Klingbeil nennt Bedingungen für mögliche Commerzbank-Übernahme

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Im Ringen um die Zukunft der Commerzbank hat die Bundesregierung ihre Rolle neu ausgerichtet. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil traf am Montag, 14. September 2026, UniCredit-Chef Andrea Orcel in Berlin und formulierte Erwartungen für den Fall, dass die italienische Großbank ihre Kontrolle über die Commerzbank weiter ausbaut. Im Mittelpunkt stehen der Sitz in Frankfurt, die Börsennotierung der Commerzbank, das Geschäft mit dem deutschen Mittelstand und die Interessen der Beschäftigten.

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Die Bundesregierung hatte sich lange gegen eine Übernahme durch UniCredit gestellt. Inzwischen führen die Managements beider Banken direkte Gespräche über den weiteren Weg. Aus Regierungskreisen wurde bereits im Sommer die Einschätzung bekannt, dass sich eine Übernahme mit den bisherigen Mitteln nicht mehr verhindern lasse. Öffentlich bestätigt hat die Bundesregierung diese Formulierung nicht. Bestätigt ist dagegen, dass Berlin inzwischen nicht mehr nur über die Abwehr eines unerwünschten Zugriffs spricht, sondern Bedingungen für ein mögliches Zusammengehen formuliert.

Klingbeil setzt auf Frankfurt und das Mittelstandsgeschäft

Klingbeil machte nach dem Treffen deutlich, dass die Commerzbank aus Sicht der Bundesregierung eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleiben soll. Zudem soll sie ihr starkes Geschäft mit mittelständischen Unternehmen in Deutschland und im Ausland fortführen. Für die Bundesregierung hat die Bank wegen ihrer Rolle bei der Finanzierung deutscher Unternehmen und wegen ihrer mehr als 40.000 Beschäftigten besondere Bedeutung.

UniCredit-Chef Orcel bezeichnete das Treffen als konstruktiven Auftakt. Weitere Gespräche sollen folgen. Eine Einigung über die Bedingungen einer möglichen Übernahme wurde nicht bekanntgegeben. Unklar blieb zunächst auch, welche Zusagen UniCredit zu Standort, Beschäftigung, Konzernstruktur und eigenständiger Börsennotierung der Commerzbank tatsächlich geben würde.

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UniCredit hat sich Zugriff auf fast die Hälfte gesichert

Die Machtverhältnisse haben sich seit dem Einstieg von UniCredit im September 2024 deutlich verschoben. Nach Abschluss des freiwilligen Übernahmeangebots teilte UniCredit am 8. Juli 2026 mit, dass Aktien im Umfang von 17,60 Prozent des Commerzbank-Kapitals angedient worden seien. Zusammen mit direkt gehaltenen Aktien und weiteren Finanzinstrumenten errechnete UniCredit damals eine Position von 47,59 Prozent des Kapitals. Nach der späteren Einziehung eigener Aktien der Commerzbank entspricht der mögliche Zugriff bis zu 49,65 Prozent der Stimmrechte.

Damit liegt UniCredit nur knapp unter der absoluten Mehrheit der Stimmrechte. Bei Hauptversammlungen kann ein Anteil in dieser Größenordnung dennoch erheblichen Einfluss bedeuten, weil üblicherweise nicht sämtliche Aktionäre vertreten sind. Die technische Umsetzung des Übernahmeangebots ist zudem noch Teil eines mehrstufigen Verfahrens. UniCredit beschloss am 10. September eine Kapitalerhöhung, die für den Aktientausch im Rahmen des Angebots vorgesehen ist.

Der Bund hält noch 12,11 Prozent der Commerzbank

Die Bundesrepublik Deutschland bleibt zweitgrößter Aktionär der Commerzbank. Nach der aktuellen Aktionärsstruktur der Bank liegt der Bundesanteil auf Basis der derzeit ausgegebenen Aktien bei 12,11 Prozent. Der Staat war während der Finanzkrise bei der Commerzbank eingestiegen und hatte seine Beteiligung später schrittweise reduziert.

Als Aktionär kann der Bund seinen Anteil behalten, verkaufen und auf Hauptversammlungen abstimmen. Allein mit seiner Beteiligung kann er jedoch nicht verhindern, dass UniCredit weitere Aktien übernimmt oder mit einer sehr großen Stimmrechtsposition maßgeblichen Einfluss gewinnt. Ein unmittelbares Vetorecht des Bundes gegen den Aktienerwerb folgt aus dem Anteil nicht. Daneben gelten für eine grenzüberschreitende Banktransaktion aufsichtsrechtliche und regulatorische Verfahren, die nicht allein von der Bundesregierung in ihrer Rolle als Aktionär entschieden werden.

Aus Abwehr wird Verhandlung über Bedingungen

Genau darin liegt die politische Veränderung des Konflikts. Die Bundesregierung kann ihre Beteiligung weiterhin als Verhandlungsposition nutzen, doch die Übernahme der Commerzbank durch UniCredit hängt inzwischen nicht mehr allein davon ab, ob der Bund seine Aktien verkauft. UniCredit hat sich bereits unabhängig vom Bundesanteil eine Position aufgebaut, die nahe an die Hälfte der Stimmrechte reicht.

Berlin konzentriert sich deshalb stärker auf die Frage, wie die Commerzbank nach einem möglichen Kontrollwechsel organisiert wäre. Neben dem Sitz in Frankfurt geht es um die Finanzierung deutscher Unternehmen, die Rolle des Mittelstandsgeschäfts und die Beschäftigten. Ob diese Punkte in verbindliche Vereinbarungen einfließen, war nach dem Treffen nicht bekannt.

Die Entscheidung hat europäische Bedeutung

Ein Zusammenschluss von UniCredit und Commerzbank wäre nicht nur für den deutschen Bankenmarkt von Bedeutung. UniCredit gehört zu den größten Bankengruppen Italiens und ist über die HypoVereinsbank bereits stark in Deutschland vertreten. Eine Kombination mit der Commerzbank würde zwei große Bankennetze aus Deutschland und Italien enger zusammenführen und die Gewichte im europäischen Bankensektor verschieben.

Für die Bundesregierung geht es deshalb nicht nur um ihre Beteiligung aus der Finanzkrise. Die Frage berührt auch den Finanzplatz Frankfurt, den Zugang deutscher Unternehmen zu Bankkrediten und die künftige Struktur eines großen grenzüberschreitenden Bankkonzerns. Nach dem Gespräch zwischen Klingbeil und Orcel ist klar, dass die Bundesregierung den Prozess nicht mehr ausschließlich mit der Forderung nach Eigenständigkeit begleitet. Im Mittelpunkt stehen nun Bedingungen für den Fall, dass UniCredit seine Position bei der Commerzbank weiter in tatsächliche Kontrolle überführt.

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