
Ausländische Unternehmen haben Deutschland 2025 deutlich mehr Kapital zur Verfügung gestellt als im Jahr zuvor. Die ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland lagen nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft auf Basis von Daten der Deutschen Bundesbank bei rund 86 Milliarden Euro. Gegenüber den etwa 57,5 Milliarden Euro des Jahres 2024 entspricht das einem Anstieg von rund 50 Prozent.
Die Bundesbank hatte die Größenordnung bereits in ihrem Monatsbericht vom März 2026 ausgewiesen. Demnach flossen Deutschland 2025 im Ergebnis rund 86 Milliarden Euro an Direktinvestitionsmitteln zu. Erfasst werden dabei unter anderem Beteiligungskapital und Finanzierungen über konzerninterne Kredite. Die Zahlen bilden damit Kapitalbewegungen multinationaler Unternehmen ab und sind nicht mit dem Volumen neu gebauter Fabriken oder neu geschaffener Standorte gleichzusetzen.
Besonders deutlich veränderte sich 2025 die Herkunft des investierten Kapitals. Nach der am 31. August 2026 veröffentlichten Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft investierten Unternehmen aus dem Vereinigten Königreich rund 26 Milliarden Euro in Deutschland. Gegenüber 2024 entspricht das einem Zuwachs von rund 284 Prozent. Der britische Anteil an den gesamten ausländischen Direktinvestitionen lag damit bei fast 31 Prozent.
Investitionen aus den Vereinigten Staaten entwickelten sich dagegen in die andere Richtung. Nach der IW-Auswertung lag ihr Volumen 2025 bei rund 11,8 Milliarden Euro. Das waren fast 44 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Der Anteil der USA am gesamten ausländischen Investitionszufluss sank dadurch von mehr als 36 Prozent auf rund 14 Prozent.
China spielte bei diesen Kapitalflüssen trotz eines prozentualen Anstiegs nur eine geringe Rolle. Das IW errechnete für chinesische Direktinvestitionen rund 199 Millionen Euro. Das entsprach einem Anteil von etwa 0,2 Prozent am gesamten Zufluss. Die Investitionen lagen damit zwar rund 51 Prozent über dem Vorjahreswert, blieben gemessen am Gesamtvolumen aber klein.
Europa blieb 2025 mit deutlichem Abstand die wichtigste Herkunftsregion für ausländisches Investitionskapital in Deutschland. Unternehmen aus den übrigen Mitgliedstaaten der Europäischen Union investierten nach der IW-Auswertung rund 43 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr ging dieser Betrag leicht um 2,7 Prozent zurück. Dennoch entfiel damit gut die Hälfte der gesamten Direktinvestitionen auf die übrigen EU-Staaten.
Zusammen mit dem Vereinigten Königreich kamen mehr als 80 Prozent des ausländischen Investitionskapitals aus europäischen Staaten. Die starke Zunahme des britischen Anteils war damit ein wesentlicher Grund dafür, dass der Rückgang der Investitionen aus den USA mehr als ausgeglichen wurde.
Auch im längerfristigen Vergleich lag das Investitionsvolumen über dem üblichen Niveau. Nach Angaben des IW übertraf der Wert für 2025 den Median der Jahre 2015 bis 2024 um knapp elf Prozent. Direktinvestitionsströme können allerdings von Jahr zu Jahr erheblich schwanken. Große Unternehmenstransaktionen, konzerninterne Finanzierungen und spätere statistische Revisionen können die Jahreswerte deutlich verändern.
Der starke Anstieg der Kapitalflüsse bedeutet nicht, dass auch die Zahl neuer Unternehmensansiedlungen und Erweiterungen entsprechend gestiegen ist. Das zeigen die Daten der staatlichen Wirtschaftsförderungsgesellschaft Germany Trade & Invest vom 21. Mai 2026.
GTAI erfasste für 2025 insgesamt 1.564 ausländische Investitionsprojekte in Deutschland. Das waren 9,3 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Das geplante Investitionsvolumen dieser Projekte lag nach Angaben der Gesellschaft bei rund 11,8 Milliarden Euro und damit 49,1 Prozent unter dem Vorjahreswert. Erfasst werden dabei Neuansiedlungen, Erweiterungen und bestimmte Verlagerungen. Übernahmen und Fusionen gehören nicht zu dieser Projektstatistik.
Die beiden Datensätze messen deshalb unterschiedliche Entwicklungen. Die Bundesbank erfasst grenzüberschreitende Finanzströme im Rahmen der Zahlungsbilanz. Die GTAI Statistik konzentriert sich dagegen auf konkrete Investitionsprojekte ausländischer Unternehmen. Ein hoher Zufluss in der Zahlungsbilanz kann deshalb mit einer sinkenden Zahl neuer Projekte zusammenfallen.
Die deutsche Entwicklung fällt in ein Jahr, in dem die internationalen Direktinvestitionen insgesamt wieder gestiegen sind. Nach dem am 7. Juli 2026 veröffentlichten World Investment Report der UN Handelsorganisation UNCTAD nahmen die weltweiten ausländischen Direktinvestitionen 2025 um sechs Prozent auf rund 1,6 Billionen US Dollar zu. Damit endeten auf globaler Ebene zwei Jahre mit rückläufigen Werten.
In den entwickelten Volkswirtschaften legten die Zuflüsse laut UNCTAD um elf Prozent zu. Die Organisation warnt allerdings davor, aus den höheren Gesamtwerten automatisch auf eine breite Investitionserholung zu schließen. Ein erheblicher Teil des Wachstums konzentrierte sich auf wenige Staaten, große Einzelprojekte und strategische Bereiche wie digitale Infrastruktur.
Auch die deutschen Zahlen ergeben deshalb ein differenziertes Bild. Der Kapitalzufluss aus dem Ausland hat sich 2025 nach dem Rückgang des Vorjahres deutlich erholt und lag auch über dem längerfristigen Median. Gleichzeitig nahm die Zahl der von GTAI erfassten Neuansiedlungen und Erweiterungsprojekte ab. Besonders stark veränderte sich die geografische Zusammensetzung der Investitionen: Großbritannien gewann deutlich an Gewicht, während der Anteil der Vereinigten Staaten zurückging.
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