
Künstliche Intelligenz ist nach einer neuen Erhebung des Digitalverbands Bitkom in der deutschen Wirtschaft deutlich weiter verbreitet als noch vor einem Jahr. 57 Prozent der befragten Unternehmen ab 20 Beschäftigten gaben an, KI bereits einzusetzen. 2025 lag der Anteil bei 36 Prozent, 2024 bei 20 Prozent. Damit nutzt nach dieser Erhebung erstmals eine Mehrheit der Unternehmen Künstliche Intelligenz. Weitere 38 Prozent planen den Einsatz oder diskutieren darüber. Nur noch 4 Prozent erklärten, KI sei für ihr Unternehmen kein Thema.
Die Zahlen stammen aus einer Umfrage von Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Zwischen der 28. und 33. Kalenderwoche 2026 wurden 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland telefonisch befragt. Bitkom bezeichnet die Erhebung als repräsentativ für die Gesamtwirtschaft. Die Ergebnisse sind dennoch von amtlichen Unternehmensstatistiken zu unterscheiden. Es handelt sich um eine Verbandsumfrage, deren Definition, Unternehmensauswahl und Fragestellung bei Vergleichen mit anderen Erhebungen berücksichtigt werden müssen.
Der längerfristige Vergleich zeigt einen starken Anstieg. 2023 lag der Anteil der Unternehmen mit KI-Einsatz in der entsprechenden Bitkom-Erhebung bei 15 Prozent, 2024 bei 20 Prozent und 2025 bei 36 Prozent. Innerhalb von zwei Jahren hat sich der gemessene Anteil damit nahezu verdreifacht. Gleichzeitig ist die Gruppe der Unternehmen, für die KI kein Thema ist, stark geschrumpft. 2024 lag ihr Anteil noch bei 41 Prozent, 2025 bei 17 Prozent und aktuell bei 4 Prozent.
Trotz des starken Wachstums sehen sich viele Anwender erst am Anfang. Unter den Unternehmen, die bereits KI nutzen, gab keines an, das Potenzial der Technologie vollständig auszuschöpfen. Nur 3 Prozent bewerteten die eigene Nutzung als eher stark. 28 Prozent nutzen die Möglichkeiten nach eigener Einschätzung eher wenig, 59 Prozent überhaupt nicht umfassend. Zugleich berichteten 66 Prozent der KI-Anwender von einer verbesserten Wettbewerbsposition. Bei 48 Prozent wurden interne Prozesse nach eigener Einschätzung deutlich beschleunigt, 45 Prozent sehen einen messbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg.
Deutliche Unterschiede zeigen sich vor allem zwischen den Unternehmensbereichen. Von den Firmen, die KI bereits einsetzen, nutzen 72 Prozent die Technologie im Kundenkontakt und 54 Prozent in Marketing und Kommunikation. In Controlling und Rechnungswesen lag der Anteil bei 25 Prozent, in Produktionsabläufen und im internen Wissensmanagement jeweils bei 22 Prozent. 20 Prozent integrieren KI in eigene Produkte und Dienstleistungen, 16 Prozent setzen sie in Forschung und Entwicklung ein.
Einige bislang weniger verbreitete Anwendungen haben deutlich zugelegt. Beim internen Wissensmanagement stieg der Anteil gegenüber 2025 von 11 auf 22 Prozent, im Vertrieb von 5 auf 14 Prozent und in der IT-Abteilung von 2 auf 9 Prozent. Der KI-Einsatz in Unternehmen verlagert sich damit zunehmend von einzelnen Kommunikationsanwendungen in weitere Geschäftsprozesse.
Eine detaillierte Aufschlüsselung der neuen Gesamtquote von 57 Prozent nach Wirtschaftszweigen veröffentlicht Bitkom in der zentralen Ergebnisdarstellung nicht. Separate Branchenbefragungen zeigen allerdings, dass die Verbreitung unterschiedlich ausfallen kann. In einer eigenständigen Bitkom-Erhebung unter 502 Logistikunternehmen ab 20 Beschäftigten lag der KI-Einsatz 2026 beispielsweise bei 51 Prozent. Wegen unterschiedlicher Stichproben und Erhebungen ist dieser Wert nicht unmittelbar mit der gesamtwirtschaftlichen Quote vergleichbar.
Die Hemmnisse unterscheiden sich deutlich danach, ob ein Unternehmen KI bereits nutzt. Unter den Unternehmen ohne KI-Einsatz nannten 85 Prozent fehlendes technisches Know-how als Hürde. 66 Prozent verwiesen auf rechtliche Unsicherheiten, 63 Prozent auf schwer kalkulierbare Kosten und 51 Prozent auf fehlende personelle Ressourcen. 40 Prozent erklärten, ihnen fehlten notwendige Daten, 30 Prozent sahen keine geeigneten Anwendungsfälle.
Bei Unternehmen mit praktischer KI-Erfahrung verschieben sich die Probleme. Dort nannten 66 Prozent Datenschutzanforderungen als Hemmnis. Rechtliche Unsicherheit folgte mit 56 Prozent, schwer kalkulierbare Kosten mit 54 Prozent. 45 Prozent sorgen sich darum, dass Unternehmensdaten in falsche Hände gelangen könnten. Fehlendes technisches Know-how spielt bei den Anwendern mit 25 Prozent dagegen eine wesentlich geringere Rolle als bei Unternehmen ohne KI.
Die wachsende Nutzung schlägt sich auch in Schulungsangeboten nieder. 70 Prozent der befragten Unternehmen bieten nach Bitkom-Angaben inzwischen irgendeine Form von KI-Weiterbildung an. 11 Prozent schulen alle Beschäftigten, 22 Prozent einen Großteil und 37 Prozent ausgewählte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ein Viertel bietet keine entsprechenden Schulungen an. 2025 lag dieser Anteil noch bei 43 Prozent.
Gleichzeitig bewerten 66 Prozent der Unternehmen die KI-Kompetenzen ihrer Beschäftigten weiterhin als gering. Bei Unternehmen mit KI-Erfahrung fällt die Einschätzung günstiger aus. Dort halten 40 Prozent die entsprechenden Kompetenzen für hoch, während dies unter Unternehmen ohne KI-Nutzung nur 14 Prozent sagen.
Ein direkter Vergleich der Bitkom-Zahl mit europäischen oder internationalen Statistiken wäre irreführend. Eurostat kam für 2025 auf einen Anteil von 20 Prozent der Unternehmen in der Europäischen Union, die mindestens eine KI-Technologie nutzten. Erfasst wurden dort Unternehmen ab zehn Beschäftigten nach einer europaweit harmonisierten Methodik. In Dänemark lag der Wert bei 42 Prozent, in Finnland bei rund 38 Prozent und in Schweden bei 35 Prozent.
Auch die OECD ermittelte für 2025 in den verfügbaren Mitgliedsländern einen durchschnittlichen Anteil von 20,2 Prozent. Besonders stark verbreitet war KI im Informations- und Kommunikationssektor mit 57,3 Prozent, gefolgt von wissenschaftlichen und professionellen Dienstleistungen mit 36,8 Prozent. Diese Werte zeigen zugleich deutliche internationale und branchenspezifische Unterschiede. Sie lassen sich wegen anderer Bezugsjahre, Unternehmensgrößen, Definitionen und Erhebungsmethoden jedoch nicht unmittelbar mit den 57 Prozent der aktuellen Bitkom-Studie gleichsetzen.
Die neue Bitkom-Erhebung zeigt vor allem die Geschwindigkeit der Entwicklung innerhalb derselben deutschen Befragungsreihe. Der Anteil der KI-Anwender ist dort von 20 Prozent im Jahr 2024 über 36 Prozent im Jahr 2025 auf 57 Prozent im Jahr 2026 gestiegen. Gleichzeitig machen die Ergebnisse deutlich, dass eine breite Nutzung nicht automatisch eine tiefgreifende Integration bedeutet. Viele Unternehmen setzen KI inzwischen ein, sehen bei Know-how, Datenschutz, Rechtssicherheit, Daten und der Einbindung in bestehende Prozesse aber weiterhin erhebliche Herausforderungen.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu