
Die britische Partei Reform UK erhält binnen kurzer Zeit zwei außergewöhnlich hohe Finanzspritzen. Die Unternehmer Ben Delo und Christopher Harborne stellen der von Nigel Farage geführten Partei jeweils 36 Millionen Pfund zur Verfügung. Zusammen geht es damit um 72 Millionen Pfund. Jede der beiden Zuwendungen übertrifft für sich die bislang bekannten Rekorde für einzelne Parteispenden in Großbritannien deutlich.
Die Reform UK Rekordspenden verschieben damit die finanzielle Ausgangslage im britischen Parteiensystem. Die Beträge sind nicht nur im Vergleich zu früheren Großspendern ungewöhnlich hoch. Die beiden Zuwendungen zusammen übersteigen sogar die Größenordnung dessen, was alle britischen Parteien im gesamten Jahr 2025 an Spenden erhielten. Für Reform UK bedeutet das einen erheblich größeren finanziellen Spielraum auf dem Weg zur nächsten Unterhauswahl.
Die erste Rekordspende wurde von Ben Delo angekündigt. Der britische Unternehmer gehörte zu den Mitgründern der Kryptohandelsplattform BitMEX und hatte Reform UK bereits zuvor unterstützt. Im ersten Halbjahr 2026 flossen von ihm insgesamt acht Millionen Pfund an die Partei. Seine neue Zuwendung von 36 Millionen Pfund entspricht nach seiner eigenen Darstellung rechnerisch einer Million Pfund für jeden Monat bis zum spätestmöglichen Termin der nächsten Unterhauswahl.
Nur einen Tag später folgte Christopher Harborne mit derselben Summe. Harborne ist ein britisch-thailändischer Unternehmer und seit Jahren einer der wichtigsten Geldgeber von Reform UK und zuvor auch anderer politischer Akteure. Er hatte Reform bereits 2025 zwölf Millionen Pfund und in diesem Jahr weitere drei Millionen Pfund zur Verfügung gestellt. Nun erklärte er, Delos Betrag von 36 Millionen Pfund ebenfalls bereitstellen zu wollen.
Beide Geldgeber begründeten ihre Unterstützung öffentlich mit politischen und wirtschaftlichen Vorstellungen. Delo erklärte, Reform solle weniger Zeit mit der Beschaffung von Geld und mehr Zeit mit der Vorbereitung auf eine mögliche Regierungsverantwortung verbringen können. Harborne verwies unter anderem auf seine wirtschaftspolitischen Vorstellungen. Hinweise darauf, dass die Spenden mit konkreten Gegenleistungen verbunden seien, liegen nicht vor.
Die Dimension wird im historischen Vergleich besonders deutlich. Zu den bislang größten bekannten Einzelzuwendungen gehörte ein Vermächtnis des früheren Sainsbury-Vorsitzenden John Sainsbury an die Conservative Party in Höhe von rund zehn Millionen Pfund. Christopher Harborne hatte Reform UK im Jahr 2025 zudem eine einzelne Spende über neun Millionen Pfund gegeben, damals die größte registrierte Parteispende eines lebenden Einzelspenders.
Mit jeweils 36 Millionen Pfund liegen die neuen Beträge mehr als dreimal so hoch wie diese früheren Spitzenwerte. Auch die bisherigen Einnahmen von Reform UK wirken daneben vergleichsweise klein. Nach Angaben der britischen Electoral Commission akzeptierte die Partei im ersten Quartal 2026 rund 9,26 Millionen Pfund an privaten Spenden. Im zweiten Quartal kamen weitere rund 5,33 Millionen Pfund hinzu.
Die neuen September-Zuwendungen waren in den bislang veröffentlichten Quartalszahlen der Electoral Commission zunächst noch nicht enthalten. Die Angaben zu den 36-Millionen-Spenden stammen von den Geldgebern beziehungsweise der Partei und wurden inzwischen von mehreren internationalen und britischen Medien übereinstimmend berichtet.
Großbritannien kennt für zulässige inländische Geldgeber grundsätzlich keine allgemeine Obergrenze für Parteispenden. Entscheidend ist unter anderem, ob ein Spender nach den gesetzlichen Vorgaben als zulässige Quelle gilt. Zugleich bestehen gesonderte gesetzliche Grenzen dafür, wie viel eine Partei während des regulierten Zeitraums einer Unterhauswahl für Wahlkampfmaßnahmen ausgeben darf.
Die 72 Millionen Pfund können deshalb nicht automatisch vollständig in einen späteren offiziellen Wahlkampf fließen. Geld außerhalb des regulierten Wahlkampfzeitraums kann einer Partei jedoch beispielsweise beim Ausbau ihrer Organisation, der Beschäftigung von Personal, bei politischer Vorbereitung und beim Aufbau langfristiger Strukturen helfen. Für eine Partei, die mit den historisch wesentlich stärker ausgebauten Apparaten von Labour und den Conservatives konkurrieren will, ist das ein wichtiger Unterschied.
Der Geldzufluss trifft auf eine politisch offene Situation. In einer YouGov-Umfrage vom 6. und 7. September 2026 kamen Reform UK und Labour jeweils auf 23 Prozent. Die Conservatives lagen bei 20 Prozent. Andere Umfragen ergeben teilweise abweichende Abstände, doch Reform gehört weiterhin zu den Parteien, die um die Spitzenposition konkurrieren.
Geld allein entscheidet eine britische Unterhauswahl allerdings nicht. Das Mehrheitswahlrecht wird in einzelnen Wahlkreisen entschieden. Eine Partei kann landesweit einen hohen Stimmenanteil erreichen und dennoch deutlich weniger Mandate erhalten als eine Konkurrenzpartei mit geografisch günstiger verteilten Stimmen. Für Reform UK bleibt deshalb neben der nationalen Zustimmung entscheidend, ob die Partei in genügend Wahlkreisen starke Kandidaten, lokale Strukturen und dauerhaft mobilisierbare Wählergruppen aufbauen kann.
Ein festes Datum für die nächste Unterhauswahl gibt es noch nicht. Die derzeitige Legislaturperiode begann im Juli 2024. Wird das Parlament nicht vorher aufgelöst, endet sie automatisch im Juli 2029. Nach den geltenden Wahlfristen wäre der 15. August 2029 der spätestmögliche Wahltag. Eine frühere Wahl kann jedoch angesetzt werden.
Damit verschaffen die beiden Spenden Reform UK lange vor dem eigentlichen Wahltermin eine außergewöhnlich große finanzielle Reserve. Die Partei erhält dadurch die Möglichkeit, ihre Organisation und Vorbereitung über mehrere Jahre auszubauen. Ob daraus auch ein entsprechender Wahlerfolg entsteht, hängt jedoch weiterhin von Umfrageentwicklung, Kandidaten, Wahlkreisstrategien und der politischen Konkurrenz ab.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu