NordAlu in Neumünster rutscht ins Insolvenzverfahren

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Das Aluminiumpresswerk NordAlu in Schleswig-Holstein steckt in einer schweren wirtschaftlichen Krise. Das Amtsgericht Neumünster hat am Freitag, 28. August 2026, die vorläufige Insolvenzverwaltung über die NordAlu GmbH angeordnet. Rund 100 Beschäftigte sind von der Entwicklung betroffen. Schon Wochen vor dem gerichtlichen Schritt war die Produktion am Standort zum Erliegen gekommen. Die NordAlu Insolvenz Neumünster fällt zugleich in eine schwierige Phase für die deutsche Aluminiumindustrie, die unter schwacher Nachfrage, hohen Standortkosten und internationalem Wettbewerbsdruck leidet.

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Gericht ordnet vorläufige Insolvenzverwaltung an

Das Verfahren wird beim Amtsgericht Neumünster unter dem Aktenzeichen 91 IN 81/26 geführt. Die vorläufige Insolvenzverwaltung wurde am 28. August um 8.30 Uhr angeordnet. Zur vorläufigen Insolvenzverwalterin bestellte das Gericht die Hamburger Rechtsanwältin Jennie Best. Sie ist Partnerin der Kanzlei Reimer Rechtsanwälte und Fachanwältin für Insolvenz- und Sanierungsrecht.

Nach dem gerichtlichen Beschluss sind Verfügungen der NordAlu GmbH nur noch mit Zustimmung der vorläufigen Insolvenzverwalterin wirksam. Damit befindet sich das Unternehmen zunächst im Insolvenzeröffnungsverfahren. Eine endgültige Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist damit noch nicht verbunden.

Für die rund 100 Beschäftigten kommt der Schritt nach einer über Monate zunehmend angespannten Entwicklung. Der NDR berichtete bereits Anfang Juli über einen Produktionsstillstand. Nach Angaben der IG Metall waren zuvor Gehaltszahlungen nicht fristgerecht erfolgt. Mitte August berichtete der NDR, dass die Beschäftigten bereits seit rund zwei Monaten auf ihr Geld warteten.

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Produktion stand bereits seit Anfang Juni still

Die Probleme bei NordAlu waren spätestens Anfang Juni öffentlich sichtbar geworden. Nach Angaben des NDR stand die Produktion damals still. Die Geschäftsführung bezeichnete die Situation Anfang Juli als laufenden Restrukturierungsprozess und erklärte zu diesem Zeitpunkt, den Betrieb fortführen zu wollen. Gespräche mit Stadt, Gewerkschaft, Betriebsrat, Arbeitsverwaltung und Unternehmensseite führten zunächst jedoch nicht zu einer dauerhaften Lösung.

Die IG Metall berichtete im Juli außerdem über offene Fragen zur Energieversorgung, zur Finanzierung und zum Standort. Nach Darstellung der Gewerkschaft erklärte die Geschäftsführung, die Lösung der Energieproblematik, die Wiederaufnahme der Produktion und weitere Standortfragen hingen von laufenden Investorengesprächen ab. Wirtschaftliche Unterlagen und Planungen seien zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig vorgelegt worden.

Im August wurde die Lage nochmals zugespitzter. Bei einem weiteren Runden Tisch wurde nach Angaben der IG Metall unter anderem über ausstehende Entgelte für Juni und Juli, offene Verpflichtungen gegenüber Geschäftspartnern und eine mögliche Investitionszusage gesprochen. Die Gewerkschaft erklärte allerdings, Nachweise für die angekündigte Finanzierung lägen ihr damals nicht vor.

Damit lässt sich die wirtschaftliche Schieflage inzwischen klar an mehreren Punkten erkennen: Produktionsstillstand, offene Zahlungen und fehlende Liquidität für einen regulären Geschäftsbetrieb waren bereits vor dem Insolvenzantrag dokumentiert. Eine abschließende gerichtliche Feststellung, welche einzelnen Faktoren die Insolvenz verursacht haben, liegt bislang jedoch nicht vor.

NordAlu produziert Aluminiumprofile für mehrere Industrien

Die NordAlu in Neumünster ansässige Gesellschaft produziert vor allem stranggepresste Aluminiumprofile und weiterverarbeitete Bauteile. Zum Angebot gehören nach Unternehmensangaben Aluminium-Strangpressen, CNC-Bearbeitung, Oberflächenbehandlung, Montage sowie Logistikleistungen. Die Produkte werden unter anderem für Bau und Architektur, Maschinenbau, Transport, Mobilität und erneuerbare Energien gefertigt.

Das Unternehmen gibt eine Jahresproduktion von mehr als 7.500 Tonnen Aluminium an. Am Standort in der Oderstraße 78 bis 82 befindet sich eine Strangpresse mit 18 Meganewton Presskraft. Gefertigt werden nach Unternehmensangaben Profile mit Längen von bis zu 13 Metern.

Der industrielle Ursprung des Betriebs reicht nach der Unternehmenschronik bis 1899 zurück. Damals gründete Peter Sörensen in Neumünster einen Handwerksbetrieb. Später firmierte das Unternehmen unter anderem als Sörensen und Köster und gehörte zeitweise zur Wernal-Gruppe sowie zur Gutmann-Gruppe. Seit 2025 bezeichnet sich NordAlu wieder als unabhängig. Die heutige NordAlu GmbH ist seit 2007 im Handelsregister eingetragen.

Aluminiumindustrie kämpft mit schwacher Nachfrage

Die Insolvenz bei NordAlu trifft ein Segment, das bundesweit bereits unter erheblichem Druck steht. Nach Zahlen des Branchenverbands Aluminium Deutschland sank die Produktion von Strangpressprodukten im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um vier Prozent auf rund 115.800 Tonnen. Besonders schwach sei die Nachfrage aus wichtigen Abnehmerbranchen wie Bau und Automobilindustrie gewesen.

Schon 2025 wurden in Deutschland nur rund 463.000 Tonnen Strangpressprodukte hergestellt. Das waren etwa 24 Prozent weniger als 2021. Der Verband nennt neben der schwachen Nachfrage eine geringe Auslastung, hohe Standortkosten und angespannte Rohstoffmärkte als Belastungsfaktoren.

Auch die jüngste Branchenumfrage vom August zeichnet kein deutlich besseres Bild. Die Hälfte der befragten Aluminiumunternehmen bewertete ihre Auftragslage als schlecht oder sehr schlecht. Gleichzeitig belasten hohe Schrottpreise und internationaler Preisdruck die Hersteller. Insbesondere die großen Absatzmärkte Automobilindustrie, Bau und Maschinenbau befinden sich nach Einschätzung des Verbands weiterhin in einer schwachen Phase.

Das Aluminiumpresswerk in Neumünster ist damit zwar ein Einzelfall mit eigenen finanziellen Problemen. Die Krise trifft das Unternehmen aber in einem Marktumfeld, in dem viele Wettbewerber ebenfalls mit schwacher Auslastung und hohen Kosten kämpfen.

Energiekosten bleiben ein Standortfaktor

Energie spielt bei der Aluminiumverarbeitung grundsätzlich eine wichtige Rolle. Für NordAlu selbst war eine ungeklärte Energieversorgung nach Darstellung der IG Metall bereits im Juli ein Punkt, der einer Wiederaufnahme der Produktion entgegenstand. Ob und in welchem Umfang hohe Strompreise unmittelbar zur Insolvenz geführt haben, ist dagegen bislang nicht festgestellt.

Auch die allgemeinen Energiekosten lassen sich nicht auf einen einfachen Trend reduzieren. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lagen die Erzeugerpreise für Strom im Juli 2026 zwar unter dem jeweiligen Vorjahresniveau in mehreren vorangegangenen Monaten, das allgemeine Energiepreisniveau blieb aber deutlich höher als vor der Energiekrise. Im Juli stiegen die gesamten Energie-Erzeugerpreise gegenüber dem Vorjahresmonat wieder.

Für energieintensive Unternehmen kommt deshalb nicht allein der aktuelle Börsen- oder Strompreis zum Tragen. Entscheidend sind auch Netzentgelte, Abgaben, langfristige Lieferverträge, Auslastung und die Fähigkeit, hohe Fixkosten auf ausreichende Produktionsmengen zu verteilen.

Firmeninsolvenzen bleiben auf erhöhtem Niveau

Die vorläufige Insolvenzverwaltung NordAlu fällt außerdem in eine Phase weiterhin hoher Unternehmensinsolvenzen in Deutschland. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden von Januar bis Mai 2026 insgesamt 10.546 Unternehmensinsolvenzen registriert. Das waren 4,9 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Im März lagen die registrierten Unternehmensinsolvenzen sogar 15,8 Prozent über dem Vorjahreswert, im April lag der Anstieg bei 7,1 Prozent. Erst im Mai wurde mit 1.995 Fällen ein Rückgang um zwei Prozent gegenüber Mai 2025 registriert. Die amtliche Statistik bildet Insolvenzanträge allerdings mit zeitlicher Verzögerung ab.

Für die Aluminiumindustrie Deutschland kommt damit eine angespannte gesamtwirtschaftliche Lage zu eigenen strukturellen Problemen hinzu. Bei NordAlu richtet sich der Blick nun zunächst auf die vorläufige Insolvenzverwaltung. Entscheidend wird sein, ob der Geschäftsbetrieb stabilisiert und eine wirtschaftlich tragfähige Perspektive für den Standort gefunden werden kann.

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