2.800 Menschen müssen Sperrkreis bei Oranienburg verlassen

Symbolbild: Blaulicht auf dem Dach eines Einsatzfahrzeugs
Symbolbild Feuerwehreinsatz

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Im Landkreis Oberhavel steht am Mittwoch erneut eine größere Kampfmittelbeseitigung bevor. In einem Waldgebiet zwischen dem Hohen Neuendorfer Ortsteil Borgsdorf und Oranienburg soll Kriegsmunition kontrolliert gesprengt werden. Nach Angaben der Stadt Hohen Neuendorf können die Kampfmittel aufgrund ihrer Beschaffenheit nicht sicher abtransportiert werden und müssen deshalb am Fundort vernichtet werden. Für die Arbeiten wird am 26. August ab 8 Uhr ein Sperrkreis eingerichtet. Die Maßnahme soll nach derzeitiger Planung gegen 16 Uhr beendet sein, Verzögerungen sind nach Angaben der Stadt möglich.

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Rund 2.800 Menschen von Evakuierung betroffen

Der von der Stadt Hohen Neuendorf festgelegte Sperrkreis hat einen Radius von 1.000 Metern um die Fundstelle. Er reicht bis in bewohnte Bereiche von Borgsdorf. Rund 2.800 Menschen müssen deshalb ihre Wohnungen und Häuser verlassen haben, bevor der Sperrkreis am Mittwochmorgen wirksam wird. Die Stadt fordert die Betroffenen auf, den Bereich möglichst bereits vor 8 Uhr zu verlassen. Ab diesem Zeitpunkt kontrollieren Polizei und Stadtverwaltung, ob sich noch Menschen innerhalb des gesperrten Gebiets befinden. Die Evakuierung ist nach Angaben der Kommune verpflichtend.

Für Menschen, die während der Arbeiten nicht bei Angehörigen, Bekannten oder an ihrem Arbeitsplatz unterkommen können, öffnet die Stadt die Stadthalle Hohen Neuendorf als zentrale Anlaufstelle. Für Personen, die Unterstützung beim Verlassen des Gebiets benötigen, wurden außerdem Hilfsmöglichkeiten und ein begrenzter Shuttleverkehr angekündigt. Die Rückkehr ist erst nach der offiziellen Aufhebung des Sperrkreises erlaubt. Die Entwarnung soll unter anderem über Sirenen und die Informationskanäle der Stadt bekannt gegeben werden.

Auch ein Teil von Oranienburg-Süd liegt innerhalb des Sicherheitsbereichs. Nach Angaben der Stadt Oranienburg handelt es sich dort jedoch überwiegend um Waldgebiet. In diesem Oranienburger Teil des Sperrkreises wohnen demnach keine Menschen. Die Stadtverwaltung richtet und sichert diesen Abschnitt in eigener Zuständigkeit.

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Straßen rund um Borgsdorf werden gesperrt

Für Autofahrer hat die Kampfmittelbeseitigung erhebliche Folgen. Innerhalb des Sperrkreises dürfen Straßen nicht befahren werden, auch Busse können den Bereich während der Sperrzeit nicht passieren. Eine am Dienstag, 25. August, aktualisierte Verkehrsmeldung mit Angaben der Landesmeldestelle kündigt insbesondere Einschränkungen rund um die Borgsdorfer Kreuzung an. Demnach sollen die Berliner Straße beziehungsweise Berliner Chaussee in Richtung Oranienburg und Birkenwerder sowie die Chausseestraße in Richtung Lehnitz und Velten für mehrere Stunden nicht durchgehend befahrbar sein. Ortskundige Verkehrsteilnehmer werden aufgefordert, das Gebiet weiträumig zu umfahren.

Anders als bei einigen früheren Sprengungen in diesem Waldgebiet soll der Bahnverkehr diesmal grundsätzlich möglich bleiben. Der S-Bahnhof Borgsdorf liegt nach Angaben der Stadt Hohen Neuendorf außerhalb des aktuellen Sperrkreises. S-Bahnen dürfen fahren und Reisende können in Borgsdorf ein- und aussteigen. Sie dürfen jedoch anschließend nicht in den gesperrten Bereich gelangen. Der Zugang zum Bahnhof soll aus Richtung Briese und Berliner Straße möglich bleiben. Für den Busverkehr gelten dagegen Einschränkungen, weil Busse den Sperrkreis nicht durchfahren dürfen.

Welche einzelnen Munitionsarten am Mittwoch gesprengt werden und wie viele Kampfmittel die aktuelle Maßnahme umfasst, geht aus den veröffentlichten Behördeninformationen bislang nicht hervor. Offiziell bestätigt ist, dass es sich um Kriegsmunition handelt, deren Zustand einen Transport nicht zulässt.

Kampfmittelbeseitigung in Borgsdorf schon mehrfach nötig

Die Kampfmittelbeseitigung in Borgsdorf ist in diesem Jahr kein Einzelfall. Bereits im Februar, März, April und Anfang Juni mussten in dem Waldgebiet Kriegsrelikte kontrolliert vernichtet werden. Bei einer Sprengung am 11. März waren nach Angaben der Stadt Hohen Neuendorf rund 2.400 Menschen von einem 1.000-Meter-Sperrkreis betroffen. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst vernichtete damals 140 Munitionsstücke, darunter drei 250-Kilogramm-Bomben.

Für die technische Beseitigung der Kampfmittel ist in Brandenburg der Kampfmittelbeseitigungsdienst, kurz KMBD, zuständig. Er gehört zum Zentraldienst der Polizei des Landes Brandenburg. Zu seinen Aufgaben zählen unter anderem die Ermittlung von Kampfmittelbelastungen, die Dokumentation geräumter Flächen sowie die Entgegennahme, der Transport, die Lagerung und die Vernichtung von Kampfmitteln.

Oranienburg gehört zu den größten Belastungsschwerpunkten

Die Region um Oranienburg nimmt bei der Kampfmittelbelastung eine besondere Stellung ein. Die Stadt war während des Zweiten Weltkriegs wegen ihrer Chemieindustrie, Rüstungsbetriebe, Flugzeugwerke und weiterer militärisch bedeutsamer Anlagen Ziel schwerer alliierter Luftangriffe. Nach Angaben der Stadt gingen 1945 rund 10.500 Großbomben auf Oranienburg nieder. Mehr als 4.000 Bomben sollen mit chemischen Langzeitzündern ausgestattet gewesen sein.

Diese Zünder waren dafür ausgelegt, die Bomben erst Stunden nach dem Einschlag zur Detonation zu bringen. Bei einem Teil der Bomben funktionierte das nicht wie vorgesehen. Die Bodenverhältnisse in Oranienburg trugen nach Angaben der Stadt zusätzlich dazu bei, dass Geschosse tief eindrangen und in ungünstiger Lage im Erdreich liegen blieben. Der Zündmechanismus kann dennoch aktiv geblieben sein. Seit der deutschen Wiedervereinigung wurden in Oranienburg mehr als 235 Bomben entschärft oder gesprengt. Die Stadt ging Ende 2025 weiterhin von mehr als 200 noch vorhandenen Bombenblindgängern aus.

Rund 580.000 Hektar in Brandenburg unter Kampfmittelverdacht

Das Problem reicht weit über Oranienburg hinaus. Nach der vorläufigen Jahresbilanz des brandenburgischen Innenministeriums wurden 2025 im Land rund 360 Tonnen Kampfmittel und Kampfmittelteile gefunden. Darunter waren unter anderem etwa 24.000 Granaten, 700 Brandbomben und 100 Sprengbomben mit einem Gewicht von mehr als fünf Kilogramm. Rund 580.000 Hektar Landesfläche stehen weiterhin unter Kampfmittelverdacht. Das Land gab bis Ende November 2025 rund 11,9 Millionen Euro für die Kampfmittelräumung aus. Oranienburg gehörte erneut zu den wichtigsten Einsatzschwerpunkten des KMBD.

Dass auch mehr als acht Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch regelmäßig Munition entdeckt wird, hat mehrere Gründe. Blindgänger können meterweit im Erdreich liegen und werden teilweise erst bei systematischen Sondierungen, Bauarbeiten oder anderen Bodeneingriffen entdeckt. Historische Luftbilder helfen Fachleuten dabei, Verdachtsflächen einzugrenzen. Gleichzeitig verändern jahrzehntelange Korrosion, chemische Zersetzung und Beschädigungen die Kampfmittel. Behörden warnen deshalb davor, gefundene Munition selbst zu berühren oder zu bewegen.

Die Sprengung bei Borgsdorf zeigt damit erneut, dass die militärischen Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs in besonders belasteten Regionen weiterhin konkrete Auswirkungen auf Anwohner, Verkehr, Stadtentwicklung und öffentliche Haushalte haben.

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