Grundschule in Greven will Hausaufgaben ganz abschaffen

Fast 7,9 Millionen Euro fließen 2026/27 in die Schulsozialarbeit im Regierungsbezirk Münster. Auch Münster erhält mehr als 724.000 Euro.
Foto: Ali Ahmad DANESH

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Greven. Hausaufgaben nach Schulschluss gehören für Generationen von Kindern zum Alltag. An der Martinischule in Greven wird dieses Prinzip nun schrittweise verändert. Die Martinischule Greven reduziert Hausaufgaben und verlagert einen Teil der Übungszeit direkt in den Schultag. Statt gleicher Aufgaben für alle sollen Kinder während zusätzlicher Lernzeiten gezielter gefördert oder gefordert werden. Perspektivisch möchte die katholische Grundschule ganz ohne klassische Hausaufgaben auskommen.

Eine zusätzliche Schulstunde verändert den Wochenrhythmus

Seit Beginn des Schuljahres 2026/27 gibt es an einem festen Wochentag eine zusätzliche Unterrichtsstunde. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten dabei nach Angaben der Schule in kleineren Gruppen. Welche Aufgaben sie bekommen, soll sich stärker danach richten, wo sie Unterstützung benötigen oder bereits weiterführende Aufgaben bewältigen können. Eine solche Lernzeit ersetzt derzeit zwei bisherige Hausaufgabeneinheiten. An zwei Tagen gibt es weiterhin Aufgaben für zu Hause.

Damit geht das Konzept über die bloße Frage hinaus, ob Kinder weniger Aufgaben erhalten. Entscheidend ist vielmehr, wo und unter welchen Bedingungen geübt wird. Die Schule möchte einen größeren Teil dieser Arbeit in einen Rahmen verlagern, in dem Lehrkräfte unmittelbar unterstützen können. Für Kinder, die den Offenen Ganztag besuchen, sind betreute Lernzeiten grundsätzlich schon Teil des Schulalltags. Dort schließt sich die Lernzeit an das Mittagessen an.

Für einen vollständigen Abschied von den Hausaufgaben reicht die bisherige zusätzliche Stunde allerdings noch nicht. Nach Darstellung der Martinischule wären dafür zwei feste Lernzeiten pro Woche notwendig. Das lässt sich derzeit aus strukturellen Gründen nicht umsetzen. Als nächster Schritt soll deshalb geprüft werden, ob langfristig zwei zusätzliche Lernzeiten an die Stelle der verbliebenen Hausaufgaben treten können.

Hausaufgaben sind in NRW kein unveränderliches Pflichtmodell

Der Grevener Ansatz bewegt sich in einer grundsätzlichen Debatte darüber, welche Rolle Hausaufgaben im Schulalltag spielen sollen. Nordrhein-Westfalen schreibt Schulen nicht vor, dass jeden Tag Hausaufgaben aufgegeben werden müssen. Die Schulkonferenz entscheidet über Grundsätze zu Umfang und Verteilung. Für offene Ganztagsschulen sieht das Land zudem ausdrücklich vor, Hausaufgaben in das Gesamtkonzept des Ganztags einzubinden.

Grundsätzlich sollen Hausaufgaben Unterricht ergänzen, bereits Erarbeitetes festigen und Schülerinnen und Schüler an selbstständiges Arbeiten heranführen. Dabei sollen sie so gestellt sein, dass Kinder sie grundsätzlich ohne fremde Hilfe bewältigen können. Genau an diesem Punkt setzt das Grevener Modell an: Übungszeit soll stärker in einen betreuten schulischen Rahmen verlagert werden.

Auch die wissenschaftliche Debatte spricht nicht für ein einfaches Schwarz-Weiß-Urteil. Eine große Forschungsübersicht zeigte bereits, dass der Zusammenhang zwischen Hausaufgaben und Lernerfolg in höheren Klassen deutlich stärker ausfällt als bei jüngeren Kindern. Neuere Zusammenfassungen kommen ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Hausaufgaben im Primarbereich durchschnittlich geringere Effekte haben als in weiterführenden Schulen. Gleichzeitig scheint die Qualität der Aufgaben wichtiger zu sein als ihre reine Menge.

Damit wird die Martinischule nicht einfach zu einer Schule, an der weniger gearbeitet wird. Sie versucht vielmehr, einen Teil des Lernens anders zu organisieren: weniger allein am Küchentisch, mehr begleitet während des Schultags. Ob daraus tatsächlich eine Schule vollständig ohne Hausaufgaben wird, hängt davon ab, ob sich genügend zusätzliche Lernzeit organisatorisch dauerhaft umsetzen lässt.

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