Angriffe am Schwarzen Meer bremsen den Getreidehandel

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die zunehmenden Angriffe auf Häfen, Getreideterminals und Schiffe am Schwarzen Meer belasten den internationalen Getreidehandel. Besonders betroffen sind die Exportwege Russlands und der Ukraine, die zu den wichtigsten Weizenlieferanten der Welt gehören. Die Folgen zeigen sich inzwischen in geringeren Ausfuhrprognosen, verzögerten Lieferungen und höheren Preisen. Für Getreideexporte aus der Ukraine bleibt der Seeweg dabei von entscheidender Bedeutung. Nach Angaben der ukrainischen Regierung werden mehr als 90 Prozent der ukrainischen Getreideausfuhren normalerweise über Seehäfen abgewickelt.

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Ukraine senkt Prognose für Getreideexporte

Die ukrainische Regierung hat ihre Erwartungen für die laufende Vermarktungssaison deutlich zurückgenommen. Landwirtschaftsminister Taras Vysotskyi bezifferte die erwarteten Getreideexporte für die Saison 2026/27 Anfang August auf 38 bis 40 Millionen Tonnen. Zuvor hatte das Ministerium mit rund 43 Millionen Tonnen gerechnet. Die Kürzung beträgt damit je nach tatsächlichem Exportvolumen bis zu rund zwölf Prozent. Als Grund nannte der Minister die russischen Angriffe auf die Hafenregion um Odesa.

Auch das US Landwirtschaftsministerium reagierte auf die Störungen. Im am 12. August veröffentlichten Weltmarktbericht senkte das USDA seine Prognose für ukrainische Weizenexporte in der Saison 2026/27 um eine Million Tonnen auf 13,5 Millionen Tonnen. Für Russland wurde die Prognose um 1,5 Millionen auf 46 Millionen Tonnen reduziert. Das USDA begründete beide Änderungen ausdrücklich mit Behinderungen des Handels im Schwarzen Meer. Bei der Ukraine seien vor allem die großen Seehäfen betroffen, bei Russland insbesondere Häfen im Asowschen Meer.

Odesa und Novorossiysk im Zentrum der Störungen

Auf ukrainischer Seite konzentrieren sich die Probleme auf die Hafenregion um Odesa mit den großen Umschlagplätzen Odesa, Tschornomorsk und Piwdennyj. Nach Angaben des ukrainischen Infrastrukturministeriums wurden im Juli 35 Angriffe auf Schiffe in Häfen, 22 Angriffe auf Schiffe auf See sowie 67 Angriffe auf Hafenanlagen registriert. Russland erklärt regelmäßig, militärisch relevante Ziele anzugreifen. Eine unabhängige Überprüfung jedes einzelnen von ukrainischen Behörden erfassten Vorfalls ist unter den Kriegsbedingungen nicht möglich.

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Auch russische Exportanlagen sind betroffen. Nach ukrainischen Angriffen auf Noworossijsk am 12. August stellten zwei große Getreideterminals dort nach Angaben ihrer Betreiber beziehungsweise von Branchenvertretern zeitweise den Betrieb ein. Eines verfügt über eine jährliche Exportkapazität von rund 8,5 Millionen Tonnen, ein weiteres über etwa 7,1 Millionen Tonnen. Die russischen Behörden machten die Ukraine für die Angriffe verantwortlich. Die Ukraine hat ihre Angriffe auf russische Infrastruktur in den vergangenen Wochen ausgeweitet.

Daten des internationalen Reederverbands BIMCO zeigen die Folgen für den Schiffsverkehr. In den fünf Wochen bis Mitte August lagen die weltweiten Getreidetransporte auf dem Seeweg acht Prozent unter dem Niveau des entsprechenden Vorjahreszeitraums. Aus der Schwarzmeerregion wurden demnach 26 Prozent weniger Getreide verschifft. BIMCO führt den Rückgang neben anderen Marktfaktoren wesentlich auf die zunehmenden Angriffe auf Schiffe und Hafenanlagen zurück.

Alternative Routen können Seehäfen nicht ersetzen

Die Ukraine versucht, zusätzliche Mengen über die Donau sowie per Bahn und Straße auszuführen. Die Möglichkeiten sind jedoch begrenzt. Landwirtschaftsminister Vysotskyi erklärte Anfang August, diese Transportwege könnten nach ihrem Ausbau voraussichtlich nur 50 bis 55 Prozent der monatlichen Kapazität der ukrainischen Schwarzmeerhäfen ersetzen. Diese liegt nach Regierungsangaben bei etwa sechs Millionen Tonnen.

Hinzu kommen höhere Transportkosten. Die ukrainische Regierung veranschlagt für alternative Routen zusätzliche Kosten von etwa 45 bis 50 Dollar je Tonne. Niedrige Wasserstände auf der Donau schränken zudem die Möglichkeiten der Binnenschifffahrt ein. Damit treffen die Störungen die ukrainischen Produzenten doppelt: Getreide lässt sich schwieriger exportieren, während zusätzliche Logistikkosten die Erlöse der Landwirte belasten.

Weizenpreise steigen seit Anfang Juli deutlich

Am Weltmarkt hat sich die Lage bereits bemerkbar gemacht. Die als internationale Referenz beobachteten Weizenfutures an der Chicago Board of Trade lagen am 20. August mehr als 17 Prozent höher als zu Beginn des Juli. Marktteilnehmer führen einen erheblichen Teil dieses Anstiegs auf die geringeren Lieferungen aus der Schwarzmeerregion zurück. Ende Juli hatte der meistgehandelte Chicagoer Weizenkontrakt noch bei rund 6,61 Dollar je Bushel gelegen.

Auch auf dem physischen Markt entstehen Preisunterschiede. Für Lieferungen nach Asien wurde australischer Premiumweizen am 20. August mit etwa 315 bis 320 Dollar je Tonne einschließlich Fracht angeboten. Günstige US Ware lag bei ungefähr 305 Dollar je Tonne. Getreide aus der Schwarzmeerregion war zuvor vielfach zu etwa 260 bis 280 Dollar je Tonne angeboten worden. Ein Wechsel des Lieferlandes kann für Importeure daher erhebliche Mehrkosten verursachen.

Importabhängige Staaten besonders verwundbar

Besonders relevant ist die Entwicklung für Länder, die große Teile ihres Weizens importieren. Ägypten bezog im ersten Halbjahr 2026 mehr als 82 Prozent seiner Weizenimporte aus Russland und der Ukraine. Auch Indonesien, Bangladesch, Algerien, Jordanien, Tunesien und mehrere weitere Staaten in Afrika und Asien kaufen regelmäßig große Mengen in der Schwarzmeerregion.

Das USDA erwartet für die Saison 2026/27 weltweit weiterhin umfangreiche Weizenvorräte. Die prognostizierten globalen Endbestände wurden im August sogar leicht auf 273,3 Millionen Tonnen angehoben. Von einem weltweiten physischen Getreidemangel lässt sich deshalb derzeit nicht sprechen. Entscheidend ist vielmehr, wo das Getreide verfügbar ist, welche Transportwege genutzt werden können und zu welchem Preis Käufer alternative Lieferungen bekommen.

Für Verbraucher bedeutet ein höherer Weltmarktpreis für Weizen zudem nicht automatisch einen gleich starken Anstieg der Brotpreise. Verarbeitung, Energie, Löhne, Transport, Verpackung, Steuern und Handelsmargen bestimmen ebenfalls den Endpreis. In Ländern mit hoher Importabhängigkeit und geringen finanziellen Reserven können steigende Getreide und Frachtkosten jedoch schneller auf Lebensmittelpreise und staatliche Haushalte durchschlagen. Je länger die Einschränkungen am Schwarzen Meer dauern, desto größer wird deshalb der Druck, zusätzliche Lieferungen aus Australien, Nordamerika, Argentinien und anderen Exportregionen zu beschaffen.

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