Bundeswehr startet milliardenschweres Bauprogramm für Kasernen

Münster sperrt Kanalpromenade an der Warendorfer Straße
Symbolfoto

Teilen:

Die Bundeswehr hat ein umfangreiches Bauprogramm für neue Unterkünfte und Funktionsgebäude auf den Weg gebracht. Im Rahmen des Projekts G-CAP Inland Stufe 1 sollen bundesweit rund 300 Gebäude in etwa 130 bestehenden militärischen Liegenschaften entstehen. Das gesamte Auftragsvolumen liegt bei rund 4,6 Milliarden Euro. Vorgesehen sind unter anderem mehr als 54.000 zusätzliche Betten für Soldatinnen und Soldaten.

Anzeige

Die Bundeswehr Bauaufträge über 4,6 Milliarden Euro sind vor allem eine Reaktion auf den geplanten personellen Aufwuchs der Streitkräfte und den zusätzlichen Platzbedarf durch den neuen Wehrdienst. Die Verträge wurden am Donnerstag, 27. August 2026, auf der Hardthöhe in Bonn unterzeichnet. Die ersten Gebäude sollen bereits ab Ende des ersten Halbjahres 2027 genutzt werden können.

Anders als teilweise angenommen, wird das Programm nicht von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben vergeben. Die Ausschreibung und Vergabe der Rahmenverträge übernahm der Bau- und Liegenschaftsbetrieb Nordrhein-Westfalen im Auftrag der Bundeswehr. Der Landesbetrieb ist im Bundesbau tätig und fungierte für das bundesweite Verfahren als zentrale Vergabestelle.

Rund 300 Gebäude in sieben regionalen Losen

Das Programm umfasst standardisierte Kompaniegebäude. Neben Unterkünften gehören dazu Funktionsbereiche, Lehrsäle und Waffenkammern. Planung, Lieferung, Errichtung, technische Anschlüsse, Inbetriebnahme und teilweise Wartungsleistungen werden gebündelt vergeben. Damit soll die Zahl einzelner Planungs- und Vergabeschritte reduziert werden.

Anzeige

Die Ausschreibung ist in sieben regionale Lose gegliedert. Los 1 betrifft Bayern. Los 2 umfasst Niedersachsen und Bremen. Zum dritten Los gehören Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Los 4 deckt Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein ab. Nordrhein-Westfalen bildet Los 5. Baden-Württemberg gehört zu Los 6. Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland bilden Los 7.

Die Vergabeunterlagen sehen maximal bis zu 335 standardisierte Unterkunfts- und Funktionsgebäude vor. Die Bundeswehr spricht für die derzeit geplante Umsetzung von rund 300 Gebäuden an etwa 130 Liegenschaften. Die Rahmenverträge laufen über 48 Monate.

Dabei setzt die Bundeswehr stark auf serielles und modulares Bauen. Gebäudegrundrisse und Bauteile sollen möglichst vereinheitlicht werden. Ein hoher Vorfertigungsgrad soll ermöglichen, dass Produktion und Arbeiten auf den Grundstücken teilweise parallel erfolgen können. Die Gebäude sind für eine längerfristige Nutzung vorgesehen und sollen nicht lediglich als kurzfristige Übergangslösung dienen.

Sieben Bauunternehmen erhalten Rahmenverträge

Aus den veröffentlichten Vergabeunterlagen ergeben sich sieben Unternehmen, die als Vertragspartner ausgewählt wurden. Max Bögl und FEPS erhielten Zuschläge für die Lose 1 bis 3. Für Los 4 wurden Kleusberg und Goldbeck Ost ausgewählt. Im nordrhein-westfälischen Los 5 kommen Porr und ALHO Systembau zum Zuge. In Baden-Württemberg sind Wolff & Müller Government Services und Porr vorgesehen. Für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland wurden Wolff & Müller Government Services und ALHO ausgewählt.

Die Unternehmen erhalten dabei nicht automatisch einen festen Anteil des gesamten Volumens von 4,6 Milliarden Euro. Es handelt sich um Rahmenvereinbarungen. Die einzelnen Bauvorhaben werden anschließend aus diesen Verträgen abgerufen. Pro Los können bis zu zwei Auftragnehmer eingesetzt werden. Nach den Vergabebedingungen sollen die Abrufe in einer festgelegten Reihenfolge zwischen den Vertragspartnern wechseln.

Max Bögl teilte mit, im Rahmen seiner drei Lose insgesamt 102 Unterkunftsgebäude errichten zu wollen. Das Unternehmen übernimmt Projekte in Bayern, Niedersachsen sowie im Osten Deutschlands. Wolff & Müller wiederum arbeitet für Teile seines Auftrags mit OBG und der Lechner Group zusammen. Diese Arbeitsgemeinschaft nennt 25 Unterkunfts- und Ausbildungsgebäude in Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

Damit verteilt sich das Programm sowohl auf große klassische Bauunternehmen als auch auf Firmen mit ausgeprägter Erfahrung im System- und Modulbau.

Erste 14 Gebäude sollen Mitte 2027 fertig sein

Der Zeitplan ist ungewöhnlich eng. Die ersten Abrufe aus den Rahmenverträgen sollen unmittelbar erfolgen. Nach Angaben der Bundeswehr sollen die ersten 14 Gebäude ab Ende des ersten Halbjahres 2027 fertiggestellt und nutzbar sein.

Die kurze Bauzeit ist einer der Gründe für die Standardisierung. Statt jedes Gebäude vollständig neu zu planen, sollen wiederkehrende Grundrisse, Bauteile und technische Lösungen genutzt werden. Auch industrielle Vorfertigung spielt eine zentrale Rolle.

Wie schnell sämtliche rund 300 Gebäude tatsächlich fertiggestellt werden, hängt von den jeweiligen Abrufen und den Bedingungen an den einzelnen Standorten ab. Der Rahmenvertrag selbst hat eine Laufzeit von vier Jahren. Konkrete Fertigstellungstermine für jede der etwa 130 betroffenen Liegenschaften sind bislang nicht vollständig veröffentlicht.

Finanzierung kommt aus stark steigendem Verteidigungsetat

Für die militärische Infrastruktur stehen dem Bund inzwischen deutlich höhere Mittel zur Verfügung. Im Bundeshaushalt 2026 sind für die Unterbringung von Soldatinnen und Soldaten sowie für Betrieb und Erhalt von Kasernen und Anlagen rund 11,3 Milliarden Euro vorgesehen. Für 2027 plant die Bundesregierung nach dem aktuellen Haushaltsentwurf einen weiteren deutlichen Anstieg.

Daneben existiert das 2022 geschaffene Sondervermögen Bundeswehr mit einem Kreditrahmen von bis zu 100 Milliarden Euro. Nach dem Bundeswehrfinanzierungs- und sondervermögensgesetz können daraus grundsätzlich auch Infrastrukturprojekte finanziert werden.

Für die jetzt vereinbarten G-CAP-Rahmenverträge ist allerdings bislang keine öffentlich bestätigte Aufteilung veröffentlicht, welcher Anteil konkret aus dem Sondervermögen und welcher aus dem regulären Verteidigungshaushalt bezahlt wird. Eine pauschale Zuordnung der gesamten 4,6 Milliarden Euro zum Sondervermögen wäre daher nicht belegt.

Milliardenauftrag trifft auf Bauwirtschaft mit schwachem Wohnungsbau

Für die deutsche Bauwirtschaft kommt das Programm in einer Phase, in der sich die Lage zwar teilweise stabilisiert hat, der Wohnungsbau aber weiterhin deutlich unter dem Niveau früherer Jahre liegt. Hohe Baukosten, gestiegene Finanzierungskosten und die schwache Projektentwicklung hatten Neubauvorhaben in den vergangenen Jahren stark gebremst.

Zuletzt verbesserten sich einzelne Konjunkturindikatoren. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stieg der reale Auftragseingang im Bauhauptgewerbe im Juni 2026 gegenüber dem Vormonat um 6,0 Prozent. Im Vergleich zum Juni 2025 lag das Plus bei 11,3 Prozent. Zu dem Anstieg trugen mehrere Großaufträge bei.

Auch bei den Baugenehmigungen zeigte sich im ersten Halbjahr 2026 eine Erholung. Insgesamt wurden 126.300 Wohnungen genehmigt, 15,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Statistische Bundesamt weist allerdings darauf hin, dass der Zuwachs von einem sehr niedrigen Niveau in den Jahren 2024 und 2025 ausging.

Große öffentliche Programme für Verkehrswege, Energieinfrastruktur und militärische Gebäude gewinnen deshalb für Teile der Bauwirtschaft an Bedeutung. Das Bundeswehrprogramm mit einem Rahmenvolumen von rund 4,6 Milliarden Euro gehört zu den größten derzeit vergebenen Hochbaupaketen des Bundes. Für die beteiligten Unternehmen bietet es über mehrere Jahre planbare Abrufmöglichkeiten, garantiert aber nicht automatisch die vollständige Ausschöpfung des maximalen Vertragsvolumens.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu