III-Ergebnisse könnten die Grundlage für weitere Zulassungsanträge bilden.

Enhertu erreicht Studienziel in der Erstbehandlung

Ein zweites positives Ergebnis betrifft Enhertu, das AstraZeneca gemeinsam mit dem japanischen Pharmakonzern Daiichi Sankyo entwickelt und vermarktet. In der Phase-III-Studie DESTINY-Lung04 wurde das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Trastuzumab-Deruxtecan bei Patienten mit nicht operablem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem nicht kleinzelligem Lungenkrebs mit einer HER2-Mutation untersucht.

Enhertu verbesserte nach den bislang veröffentlichten Ergebnissen das progressionsfreie Überleben statistisch signifikant und klinisch relevant gegenüber der bisherigen Standardbehandlung aus einer platinbasierten Chemotherapie, Pemetrexed und der Immuntherapie Pembrolizumab. Die Studie umfasste 454 Patienten in Asien, Europa und Nordamerika. Das Gesamtüberleben gehört zu den sekundären Endpunkten und wird weiter untersucht. Deshalb lässt sich aus den bislang veröffentlichten Daten noch keine Aussage über einen möglichen Vorteil beim Gesamtüberleben ableiten.

Enhertu könnte früher im Behandlungsverlauf eingesetzt werden

Die Bedeutung des Ergebnisses liegt vor allem in der untersuchten Behandlungslinie. Enhertu ist in zahlreichen Ländern bereits für Patienten mit metastasiertem NSCLC und aktivierenden HER2-Mutationen zugelassen, wenn zuvor eine andere systemische Therapie eingesetzt wurde. DESTINY-Lung04 untersucht das Medikament dagegen direkt als Erstbehandlung der fortgeschrittenen Erkrankung.

Nach Angaben der Unternehmen war das beobachtete Sicherheitsprofil mit den bereits bekannten Eigenschaften von Enhertu vereinbar. Neue Sicherheitssignale wurden nicht festgestellt. Auch diese Ergebnisse sollen bei einem kommenden medizinischen Kongress ausführlicher präsentiert und anschließend Zulassungsbehörden vorgelegt werden. HER2-Mutationen kommen nur bei einem kleineren Teil der Patienten mit nicht kleinzelligem Lungenkrebs vor. AstraZeneca geht von etwa zwei bis vier Prozent aus.

Volrustomig-Studie wird vorzeitig beendet

Den beiden positiven Meldungen steht ein Rückschlag gegenüber. AstraZeneca stellt die Phase-III-Studie eVOLVE-Lung02 mit dem experimentellen Wirkstoff Volrustomig ein. In der Untersuchung wurde Volrustomig zusammen mit einer Chemotherapie mit einer Kombination aus Pembrolizumab und Chemotherapie bei Patienten mit metastasiertem nicht kleinzelligem Lungenkrebs verglichen.

Grundlage für den Abbruch war eine geplante Datenanalyse durch ein unabhängiges Überwachungsgremium. Dieses kam zu dem Ergebnis, dass die Volrustomig-Kombination in der maßgeblichen Patientengruppe voraussichtlich weder beim progressionsfreien Überleben noch beim Gesamtüberleben eines der beiden primären Studienziele erreichen würde. AstraZeneca erklärte zugleich, dass das Sicherheitsprofil der Kombination den bereits bekannten Eigenschaften der eingesetzten Medikamente entsprochen habe. Neue Sicherheitssignale seien nicht festgestellt worden.

Das Volrustomig-Programm läuft in anderen Krebsarten weiter

Das negative Ergebnis bedeutet nicht das Ende der Entwicklung von Volrustomig. Der bispezifische Antikörper richtet sich gegen die beiden Immuncheckpoint-Signalwege PD-1 und CTLA-4. AstraZeneca verfolgt mit solchen Wirkstoffen das Ziel, mehrere Mechanismen der Immunabwehr gegen Tumoren gleichzeitig zu beeinflussen. Andere Phase-III-Studien mit Volrustomig sollen nach Angaben des Konzerns fortgesetzt werden.

Dazu gehören Untersuchungen bei Gebärmutterhalskrebs, Plattenepithelkarzinomen im Kopf-Hals-Bereich und malignem Pleuramesotheliom. Das Scheitern von eVOLVE-Lung02 begrenzt deshalb zunächst die Aussichten für eine bestimmte Anwendung bei metastasiertem Lungenkrebs. Ob der Wirkstoff bei anderen Tumorarten einen klinischen Nutzen zeigen kann, müssen die laufenden Studien klären.

Pipeline bleibt für AstraZenecas Wachstumsziele entscheidend

Die drei Ergebnisse treffen AstraZeneca in einer Phase, in der der Konzern stark auf neue Medikamente und zusätzliche Einsatzgebiete bestehender Wirkstoffe setzt. Das Unternehmen hält an seinem Ziel fest, den Jahresumsatz bis 2030 auf 80 Milliarden US-Dollar zu steigern. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Planung sind bis zu 20 neue Medikamenteneinführungen. Besonders die Onkologie nimmt innerhalb der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten eine zentrale Stellung ein.

Zuletzt hatte es allerdings auch Rückschläge gegeben. Im Juli verfehlte eine Phase-III-Studie mit Wainua bei transthyretinvermittelter Amyloid-Kardiomyopathie ihren primären Wirksamkeitsendpunkt. Auch bei anderen Entwicklungsprojekten hatte AstraZeneca in den vergangenen Monaten negative Studien- oder regulatorische Entscheidungen hinnehmen müssen. Die jetzt vorgelegten Lungenkrebsdaten zeichnen daher kein einheitliches Bild. Während Volrustomig in einem wichtigen Phase-III-Programm zurückgeworfen wird, stärken die Ergebnisse von SAFFRON und DESTINY-Lung04 zwei andere Teile des Onkologieportfolios.

Detaillierte Daten stehen bei zwei Studien noch aus

Bei den positiven Studien handelt es sich bislang um sogenannte Topline-Ergebnisse. AstraZeneca hat die erreichten Endpunkte bekannt gegeben, aber noch nicht sämtliche Detaildaten veröffentlicht. Damit stehen unter anderem genaue Größenordnungen der Behandlungseffekte sowie weitergehende Auswertungen einzelner Patientengruppen noch aus. Bei Enhertu wird zudem die Entwicklung des Gesamtüberlebens weiter verfolgt.

Für die weitere Entwicklung der drei Programme ergeben sich damit unterschiedliche Konsequenzen. Tagrisso plus Orpathys kann nach den positiven Daten für Zulassungsverfahren außerhalb der bereits bestehenden Märkte vorbereitet werden. Bei Enhertu eröffnet sich die Möglichkeit, eine bereits etablierte zielgerichtete Therapie früher im Behandlungsverlauf einzusetzen. Bei Volrustomig dagegen fällt mit eVOLVE-Lung02 eine mögliche Anwendung weg, während mehrere andere Phase-III-Programme weitergeführt werden. Die Medikamentenpipeline von AstraZeneca bleibt damit breit, ihre einzelnen Projekte liefern aber auch im späten Entwicklungsstadium deutlich unterschiedliche Ergebnisse.

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