
Nach fast einer Woche intensiver Löscharbeiten hat sich die Lage beim Brand im Hohen Venn an der belgisch deutschen Grenze deutlich entspannt. Nach dem offiziellen Lagebericht des Gouverneurs der Provinz Lüttich vom Donnerstag, 20. August 2026, um 14 Uhr gilt das Feuer insgesamt als unter Kontrolle. Eine vollständige Entwarnung bedeutet das allerdings noch nicht. Im westlichen Teil des Brandgebiets wird die Lage als beherrscht bewertet. Im Osten laufen die Löscharbeiten weiter, weil dort noch nicht sämtliche Brandbereiche vollständig unter Kontrolle sind.
Nach Angaben der Provinz Lüttich waren am Donnerstagnachmittag rund 350 Personen direkt in die Bewältigung des Brandes eingebunden. Dazu gehörten Feuerwehrkräfte aus Belgien und Deutschland sowie Mitarbeiter und Einsatzkräfte des Roten Kreuzes, des Gesundheitswesens, der Polizei, des Zivilschutzes, der belgischen Verteidigung und der wallonischen Forstverwaltung. Hinzu kamen Unternehmen, Landwirte und freiwillige Helfer. Die Größenordnung zeigt, dass der Einsatz trotz der verbesserten Lage weiterhin umfangreich ist.
Für die deutschen Feuerwehrkräfte endet der direkte Einsatz auf belgischer Seite nach Angaben der Provinz Lüttich im Laufe des Donnerstagabends. Ihre Einsatzbereiche sollen anschließend von belgischen Feuerwehrleuten übernommen werden. Damit wird die grenzüberschreitende Unterstützung schrittweise reduziert, ohne dass die Überwachung und Brandbekämpfung in den betreffenden Abschnitten eingestellt wird.
Bereits am frühen Donnerstagmorgen hatte die Provinz angekündigt, dass die deutschen Kräfte mit ihrem Rückzug beginnen sollten. In der Nacht waren noch knapp 200 Einsatzkräfte aus Wallonien, Flandern, Brüssel und Deutschland beteiligt gewesen. Zahlreiche kleinere Brandstellen waren erneut aufgeflammt und mussten vor allem im östlichen Bereich unter Kontrolle gebracht werden. Umgestürzte Bäume, Schlamm, eingeschränkte Sicht und schwer befahrbare Wege erschwerten dabei die Arbeiten.
Auch für die zeitweise evakuierten Einwohner hat sich die Situation deutlich verbessert. In Monschau konnten die Bewohner der betroffenen Bereiche im Stadtteil Kalterherberg bereits wieder in ihre Häuser zurückkehren. Rund 30 Menschen hatten ihre Wohnungen zuvor vorsorglich verlassen müssen, nachdem sich der Brand der deutschen Grenze stark angenähert hatte.
Auf belgischer Seite wurde auch die Evakuierungsanordnung für Küchelscheid und Leykaul in der Gemeinde Bütgenbach aufgehoben. Nach einer erneuten Bewertung der Lage durften die dort betroffenen Einwohner seit Mittwoch, 19. August, um 17 Uhr wieder nach Hause. Die für die Rückkehr wichtige Straße N669 wurde ebenfalls wieder freigegeben. Schon zuvor war die Rückkehr von Einwohnern anderer geräumter Bereiche, darunter Sourbrodt, ermöglicht worden. Die Evakuierungen waren wegen der Ausbreitung des Feuers und der zeitweise erheblichen Rauchentwicklung angeordnet worden.
Das Feuer hatte seit seinem Ausbruch am Freitag, 14. August, nach Angaben der belgischen Behörden eine Fläche von rund 3.000 Hektar erfasst. Betroffen sind Moor, Heide und Wald im Hohen Venn. Das Gebiet gehört zu den ökologisch besonders wertvollen Landschaften im Osten Belgiens und liegt unmittelbar an der Grenze zu Deutschland.
Die Brandbekämpfung war dort besonders schwierig, weil weite Teile des Geländes für schwere Fahrzeuge nur eingeschränkt oder gar nicht erreichbar sind. Hinzu kommen torfhaltige Böden. Deshalb konzentrierten sich die Einsatzkräfte unter anderem darauf, Zugänge und breite Streifen im Gelände freizulegen. Im nordöstlichen Bereich waren nach Angaben der Provinz bereits etwa zwei Kilometer solcher Arbeiten abgeschlossen. Im Südosten sollten weitere Strecken bearbeitet werden.
Zur genauen Brandursache lagen bis Donnerstagnachmittag keine gesicherten behördlichen Angaben vor. Entsprechend lässt sich derzeit nicht belastbar feststellen, wodurch das Feuer ausgelöst wurde.
Trotz des Rückzugs der deutschen Feuerwehrkräfte vom Boden wird die Brandbekämpfung aus der Luft fortgesetzt. Nach dem Lagebericht von Donnerstag um 14 Uhr waren sieben Luftfahrzeuge eingebunden. Dazu gehörten zwei deutsche Hubschrauber, zwei norwegische Hubschrauber, ein Hubschrauber der belgischen Föderalpolizei zur Koordination sowie zwei schwedische Löschflugzeuge.
Die Luftangriffe konzentrierten sich insbesondere auf den östlichen Bereich des Brandgebiets. Wasser wurde sowohl innerhalb der bereits verbrannten Fläche als auch an angrenzenden Bereichen abgeworfen. Nach Angaben der Einsatzleitung waren die Bodentemperaturen weiterhin sehr hoch. Damit besteht die Gefahr, dass einzelne Bereiche erneut aufflammen, obwohl sich die Feuerfront insgesamt nicht mehr ausbreitet.
Nach dem Ende der günstigen Bedingungen für die Löscharbeiten aus der Luft soll die Überwachung weitergehen. Der belgische Zivilschutz setzt dafür Drohnen ein. Sie können das Gelände kontrollieren und Hinweise auf neu entstehende oder erneut aufflammende Brandstellen liefern. Bereits in der Nacht zum Donnerstag mussten mehrere solcher Stellen bekämpft werden.
Die Einsatzstrategie verschiebt sich damit zunehmend von der großflächigen Eindämmung zur Kontrolle und gezielten Bekämpfung einzelner Brandbereiche. Solange im Boden hohe Temperaturen gemessen werden und im östlichen Abschnitt aktive Stellen bestehen, bleiben Einsatzkräfte und technische Mittel vor Ort. Entscheidend für die weitere Entwicklung sind neben den Löscharbeiten auch die Wetterbedingungen. Die Behörden gehen bei gleichbleibender Wetterlage davon aus, dass sich das Feuer nicht erneut großflächig ausbreiten dürfte.
Der Brand hat über mehrere Tage Einsatzkräfte aus verschiedenen Teilen Belgiens sowie aus Deutschland und weiteren europäischen Staaten gebunden. Zeitweise unterstützten auch ausländische Löschflugzeuge und Hubschrauber die Arbeiten. Die Zusammenarbeit war besonders wichtig, weil sich die Feuerzone zeitweise bis nahe an die deutsche Grenze bei Monschau ausgedehnt hatte.
Mit der Rückkehr der evakuierten Einwohner und dem Abzug der deutschen Feuerwehrkräfte erreicht der Einsatz nun eine neue Phase. Der Schwerpunkt liegt nicht mehr auf dem Schutz unmittelbar bedrohter Ortschaften, sondern auf der Sicherung des Brandgebiets, der Bekämpfung verbliebener Brandstellen und der Überwachung der stark aufgeheizten Flächen. Erst wenn auch diese Bereiche dauerhaft keine neuen Feuer entwickeln, kann der Einsatz weiter reduziert werden.
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