
Die Zahl der gemeldeten Rotavirus-Infektionen in Nordrhein-Westfalen ist 2025 deutlich gestiegen. Nach Angaben der AOK NordWest wurden landesweit 6.399 Fälle registriert. Im Jahr zuvor waren es 4.091. Das entspricht einem Anstieg von rund 56 Prozent. Besonders für Säuglinge und Kleinkinder können Infektionen problematisch werden, weil Durchfall und Erbrechen zu einem erheblichen Flüssigkeitsverlust führen können.
Auch in Westfalen-Lippe zeigt sich ein deutlicher Anstieg. Dort wurden 2025 insgesamt 3.294 Rotavirus-Fälle gemeldet, nach 2.263 im Vorjahr. Grundlage der Zahlen sind Meldedaten des Robert Koch-Instituts, die von der AOK NordWest ausgewertet wurden.
„Rotaviren können besonders für Kleinkinder gefährlich werden“, sagt AOK-NordWest-Vorstandsvorsitzender Tom Ackermann. Die Krankenkasse rät Eltern deshalb, die empfohlenen Impfungen für Säuglinge wahrzunehmen und im Alltag auf konsequente Hygiene zu achten.
Als mögliche Erklärung für den Anstieg verweist die AOK unter anderem auf ein verändertes Hygieneverhalten nach der Corona-Pandemie. Eine wissenschaftlich eindeutig belegte Einzelursache für die höheren Fallzahlen lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Typische Beschwerden einer Rotavirus-Infektion sind Durchfall, Erbrechen und Bauchschmerzen. Vor allem Säuglinge und Kleinkinder reagieren empfindlich auf den damit verbundenen Verlust von Flüssigkeit und Salzen. Wird dieser nicht ausreichend ausgeglichen, kann eine Behandlung im Krankenhaus notwendig werden.
Eine spezielle antivirale Therapie gegen Rotaviren gibt es nicht. Im Mittelpunkt der Behandlung steht deshalb die ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit und Elektrolyten. Bei schweren Verläufen kann eine intravenöse Flüssigkeitsgabe erforderlich werden.
Die Ständige Impfkommission empfiehlt eine Impfung gegen Rotaviren bereits im Säuglingsalter. Dabei handelt es sich um eine Schluckimpfung. Je nach verwendetem Impfstoff sind zwei oder drei Dosen im Abstand von mindestens vier Wochen erforderlich. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Die Impfung soll insbesondere vor schweren Krankheitsverläufen schützen. Da Säuglinge und Kleinkinder bei starkem Flüssigkeitsverlust besonders gefährdet sind, empfiehlt die STIKO einen möglichst frühen Beginn der Impfserie.
Rotaviren gelten als besonders ansteckend. Die Übertragung erfolgt meist über Schmierinfektionen. Kleinste Spuren von Stuhl können über Hände, Toiletten, Armaturen, Türgriffe oder andere Gegenstände weitergegeben werden und anschließend über den Mund in den Verdauungstrakt gelangen.
Neben Kindern können sich auch Erwachsene infizieren. Als besonders gefährdet gelten zudem ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem. Regelmäßiges Händewaschen mit Seife kann das Infektionsrisiko senken. Bei Desinfektionsmitteln empfiehlt das RKI Mittel mit der Kennzeichnung „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“.
Die aktuell veröffentlichte AOK-Auswertung bezieht sich auf die abgeschlossenen Jahre 2024 und 2025 und ist daher kein Hinweis auf einen akuten Ausbruch im August 2026. Für das laufende Jahr zeichnet sich bislang sogar eine andere Entwicklung ab: Nach den bisher vorliegenden RKI-Wochenzahlen wurden in Nordrhein-Westfalen bis einschließlich Kalenderwoche 24 weniger Rotavirus-Fälle gemeldet als im vergleichbaren Zeitraum 2025. Diese Zahlen können sich durch Nachmeldungen noch verändern.
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