Uniper bindet sich bis 2041 an norwegische Gaslieferungen

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der deutsche Energiekonzern Uniper hat sich langfristig große Mengen Erdgas aus Norwegen gesichert. Das Unternehmen schloss mit dem norwegischen Energiekonzern Equinor einen Vertrag über Lieferungen von mehr als 30 Terawattstunden Erdgas pro Jahr. Die Vereinbarung beginnt 2027 und läuft bis Ende 2041. Unterzeichnet wurde sie am Montag, 24. August 2026, in Stavanger.

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Der Gasliefervertrag zwischen Uniper und Equinor gehört damit zu den langfristigen Vereinbarungen, mit denen europäische Energieunternehmen ihre Versorgung über viele Jahre absichern. Equinor beziffert die vereinbarte Menge auf rund 2,8 Milliarden Kubikmeter Erdgas jährlich. Die Lieferungen sollen vom 1. Januar 2027 bis zum 31. Dezember 2041 erfolgen. Als Übergabepunkt nennt das Unternehmen Trading Hub Europe, das Marktgebiet für den deutschen Gasmarkt.

Mehr als 30 Terawattstunden Gas pro Jahr

Gemessen am deutschen Gasmarkt ist das Vertragsvolumen erheblich. Deutschland verbrauchte nach Angaben der Bundesnetzagentur im Jahr 2025 insgesamt 864 Terawattstunden Gas. Die vereinbarte Jahresmenge von mehr als 30 Terawattstunden entspricht damit rechnerisch mehr als drei Prozent dieses Verbrauchs. Bezogen auf die deutschen Gasimporte von 1.031 Terawattstunden im Jahr 2025 entspricht die Menge knapp drei Prozent.

Das Gas soll über die vorhandene Pipelineinfrastruktur nach Deutschland gelangen. Für Uniper bedeutet der Vertrag eine langfristige Absicherung eines Teils seiner Beschaffung. Das Unternehmen gehört zu den großen europäischen Gasgroßhändlern und beliefert unter anderem Stadtwerke, Industrieunternehmen und Kraftwerksbetreiber.

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Über den finanziellen Umfang der Vereinbarung machten die Unternehmen keine Angaben. Equinor erklärte lediglich, dass sich die Preisgestaltung an Marktbedingungen orientieren soll. Weitere kommerzielle Einzelheiten bleiben vertraulich. Damit lässt sich aus dem öffentlich bekannten Lieferumfang kein belastbarer Gesamtwert des Geschäfts ableiten.

Norwegen bleibt zentraler Gaslieferant Deutschlands

Der Vertrag unterstreicht die inzwischen zentrale Rolle Norwegens für die deutsche Gasversorgung. Nach vorläufigen Zahlen der Bundesnetzagentur kamen 2025 rund 44 Prozent der deutschen Gasimporte aus Norwegen. Weitere große Mengen wurden über die Niederlande und Belgien eingeführt. Insgesamt importierte Deutschland im vergangenen Jahr 1.031 Terawattstunden Erdgas.

Die Struktur der deutschen Versorgung hat sich seit der Energiekrise 2022 deutlich verändert. Nach dem weitgehenden Wegfall russischer Pipelinegaslieferungen wurden norwegische Lieferungen, zusätzliche Verbindungen zu europäischen Nachbarstaaten und Flüssigerdgas wichtiger. Allein über deutsche LNG Terminals wurden 2025 nach Angaben der Bundesnetzagentur 106 Terawattstunden Erdgas eingeführt. Das entsprach 10,3 Prozent aller deutschen Gasimporte.

Der neue Vertrag bedeutet allerdings nicht, dass Deutschland seinen Gasbedarf künftig allein über Norwegen deckt. Vielmehr wird eine bereits wichtige Lieferbeziehung über einen ungewöhnlich langen Zeitraum abgesichert. Reuters zufolge ist es für Equinor ein Gasliefervertrag, der erstmals bis in die 2040er Jahre hineinreicht.

Vertrag reicht weit in Deutschlands Energiewende hinein

Die Laufzeit bis 2041 ist auch deshalb bemerkenswert, weil sie weit in die deutsche Energiewende hineinreicht. Erdgas wird weiterhin in Industrie, Wärmeversorgung und Kraftwerken eingesetzt. Gleichzeitig sollen die Treibhausgasemissionen in Deutschland und der Europäischen Union weiter deutlich sinken.

Uniper und Equinor verbinden den Liefervertrag deshalb mit einer weiteren Zusammenarbeit zu Gas mit geringerer Emissionsintensität. Beide Unternehmen wollen nach eigenen Angaben Möglichkeiten entwickeln, die Herkunft und Klimabilanz des gelieferten Gases stärker abzubilden. Equinor und Uniper unterzeichneten dazu zusätzlich eine unverbindliche Absichtserklärung. Dabei geht es nach Angaben Equinors unter anderem um dokumentierte Informationen zur Herkunft des Erdgases, zur Treibhausgasintensität seiner Förderung und zu weiteren Nachhaltigkeitsmerkmalen.

Eine Verringerung der Emissionen bei Förderung und Transport ändert jedoch nichts daran, dass Erdgas ein fossiler Energieträger ist und bei seiner Nutzung Kohlendioxid freigesetzt wird. Der langfristige Vertrag sichert deshalb vor allem Verfügbarkeit und Herkunft eines Teils der benötigten Gasmenge ab.

Uniper weiterhin fast vollständig in Staatsbesitz

Auch die Eigentümerstruktur der beiden Unternehmen verleiht der Vereinbarung besondere Bedeutung. Equinor befindet sich mehrheitlich im Besitz des norwegischen Staates. Uniper wiederum wurde während der europäischen Energiekrise vom deutschen Staat stabilisiert. Der Bund übernahm Ende 2022 rund 99 Prozent der Anteile, nachdem das Unternehmen durch den Ausfall russischer Gaslieferungen und teure Ersatzbeschaffungen in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten geraten war.

Mit der staatlichen Rettung sind Vorgaben für einen späteren Rückzug des Bundes verbunden. Nach den mit der Europäischen Kommission abgestimmten Bedingungen muss Deutschland seine Beteiligung spätestens Ende 2028 grundsätzlich auf höchstens 25 Prozent plus eine Aktie reduzieren.

Für die aktuelle Versorgungslage im Winter 2026/27 bringt der neue Vertrag zunächst keine zusätzlichen Mengen. Die Lieferungen beginnen erst Anfang 2027. Langfristig sichert sich Uniper damit jedoch jährlich mehr als 30 Terawattstunden Pipelinegas aus einem Land, das bereits heute der mit Abstand wichtigste einzelne Herkunftsmarkt für Deutschlands Erdgasimporte ist.

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